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Mobilität: RMV will bundesweites Tarif- und Ticketsystem im Nah- und Fernverkehr

Vernetzung und Digitalisierung sind auch für die Macher des ÖPNV die Schlagworte der Stunde. Mit Gründung des RMV vor 22 Jahren wurden 100 verschiedene Tarife im Rhein-Main-Gebiet vereinheitlicht, das Angebot vernetzt und aufeinander abgestimmt. Im digitalen Zeitalter denkt der RMV jetzt sogar noch größer.
Foto: Pieren In Neu-Anspach steht einer der ersten neuen RMV-Fahrkartenautomaten, die höhere Bedienfreundlichkeit und zusätzliche Services bieten sollen – so informiert beispielsweise ein zweites Display auf dem Dach der Automaten über etwaige Verspätungen.
Hofheim. 

Die neueste Generation der RMV-Fahrkartenautomaten wird seit einem Monat in Kelkheim-Hornau (Main-Taunus-Kreis), Köppern und Neu-Anspach (Hochtaunuskreis) getestet. Bis zum Frühjahr 2018 sollen nach und nach 638 neue Automaten an zentralen
S-Bahn- und Regionalzughaltestellen aufgestellt sein. Doch egal ob neu oder alt: Heute ist es selbstverständlich, mit einem Fahrschein zum Beispiel von Neu-Anspach nach Beerfelden im Odenwald zu fahren. Vor Gründung des RMV benötigte man drei: eine Fahrkarte aus dem Taunus nach Frankfurt, eine für die Fahrt von Frankfurt nach Michelstadt und eine weitere für den Anschlussbus nach Beerfelden.

Ebenso ist es heute normal, in Frankfurt in die U-Bahn zum Hauptbahnhof zu steigen, mit dem gleichen Ticket den Regional-Express nach Fulda zu nehmen und dort in die Buslinie 35 zu steigen. Nach weiteren 50 Minuten ist man im ersten Schnee des Winters auf der Wasserkuppe.

Mit Gründung des RMV hatte in den zusammengeschlossenen 15 Landkreisen und elf Städten die Kleinstaaterei von zig Verkehrsverbünden ein Ende. Seither gilt innerhalb des RMV-Tarifgebietes und in allen Bussen und Bahnen die Devise: „Ein Fahrschein, ein Fahrpreis, ein Fahrplan“. Einzig IC und ICE sind ausgenommen.

Vorteil Verkehrsverbund

Überall in Deutschlands Ballungsgebieten und Regionen hat das Kirchturmdenken durch die Gründung von Verkehrsverbünden längst ein Ende. In Zeiten der Digitalisierung muss die Vernetzung des öffentlichen Verkehrs aber eine Nummer größer gedacht werden.
 

„Mobility Inside“: deutschlandweit per App ...

Die langwierigen Bemühungen für ein bundesweites Tarif- und Ticketsystem im Nah- und Fernverkehr nehmen Fahrt auf. Mit „Mobility Inside“ wollen die deutschen Verkehrsunternehmen ab 2019 mit einer

clearing

„Den Fahrgästen gute und günstige Mobilität zu garantieren, ist nicht nur Daseinsfürsorge, sondern auch die Kernaufgabe unserer Branche. Dazu ist es unerlässlich, Befindlichkeiten zurückzustellen und gemeinsam Mobilität neu zu denken“, forderte RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat jüngst auf dem Deutschen Mobilitätskongress in Frankfurt vor 300 Fachleuten und Experten.

Kundenfreundlichkeit sei heute dann gegeben, wenn der gesamte öffentliche Verkehr in Deutschland auf einer gemeinsamen Plattform dargestellt werden könne. Mit einer Anmeldung und einem Ticket müssten alle Angebote verfügbar sein. Damit meint er nichts anderes als den Verbundgedanken für den ÖPNV auf eine bundesweite Ebene zu stellen.

Will heißen: Leser dieser Zeitung aus Hünfelden (Landkreis Limburg-Weilburg) oder aus Heinzenberg (Hochtaunuskreis) könnten künftig online eine einzige Fahrkarte für die Fahrt in den entlegensten Winkeln der Republik lösen. An Ort und Stelle könnten sie in den Bus steigen und nach viermaligem Umsteigen mit der Usedomer Bäderbahn das Seebad Heringsdorf erreichen.

Gemeinsame Plattform

Auch ein Berliner könnte dann bestens vernetzt mit einem Ticket aus Pankow zu Verwandten mit dem Rüsselsheimer Stadtbus der Linie 52 nach Haßloch kommen. Ringat setzt als Initiator und treibende Kraft der Initiative „Mobility Inside“ (siehe nebenstehenden Text) alles daran, dass diese Vision bald Wirklichkeit wird.

„Das ist die Idee einer gemeinsamen Plattform zur Vernetzung von Tarifen, Tickets und Fahrplaninformationen im öffentlichen Nah- und Fernverkehr in ganz Deutschland“, erklärt der RMV-Chef auf dem Kongress die Vernetzungsinitiative. Ringat ist in der Verkehrs- und Mobilitätsbranche als Vizepräsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen ein anerkannter Vordenker. Klar, dass der RMV bei der Entwicklung digitaler Strategien und Angebote eine Vorreiterrolle hat.

Nirgendwo sonst in Deutschland sind bereits so viele Kunden mit einem E-Ticket unterwegs, wie beim RMV. Auch die neueste Generation der Fahrkartenautomaten ist Teil des Digitalisierungsprozesses: Sie sind bereits für den nächsten digitalen Quantensprung gerüstet. „Als erster deutscher Verkehrsverbund hat der RMV ein verbundweites Hintergrundsystem geschaffen, das die Grundlage für eine deutschlandweite Vernetzung des ÖPNV ermöglicht“, sagt Ringat.

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