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Darmstädter Todesschützen: Rätselraten um das Motiv

Ein jahrelanger, zermürbender Nachbarschaftsstreit könnte hinter den tödlichen Schüssen in Darmstadt stecken. Einzelheiten sind noch ungeklärt. Offen ist auch die Frage, warum der Streit so eskalierte.
Zwei Tote in Darmstadt nach Schiesserei Foto: Boris Roessler (dpa) Nach Schüssen in den frühen Morgenstunden hatten die eintreffenden Beamten die Leichen eines Mannes und einer Frau gefunden.
Darmstadt. 

Das Motiv ist weiter unklar. Doch: „Wir gehen von relativ profanen Nachbarschaftsstreitigkeiten aus“, sagte Staatsanwältin Barbara Homm am Freitag zu dem mysteriösen Fall eines Mannes, der am Mittwochmorgen tödliche Schüsse auf eine Frau abgab und danach sich selbst tötete. Zwei Schüsse trafen die 50 Jahre alte Frau in den Kopf, einer in die Brust und einer ins Knie.

Das ist das Ergebnis der Obduktion der beiden Leichen, die am Mittwochmorgen in einer kleinen Reihenhaus-Wohnsiedlung gefunden worden waren. Von den ersten drei Schüssen sei jeder für sich tödlich gewesen.

Danach setzte sich der 45 Jahre alte Täter ans Steuer seines Wagens, setzte diesen mit einem Grillanzünder in Brand und tötete sich mit einem Kopfschuss aus seiner Pistole selbst.

Zwei Tote in Darmstadt nach Schiesserei Bild-Zoom Foto: Boris Roessler (dpa)
Tatort Reihenhaussiedlung: Ermittler sichern hinter aufgespannten Plastikplanen Spuren.

Pistole am Tatort

Anwohner hatten am Mittwochmorgen kurz vor 7.00 Uhr mehrere Schüsse gehört und die Polizei verständigt. Die Beamten entdeckten ein brennendes Auto, in dem der tote Mann saß. Die Leiche der Frau lag neben dem Wagen. Das Fahrzeug war auf einem Parkplatz zwischen zwei dreistöckigen Mehrfamilienhäusern „Am Kavalleriesand“ abgestellt. Die Pistole wurde am Tatort gefunden.

Auf verschmähte Liebe oder ein Verhältnis der beiden deute nichts hin. Der Mann war den Ermittlungen zufolge Sportschütze und hatte als solcher eine Waffenbesitzkarte für die Tatwaffe. Der 45-Jährige hat den bisherigen Erkenntnissen zufolge allein gelebt. Beide waren Deutsche.

Ob der Schütze psychisch krank und gewalttätig war, müssten die weiteren Ermittlungen zeigen. Offenbar hatte es aber zuvor bereits Auseinandersetzungen mit dem Mann gegeben. Eine aktuelle Anzeige wegen Körperverletzung oder Bedrohung liege nicht vor. Vor mehr als drei Jahren habe ihn die Frau jedoch wegen Sachbeschädigung einer Gartenhütte angezeigt. Sie hinterlässt einen elfjährigen Sohn. Vom Vater des Kindes habe sie getrennt gelebt, soll aber einen neuen Partner gehabt haben.

Nachbarn bedroht

Andere Anwohner berichteten jedoch nach der Tat, dass der Schütze in der Vergangenheit in der Nachbarschaft unangenehm aufgefallen war. Unter anderem soll er öfter ein langes Messer am Gürtel getragen haben. Zudem soll er unvermittelt andere beschimpft haben. Der Mann, der Tür an Tür mit seinem Opfer und ihrem Sohn lebte, soll auch einen Gemeinschaftsgarten der Mieter in der Wohnsiedlung mutwillig verwüstet und Müll auf fremde Terrassen geworfen haben. Mehrfach sei die Polizei wegen ihm in der Siedlung gewesen, ist zu hören.

Die Staatsanwaltschaft konnte die Hinweise auf frühere Gewalttätigkeiten nicht bestätigen. Auch Einträge in den Archiven zu polizeilichen Einsätzen in der Wohnsiedlung seien nicht vorhanden. Lediglich eine Sachbeschädigung sei im November 2014 angezeigt worden, das Verfahren wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft jedoch eingestellt.

(lhe,red)

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