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Erste Bilanz: Projekt "Kompass" soll Sicherheit erhöhen

Innenminister Peter Beuth (CDU) präsentiert nach fünf Monaten Laufzeit eine erste Bilanz der Sicherheitsprojekts „Kompass“. Die Initiative soll durch individuelle Sicherheitskonzepte dazu beitragen, das Sicherheitsgefühl in Kommunen zu erhöhen.
Freiwilliger Polizeidienst Foto: Fredrik von Erichsen (dpa) Vereinzelt setzt man bereits in einigen hessischen Städten auf mehr Schutzpolizisten, um präventiv gegen Kriminalität vorzugehen. Das Land will zusätzliche Kollegen einstellen.
Wiesbaden. 

Bad Homburg ist ein hübsches kleines Städtchen. Teure Villen reihen sich aneinander, die Bevölkerung ist im hessenweiten Vergleich überdurchschnittlich wohlhabend. Und überdurchschnittlich alt. Ein knappes Viertel der Bad Homburger ist über 65 Jahre alt – und in den letzten Jahren vermehrt Opfer von Diebstählen geworden. „SäM-Kriminalität“ nennt man das im hessischen Innenministerium, „Straftaten zum Nachteil älterer Menschen“.

In Bad Homburg setzt man zur Bekämpfung der Kriminalität seit Dezember 2017 auf mehr zivilgesellschaftliches Engagement. Und eine engere Zusammenarbeit zwischen der Polizei und städtischen Einrichtungen. „Kompass“ nennt sich das Ende vergangenen Jahres angelaufene Projekt von Innenminister Peter Beuth (CDU), die Abkürzung steht für den sperrigen Namen Kommunalprogrammsicherheitssiegel. Eine „neue Sicherheitsarchitektur“ verspricht sich der Minister von seiner Initiative, „die passgenau auf die jeweilige Situation in den Kommunen zugeschnitten ist.“

Neue Stadtwache

Neben Bad Homburg nehmen bisher Maintal, Schwalbach und Hanau an dem Projekt teil. Die teilnehmenden Kommunen erhalten finanzielle Förderungen aus Wiesbaden und dürfen sich mit einem Sicherheitssiegel schmücken, im Gegenzug verpflichten sie sich, Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit zu erhöhen. In Hanau etwa hat die Stadt eine neue Stadtwache installiert, andernorts setzt man vermehrt auf Schutzmänner und Sozialarbeiter als Ansprechpartner für die Bevölkerung. 14 neue Stellen entstehen durch „Kompass“ bei der hessischen Polizei, zwei zusätzliche Beamte werden beim Landeskriminalamt eingestellt. Zudem sollen 30 zusätzliche Schutzpolizisten eingesetzt werden. Ziel von „Kompass“ sei es, Straftaten zu verhindern, bevor sie begangen werden, sagt Beuth: „Das Projekt zielt auf Prävention ab.“

Nach fünf Monaten ziehen die teilnehmenden Kommunen, das Innenministerium und die hessische Polizei nun eine positive Bilanz. „Wir haben mit ,Kompass’ einen zusätzlichen Mehrwert an Sicherheit erreicht“, sagt Innenminister Beuth. Auch Bad Homburgs Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) zeigt sich angetan von dem Konzept: „Wir nehmen hier nicht 08-15 mäßig irgendein Konzept aus der Schublade, sondern finden passgenaue Lösungen.“ In Bad Homburg haben die Behörden etwa Bankmitarbeiter darauf hingewiesen, noch einmal nachzufragen, wenn Senioren plötzlich hohe Geldbeträge überweisen möchten. Betrugsfälle sollen so vermieden werden. Der präventive Ansatz habe in seiner Stadt bereits zu ersten Erfolgen geführt: „Die Zahl von Betrugsfällen ist spürbar zurückgegangen“, stellt Hetjes fest.

Auch in Schwalbach

Auch in Schwalbach hat man positive Erfahrungen mit „Kompass“ gemacht. In der Stadt war es im Frühjahr 2017 vermehrt zu Übergriffen auf Polizisten gekommen. Die Behörden setzten in der Folge bei ihren Einsätzen auf Kommunikation, gleichzeitig suchten Sozialarbeiter das Gespräch mit den Jugendlichen. Die Angriffe seien seitdem stark zurückgegangen, erklärt Innenminister Beuth: „Deshalb wollen wir diesen dialogischen Ansatz in den Kommunen verankern.“

Vor allem wollen die Initiatoren von „Kompass“ aber das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger stärken. Denn obwohl in Hessen 2017 so wenig Straftaten verübt wurden wie seit 1980 nicht mehr, stellt Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) fest: „Das subjektive Sicherheitsempfinden ist zurückgegangen.“ Sein Bad Homburger Kollege Hetjes teilt diese Einschätzung: „Es klafft eine Lücke zwischen der subjektiven Wahrnehmung und der Statistik.“

Diese Lücke will man nun mit „Kompass“ schließen. Bei den Gemeinden kommt das Projekt gut an: 33 Kommunen, darunter die Städte Fulda, Gießen und Bensheim, haben Interesse an „Kompass“ angekündigt, demnächst sollen erste Aufnahmegespräche stattfinden. Für Peter Beuth liegt das vor allem an der starken Vernetzung der Behörden und dem individuellen Ansatz hinter „Kompass“, auf die jeweilige Situation in den Kommunen einzugehen.

In Bad Homburg, der Stadt mit überdurchschnittlich vielen potenziellen „SäM-Opfern“, ist man davon „begeistert“, wie es Oberbürgermeister Hetjes ausdrückt. In der Stadt gibt es seit kurzem Seniorenberater, die ihre Klienten für die Gefahr von Diebstahl oder Trickbetrug sensibilisieren. In einer Großstadt wie Frankfurt oder einer Studentenstadt wie Marburg wäre dieser Ansatz wohl wenig zielführend, um die Kriminalität zu senken. In Bad Homburg klingt er vielversprechend.

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