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Tarifstreit: Pilotenstreik geht auch Samstag weiter - Langstrecke betroffen

Die Piloten bei der Lufthansa haben ihren Streik um einen vierten Tag verlängert. Am Samstag soll es die Langstrecken treffen. Eine Lösung des Konflikts ist immer noch nicht in Sicht.
Auch am Samstag fallen viele Flüge aus. Foto: Matthias Balk (dpa) Auch am Samstag fallen viele Flüge aus.
Frankfurt.  Wer am Samstag mit der Lufthansa in den Urlaub starten will, könnte eine Riesenenttäuschung erleben. Die Piloten der Airline werden nun auch am Samstag streiken, wie die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Betroffen sind alle Langstreckenflüge, die an diesem Tag von Deutschland aus starten sollen. Die VC vermisst nach eigenem Bekunden den ernsthaften Willen der Lufthansa, im Tarifkonflikt zu einer Lösung zu kommen. Die Gewerkschaft betonte erneut, gerade in dem Bereich, in dem die «angeblich überbezahlten» Piloten beschäftigt sind, verdiene die Lufthansa gutes Geld.

Bereits an diesem Freitag fallen wegen des Pilotenstreiks bei Lufthansa erneut 830 Flüge aus. Am dritten Streiktag hintereinander sind dieses Mal nahezu ausschließlich Kurz- und Mittelstrecken betroffen, mit zusammen rund 100 000 Passagieren, wie das Unternehmen am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Anders als an den Vortagen werde die Langstrecke «nahezu planmäßig durchgeführt». «Insgesamt sind an den drei Streiktagen mehr als 315 000 Passagiere von 2618 Flugausfällen betroffen», resümierte die Fluggesellschaft. Nur wenige Fluggäste wichen auf die Bahn aus.

Der Dax-Konzern forderte die Vereinigung Cockpit mit Nachdruck dazu auf, nach der 14. Streikrunde einer Schlichtung zuzustimmen. «Wir sind als Vorstand für mehr als 120 000 Mitarbeiter verantwortlich und wollen Lufthansa zukunftsfähig aufstellen. Das wird mit einer Forderung von 20 Prozent mehr Lohn nicht möglich sein», sagte Lufthansa-Vorstandsmitglied Harry Hohmeister. Der VC-Vorsitzende Tarifpolitik, Ingolf Schumacher, sagte dazu: «Eine Schlichtung nach mehr als vier Jahren Verhandlungen macht nur dann Sinn, wenn der ernsthafte Wille an einem solchen Kompromiss nicht durch Scheinangebote konterkariert wird.»

In dem bis Anfang 2014 zurückreichenden Tarifkonflikt hatte Lufthansa den Piloten zuletzt ein Lohnplus von 2,5 Prozent bis Ende 2018 angeboten. Die Vereinigung Cockpit lehnt das ab. Sie verlangt für die rund 5400 Piloten der Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings Tariferhöhungen von insgesamt 22 Prozent für die Zeit bis einschließlich April 2017.

Hohmeister nannte das «abstrus» und «völlig unakzeptabel». Jeder Streiktag koste Lufthansa rund zehn Millionen Euro. Hinzu komme ein Imageschaden, der nicht genau zu beziffern sei. «Wir merken das aber in unseren mittelfristigen Buchungszahlen.»

Am Donnerstag waren wegen des Streiks 912 Verbindungen gestrichen worden, am Mittwoch 876 - jeweils rund die Hälfte des Programms der Kernmarke Lufthansa. Flüge der Billigtochter Eurowings sowie der Konzerngesellschaften AUA, Swiss, Brussels und Air Dolomiti waren nicht betroffen, viele Gäste wurden darauf umgebucht.

Auch am Freitag sollten in der Lufthansa-Gruppe 2170 von 3000 Flügen stattfinden. Darunter ist auch der erste Direktflug von San Francisco nach Berlin. An Bord des Sonderflugs LH 343 mit einem Lufthansa-Jumbo sind die Berliner Philharmoniker auf ihrer Rückreise von einer Nordamerika-Tournee.

«Die Lage in den Terminals ist ruhig», hieß es bei der Lufthansa. Der Streik-Flugplan werde wie geplant geflogen. Viele Fluggäste seien vorab informiert worden oder hätten sich selbst schlau gemacht. Der Konzern erklärte, es seien mehr als 150 000 Mails oder SMS mit Fluginfos versendet worden.

An die wenigen gestrandeten Passagiere wurden Snacks, Wasser und Saft verteilt. Lufthansa hat vorsorglich in München und Frankfurt tausende Hotelbetten reserviert. Im Frankfurter Terminal standen zudem wieder Feldbetten für Transit-Fluggäste, die ohne Visum nicht in den Schengen-Raum einreisen dürfen.

Die Deutsche Bahn will trotz des Lufthansa-Streiks keine Sonderzüge einsetzen. «Das ist nicht geplant», sagte ein Bahnsprecher. Die zusätzlichen Lufthansa-Passagiere könnten mit den regulären Zügen befördert werden. An mehreren Knotenpunkten stünden - wie immer - Ersatzzüge bereit, die im Bedarfsfall eingesetzt werden könnten.

(dpa)

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