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Abkühlung: Regionale Ausflugsziele für die brütend heißen Sommertage

Bad Nauheim ist gleich an mehreren Tagen in dieser Woche Temperatur-Spitzenreiter deutschlandweit. Doch es gibt sie zwischen Nord- und Südhessen: die kalten Sehnsuchtsorte dieser brütend heißen Sommertage.
Grube Fortuna Bilder > Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Wagen im Besucherbergwerk Grube Fortuna bei Solms-Oberbiel.
Frankfurt. 

Temperaturen von 30 Grad und mehr sind in dieser Woche in Hessen an der Tagesordnung. Wer der Hitze entfliehen möchte, findet Abkühlung in Freibädern, klimatisierten Einkaufszentren, schattigen Wäldern. Oder an anderen Orten im Land, an denen man nicht schwitzen muss – eine Auswahl:

  Meeresbrise: Gibt es auch mitten in Hessen. Wer sich in der Nähe der Bad Nauheimer Gradierwerke aufhält, den umweht eine angenehm frische und salzige Luft. Möglich macht es das Funktionsprinzip der Bauwerke: Sole, also salzhaltiges Wasser, tröpfelt meterhohe Wände aus Reisigbündeln hinab, zerstäubt und verdunstet. Besucher brauchen nur noch tief einatmen, die Augen schließen – und können sich fast wie an der See fühlen. Für die Bad Nauheimer ist das derzeit ein großes Glück: Die Wetterau-Stadt holte in dieser Woche bereits zweimal den Titel als heißester Ort der Republik.

  Hessen-Gipfel: Ein paar Grad kühler als im Flachland ist es dort, wo man der Sonne so nah ist wie nirgendwo sonst in Hessen. Auf Hessens höchstem Berg, der Wasserkuppe im Mittelgebirge Rhön, waren es am Donnerstag in 950 Metern Höhe „nur“ etwa 25 Grad. Im rund 30 Kilometer entfernten Fulda wurde wie an vielen anderen Orten Hessens die 30-Grad-Marke locker geknackt. Ruhebedürftige können auf der Wasserkuppe dem Treiben diverser Flugsportler zuschauen, bewegungsorientierte Besucher können zahlreichen Freizeitaktivitäten nachgehen.

  Wildererhöhle: Den Sommer über ist die „Leichtweißhöhle“ im Wiesbadener Stadtwald als ehemaliges Wildererversteck bei Ausflüglern beliebt – vor allem bei Kindern. Dann bietet die Höhle mit einer Temperatur von rund fünf Grad Erfrischung, wie Wärter Uwe Haun berichtet. Bei Regen werde es gefühlt noch kälter. Mit dem Wechsel von der heißen Außenluft in die Höhle und zurück hat Haun keine Probleme. Er ist als Fledermausexperte viel unter Tage unterwegs. Seit dieser Saison kümmert er sich um die Leichtweißhöhle. Ihren Namen hat sie von dem mutmaßlichen Wilderer Heinrich Anton Leichtweiß, der sich zeitweise dort versteckte, bevor er 1791 von Forstjägern gefasst wurde.

  Eishalle: In kurzen Hosen Eislaufen und danach im Freizeitbad untertauchen – diese ungewöhnliche Kombination bietet der Kurbetrieb im nordhessischen Willingen an. Bereits den vierten Sommer in Folge bleibe die Eishalle gegenüber dem Lagunen-Erlebnisbad offen, sagt Betriebsleiter Miro Gronau: „Wir haben einen Riesenerfolg damit.“ Die offene Eishalle locke Profi-Wintersportler an wie Eishockeyteams und Eiskunstläufer. Doch auch Breitensportler kommen an mindestens zwei Stunden pro Tag in die Eishalle. Zum Energieverbrauch macht der Kurbetrieb keine Angaben. Allerdings spare man dank eines ausgeklügelten Wärmetauschsystems. Wärme, die beim Kühlen der Eishalle entstehe, werde im Lagunenbad genutzt.

  Tropfsteinhöhle: In Steinau an der Straße befindet sich nach eigenen Angaben Hessens älteste Schau- und Tropfsteinhöhle. In der sogenannten Teufelshöhle können Stalaktiten, Stalagmiten und andere typische Höhlengebilde bestaunt werden. Und das Gute daran: Dort herrschen nur sieben bis elf Grad, ganzjährig. Eine übliche Führung – auch zur Erkundung des Fledermaus-Vorkommens – dauert etwa 30 Minuten, warme Kleidung wird empfohlen.

  Kältekammern: Im Ice Lab in der Spessart Therme in Bad Soden-Salmünster (Main-Kinzig-Kreis) kann man sich einen Frische-Kick bei minus 110 Grad abholen. Die Anwendung in der Kältekammer dient zwar vor allem medizinischen Zwecken, kann aber auch einfach etwas fürs Wohlbefinden sein. In Deutschland wird die Ganzkörper-Kältetherapie insbesondere in Reha-Kliniken seit 1984 eingesetzt. Bevor man sich zwei bis drei Minuten der Kälte von minus 110 Grad aussetzt, wird man in der Therme durch zwei Vorkammern vorbereitet, bei minus zehn und minus 60 Grad – in Badebekleidung, mit festen Sportschuhen, Socken, mit Handschuhen sowie Ohren- und Mundschutz. In Taunusstein gibt es eine Kältesauna, die auf minus 130 Grad heruntergekühlt ist.

  Besucherbergwerke: Sich abkühlen und dabei etwas lernen – das geht in den Besucherbergwerken in Hessen. Sie befinden sich vor allem in Nord-, Mittel- und Südhessen, etwa die Grube „Ludwig“ bei Wald-Michelbach und die Grube „Fortuna“ bei Solms-Oberbiel.

  Subantarktishaus: Hinter den getönten Scheiben des Hauses im Frankfurter Palmengarten wachsen Pflanzen aus kühl-gemäßigten Regionen wie Patagonien oder Feuerland. „Im Subantarktishaus ist es deutlich kühler – aber das ist vielen Besuchern gar nicht so bewusst“, sagte Palmengarten-Botanikerin Hilke Steinecke. Wünschenswert wären in dem Gewächshaus im Sommer Temperaturen von 15 bis 20 Grad, sagte ein Mitarbeiter. Tatsächlich sind es derzeit 26 Grad – immer noch milde im Vergleich zu den Außentemperaturen.

  Ewiges Eis: Das findet man an den Hängen der Dornburg im Kreis Limburg-Weilburg. An der Öffnung eines Stollens strömt fünf bis sechs Grad kalte Luft hinaus. Das Erdreich ist an dieser Stelle metertief gefroren. Bei den derzeit hochsommerlichen Werten gibt die Luft in dem eiskalten Berg ihre Wärme ab und strömt kühl hinaus. Entdeckt wurde das ewige Eis im Jahr 1839, als Arbeiter an dem Hang Steine für den Straßenbau abtragen sollten. Das Eis machte sich wenige Jahre später eine Brauerei zunutze. Damals gab es noch keine Kühlschränke, daher richtete die Brauerei in dem Berg entsprechende Kühlräume ein.

(dpa)

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