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Keine Markierungen, plötzlich endende Wege: Radfahrer haben es in Wiesbaden schwer

Eine Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) hat kürzlich festgestellt: Wiesbaden ist die letzte deutsche Großstadt, in der Radfahrer gerne unterwegs sind. Unsere Reporterin Daniela Englert hat getestet, wie fahrradfreundlich die Landeshauptstadt im Alltag daherkommt. Eins steht fest, Wiesbaden ist für Radfahrer ein heißes Pflaster.
Reporterin Daniela Englert (Mitte) wagt den Selbstversuch durch die Straßen Wiesbadens, ihr Fazit fällt ernüchternd aus.
Wiesbaden. 

Ich habe mir ein Fahrrad ausgeliehen, im Bahnhof. Ein gutes, mit bequemem Sattel und 24 Gängen. Leicht verunsichert schiebe ich das Rad auf den Bahnhofsvorplatz: Der ADFC hat die Stadt Wiesbaden kürzlich zur fahrradunfreundlichsten Stadt Deutschlands gekürt. Und ein Bekannter, der in der Stadt wohnt, sagte zu mir: Radfahren in Wiesbaden sei quasi ein Suizidversuch. Ich bin nicht lebensmüde, will es aber trotzdem versuchen.

Lkw zuckelt hinterher

Es ist bewölkt, aber warm, als ich an der Bahnhofsstraße starte. Ein Lkw kommt nicht an mir vorbei, obwohl ich auf dem Radweg fahre, zuckelt schön langsam hinter mir her, bis die Straße wieder breiter wird. Kurz vor der Luisenstraße stehen parkende Autos mit Warnblinker auf dem Radweg, ich muss auf die Straße, biege dann in die Friedrichstraße links ab Richtung Kirchgasse und werde an der Neugasse mit einer Absperrung konfrontiert, an der ich aber als Radfahrer vorbei fahren darf, was nicht leicht ist, wegen der vielen Busse, die links an einem vorbeiziehen.

Dann geht es auf den Platz der Deutschen Einheit, wo der Radweg endet und eine Fahrradstraße, die Bertramstraße, beginnt. Das große Schild „Fahrradstraße“ muss man von weitem erkennen und anpeilen, weil es am Boden keine Markierungen gibt.

Die Fahrradstraße ist eine ruhige Seitenstraße mit Bäumen, wo kaum Autoverkehr ist, dann geht es über den 1. Ring in die Goebenstraße immer mit leichter Steigung bis zum Elsässer Platz. Und hier dann ein Stück rotgefärbter Asphalt und das vorläufige Ende des Radfahrerglücks.

Ich entscheide mich dafür, rechts auf der Straße weiterzufahren durch die Gneisenaustraße hinunter über die Blücherstraße in die Scharnhorststraße, viel Kopfsteinpflaster und schlecht geteerte Straßenstücke. Dann die Westendstraße auf dem Bürgersteig, weil das eine Einbahnstraße ist wieder runter zum 1. Ring – zahlreiche Mülltonnen versperren mir den Weg.

Auf Höhe der Neugasse endet der Radweg dann plötzlich. Ich fahre weiter, links auf das Dern’sche Gelände, das für Radfahrer frei- gegeben ist, vogelfrei sozusagen zwischen all den Fußgängern und Taxis.

Jetzt geht es am Kochbrunnen vorbei in die Taunusstraße auf den Radweg, wo mir wieder parkende Fahrzeuge den Weg versperren. Ein Lieferwagen hat mich kurz geschnitten. Dann geht es wieder bis zum Kochbrunnen zurück und auf dem Weg zum Dern'schen Gelände muss ich absteigen, weil da viele Einbahnstraßen sind, durch die man auch als Radfahrer nicht durch darf. Am Landtag vorbei auf die Bahnhofsstraße und dann in die Adelheidstraße, eine breite Allee von Bäumen gesäumt und sehr schattig, daher ist es angenehm hier zu fahren, auch wenn es ein Stück bergauf geht. Schwitzen gehört in Wiesbaden dazu. An der Oranienstraße entlang ist Stop and Go, da fahre ich dann doch lieber wieder auf dem Gehweg und kreuze den 1.Ring an der Ampel. An der Straße „Am Landeshaus“ biege ich Richtung Biebrich ein.

Ein Radweg beginnt und endet nach gefühlten 50 Metern wieder. Ab jetzt geht es weiter auf dem Seitenstreifen der Allee, der auch für Autos freigegeben ist. Es geht stramm bergauf. Dann die mühsame Fahrt zwischen Beton-Pollern, die die Hauseinfahrten der Anwohner markieren. Die Strecke zieht sich, außer mir sind kaum Radfahrer unterwegs. Langsam beginnt die Straße abzufallen, immer stärker über weite Strecken und mir wird bange, denn ich muss auf dem Rückweg ja wieder hier hoch. Ich beschließe nicht weiter Richtung Rhein zu fahren, sondern kehre in ein Café an der Straße der Republik ein und mache mich danach wieder auf den Rückweg.

Dann der Hammer

An der Biebricher Allee Ecke Kaiser-Friedrich-Ring dann der Hammer: Hier baggert und räumt man Schutt von der Baustelle in einen Laster über die Köpfe fahrender Radfahrer und Fußgänger hinweg – ohne abzusperren. Bis ich es merke, bin ich schon vorbei, am Boden liegende Steine habe ich gesehen. Die hätten auf mich fallen können, denke ich entsetzt. „Achtung Leute“, heißt es ob der Situation leicht zynisch anmutend auf einem Plakat: „Hier baut sich was zusammen“. Die Adolfsallee gegenüber gibt der Radfahrerin ein gutes Gefühl. An der Ecke zur Rheinstraße ist extra ein breiter Mittelstreifen für sie oder ihn markiert. Spätestens an der Schwalbacher Straße dann hört aber der Spaß auf: Parkende Pkw’s und ein gelber Geldtransporter stehen fett auf dem Radweg in Richtung Michelsberg. An der Coulinstraße geht das weiter, hier blockieren mehrere Lkw den rechten Straßenrand. Auf der Straße fahren scheint die einzige Lösung zu sein. Das geht am besten mittig und als ich an der Langasse ankomme, stelle ich mein Fahrrad bequem an einem der 14 Fahrradbügel ab. Es sind noch genügend Plätze frei. Mein Fahrradtag ist jetzt zu Ende. Nach allen Auf und Abs bin ich erschöpft und glücklich, es ohne Schrammen geschafft zu haben.

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