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Urteil in Gießen: «Perfide» und «manipulativ»: Haftstrafe für Verabredung zum Mord

Ein Mann erklärt sich aus Eigennutz bereit, eine psychisch kranke Frau zu töten - davon ist das Landgericht Gießen überzeugt. Der Angeklagte will dabei nur Rollenspiele im Sinn gehabt haben. Doch die Richter gehen von einem ganz anderen Motiv aus.
Das Landgericht in Gießen. Foto: Marius Becker/Archiv Das Landgericht in Gießen. Foto: Marius Becker/Archiv
Gießen. 

Ein Mann aus Mittelhessen hat sich mit einer psychisch kranken Frau verabredet, um sie zu ermorden und ist deswegen zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Gießen war am Dienstag überzeugt, dass der 57-Jährige den labilen Zustand der Frau aus Leipzig ausgenutzt hatte, um seine sexuellen Tötungsfantasien auszuleben. Die Vorgehensweise des Angeklagten sei «über alle Maße perfide» gewesen, begründete die Vorsitzende Richterin das Urteil.

Der Mann hatte die 23-Jährige in einem Online-Forum kontaktiert, wo sich suizidgefährdete Menschen austauschen. Schon bald habe er der Frau angeboten, sie zu erhängen und sie dazu auch gedrängt, befand das Gericht. Die Frau willigte ein - war aber nach Aussage eines Sachverständigen wegen ihrer Krankheit gar nicht in der Lage, diese Entscheidung zu treffen. Der Angeklagte dagegen will von einer Verabredung zum Töten nichts wissen. Es sei lediglich um Rollenspiele gegangen.

Der Angeklagte und das Opfer trafen sich im April 2016 am Bahnhof in Gießen für sein Vorhaben, wo der Mann nach dem Hinweis eines investigativ recherchierenden Fernsehteams rechtzeitig festgenommen werden konnte. Offenbar hatte ein Bekannter der jungen Frau das TV-Team informiert.

Ein Sachverständiger hatte dem Angeklagten einen «sexuellen Sadismus» attestiert. Er sei aber dennoch steuerungsfähig und in der Lage gewesen, sich anders zu verhalten. Das Gericht warf dem Mann eine «hohe kriminelle Energie» vor. Es gehe nicht darum, sexuelle Vorlieben zu ahnden, betonte die Vorsitzende. Der Angeklagte habe sich mit seinem Vorgehen strafbar gemacht.

Der 57-Jährige, der unter anderem wegen Vergewaltigung vorbestraft ist, hatte nach Angaben des Gerichts bereits mehrfach in dem Online-Forum Frauen kontaktiert. In einem Fall soll er eine junge Frau tatsächlich zum Selbstmord getrieben haben.

Auch der Vertreter der Anklage war überzeugt, dass es dem Mann nicht um Rollenspiele gegangen war: «Sie wollten töten. Deswegen suchen Sie sich hochgradig suizidale Menschen.» Der Angeklagte sei ein manipulativer und gefährlicher Mensch, sagte der Staatsanwalt. Er hatte sieben Jahre Haft für den 57-Jährigen gefordert. Die Verteidigung verzichtete auf ein Plädoyer. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

(dpa)
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