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Usinger Werk von streikenden Mitarbeitern abgeriegelt: Polizei „befreit“ Zumtobel

Von Nach einer Woche Arbeitskampf stand gestern die Situation beim Usinger Werk des Leuchtenherstellers Zumtobel kurz vor der Eskalation. Die Gewerkschaft zog aber vor Auseinandersetzungen mit der Polizei die Reißleine.
Foto: Tatjana Seibt Die Verhandlungen mit der Ordnungspolizei stockten, die Mitarbeiter des Usinger Zumtobel-Werkes, deren Werk geschlossen wird, ließen die Lkw nicht durch. Erst als mittags die Polizei mit Großaufgebot anmarschierte, gaben die Gewerkschaftsvertreter nach. Fotoi: Seibt
Usingen. 

Am 28. April hat der österreichische Leuchtenhersteller Zumtobel in Usingen einen Schlussstrich gezogen: Das Werk soll geschlossen werden, mehr als 150 Mitarbeiter stehen auf der Straße. Es folgten Verhandlungsrunden, die bis September kein Ergebnis brachten. Seit vergangenen Freitag nun stehen die komplette Belegschaft sowie Vertreter der IG-Metall vor den Toren und demonstrieren, die Zufahrt ist gesperrt. Zumtobel reagierte mit Aussperrung.

Gegen 9 Uhr fuhren gestern plötzlich Miet-Lkw, sechs an der Zahl, ans Tor, geschickt von der Betriebsleitung. Fertige Produkte in den Hallen sollten an die Kunden ausgeliefert werden. Allerdings hatte die Gewerkschaft Wind von der Aktion bekommen und riegelte die Zufahrt ab. Denn Gewerkschaft und Betriebsrat wollen mit der Sperrung verhindern, dass Betriebseigentum abgefahren wird, zudem wollte man die Zumtobel-Spitze durch die seit Tagen anhaltende Blockade auch monetär kräftig ärgern, schließlich liegen noch fertige Produkte in den Hallen, die nun ausgeliefert werden sollen.

Zumtobel hätte sich für die Nacht-und-Nebel-Aktion keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können. Denn die Gewerkschaft hatte angekündigt, am gestrigen Mittwoch im österreichischen Dornbirn, dem Stammsitz der Firma, mit einer Protestaktion auf das Problem aufmerksam zu machen. Da am frühen Morgen eine große Gruppe gen Österreich startete, war die Streikbelegschaft in Usingen geschrumpft. Die Telefonkette aber funktionierte: In wenigen Minuten standen ab 9.30 Uhr die Arbeiter am Tor, Presse, Funk und Fernsehen bauten schon mal auf.

Zumtobel rief die städtische Ordnungsbehörde zu Hilfe, die sich aber in den Gesprächen nicht durchsetzen konnte. Konsequenz: Gegen 11 Uhr versammelte sich einige Meter vom Werk entfernt eine Hundertschaft der Polizei. Die Beamten sollten den Weg für die Lkw räumen.

Sah es bis 12.30 noch so aus, als ließen es die streikenden Arbeiter auf eine Auseinandersetzung mit der Polizei ankommen, zog dann Uwe Zabel von der Gewerkschaft die Reißleine: „Wir wollen keine Konfrontation mit der Polizei. Deshalb haben wir uns entschlossen, die Blockade aufzuheben.“ Allerdings ließ er sich eine eidesstattliche Versicherung Zumtobels geben, dass nur fertige Teile abgefahren würden, keine Maschinen und Fertigungszubehör. Die erteilte Zumtobel zwar, prüfen konnte es die IG-Metall nicht, denn das Gelände ist für Mitarbeiter abgeriegelt.

Kurze Rangelei

Das Unternehmen Zumtobel selbst blieb gestern seiner Linie treu: In schmallippigen Zeilen betonte es, dass ein Transport von Lagerbeständen aus dem Usinger Werk stattfinden werde. Bei den Straßenbarrikaden „handelt es sich um strafbares Verhalten“.

Beim Verlassen des Geländes gegen 15 Uhr gab’s dann aber doch noch eine Rangelei zwischen Demonstranten und Polizei. Die Mitarbeiter wollten die Lkw kontrollieren, die Zumtobel-Spitze dies verhindern. Kompromiss: Die Polizei schaute nach, ob nicht doch Maschinen abgefahren wurden. Es waren aber nur Leuchtmittel für eine Klinik.

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