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Rente: Viele verschenken Geld

Zuschussrente, Mindestrente, Absenkung des Rentenniveaus, – und immer wieder Fehler und Irrtümer. Der unabhängige Rentenberater aus Braunfels stellte sich den Fragen von Redakteur Georg Haupt.

RINK: Das Bundesversicherungsamt hatte in seinem Tätigkeitsbericht 2011 eine Vielzahl von Fehlern beschrieben, die im wesentlichen bei der Berechnung der Kinderzuschläge für Hinterbliebenenrenten nach neuem Recht und bei der Entgeltaufteilung im letzten Ausbildungsjahr aufgetreten sind.

Wer ist davon betroffen?

RINK: Von dem letzten erwähnten Punkt alle, die eine Ausbildung absolviert haben und bei denen im dritten Ausbildungsjahr eine pauschale Aufteilung der Entgelte erfolgte, weil keine genauen Zahlen über das dort verdiente Geld mehr vorhanden sind. Dabei sind 215 000 Fälle überprüft worden und davon waren 147 000 falsch, das sind 86 Prozent. Das führt jetzt für die Betroffenen zu Nachzahlungen und einer Neuberechnung der Rente.

Wie findet man als Betroffener einen solchen Fehler?

RINK: Als Betroffener ist das schwierig, weil die pauschalen Berechnungen für einen Laien nicht nachvollziehbar sind. Da ist die Empfehlung sicher richtig, sich einen Rentenberater zu suchen. Die nächstliegenden Adressen gibt es im Internet.

Muss man denn mit solchen Fehlern rechnen? Wie häufig passiert so etwas?

RINK: Nach meinen Erfahrungen sehr oft. Zum Hintergrund: Ein Entgeltpunkt für die Rentenversicherung entsteht dadurch, dass jemand in einem Kalenderjahr den Durchschnittsverdienst – derzeit rund 30 000 Euro – vorweisen kann. Verdient jemand nur 15 000 Euro, gibt es nur einen halben Punkt. Für 60 000 gibt es dagegen zwei Punkte, aber bei 67 200 ist die Beitragsbemessungsgrenze, das heißt, der gesamte darüberliegende Verdienst ist nicht mehr rentenwirksam. In der Ausbildungsphase wird nun in der Regel weniger verdient, was vielleicht nur zu 0,1 oder 0,2 Entgeltpunkten pro Jahr reicht. Dafür belohnt der Gesetzgeber diese Zeit, genauer gesagt bis zu 36 Monaten Ausbildung, indem er dafür pauschal 0,75 Punkte pro Jahr vergibt. Dieser Vorgang muss jedoch im Versicherungskonto, das jeder Arbeitnehmer hat, unter "berufliche Ausbildung" gekennzeichnet sein. Ist es das nicht, kann dieses später zwischen 30 und 60 Euro Rente monatlich kosten.

Das heißt, die verschiedenen Renteninformationen, die jeder in bestimmten Abständen unaufgefordert bekommt, sollten genau geprüft werden.

RINK: Vor allem die Zwischenbescheide sollten geprüft werden, weil diese sonst einschließlich der falschen Grundlagen rechtskräftig werden. Aber auch auf die Renteninformationen sollte man schauen und die drei wichtigen Angaben überprüfen: Den bisher erworbenen aktuellen Rentenanspruch, wie dieser Anspruch aussieht zum Eintritt des Rentenbeginns, und wie die Sache im Fall einer Erwerbsminderung nach Eintritt einer Krankheit aussieht.

Werden dabei die erworbenen Beitragszeiten stets aufgeführt?

RINK: Nicht immer. In der Regel gibt es nur ein Blatt mit den genannten drei Zahlen, aber wenn der Versicherungsverlauf mit ausgeführt ist, meistens mit der Aufforderung zu einem Kontenklärungsverfahren, sollte man dieses unbedingt wahrnehmen.

Und wer zu spät irgendwelche Fehler bemerkt? Sie sprachen von Rechtskraft und Verjährung?

RINK: Wenn ein Rentenbescheid rechtswidrig ist, kann man den immer überprüfen lassen, nachgezahlt wird jedoch wegen einer Verjährungszeit nur für vier Jahre. Wer die jährlichen Sozialversicherungsnachweise seines Arbeitgebers sammelt und prüft, wird in der Regel nicht reklamieren müssen.

Kommt es dort auch mal zu Fehlern?

RINK: Ja, beispielsweise wenn im neuen Jahr Erfolgsvergütungen für das alte Jahr noch gezahlt werden, die sozialversicherungspflichtig sind und bei den Meldungen für den abgerechneten Zeitraum dann vergessen werden.

Auch von falschen Berechnungen der Erziehungszeiten war zu lesen.

RINK: Neben Fehlern bei den Ausbildungszeiten ein weites Feld für Irrtümer. Zuerst einmal muss man wissen, dass für Kinder vor dem Geburtsjahr 1992 ein Entgeltpunkt pro Kindererziehungsjahr berechnet wird, ab 1992 stieg dieser Wert auf drei Punkte. Diese Punkte können die Eheleute auch unter sich aufteilen. Zusätzlich gibt es für jedes Kind 10 Jahre Kinderberücksichtigungszeit, um den vor allen von der Erziehung betroffenen Frauen nicht die 35 Jahre Wartezeit bis zur Rente zuzumuten. Auch das wirkt sich in den meisten Fällen noch rentensteigernd aus.

Und auf welchem Gebiet passieren die meisten Fehler?

RINK: Bei den Ausbildungszeiten und der Übertragung der Daten in das Versicherungskonto. Ich finde in rund einem Drittel der von mir geprüften Bescheide Fehler und zu 99 Prozent führt dieses dann auch zu einer Verbesserung der Rente.

Was der bislang schwerwiegendste Irrtum bei der Rentenberechnung aus Ihrer Erfahrung?

RINK: Auch den hat das Bundesversicherungsamt in seinem Tätigkeitbericht für 2010 genannt. Im Jahr 2002 ist das Rentenrecht geändert worden, indem die Hinterbliebenenrente von 60 Prozent auf 55 Prozent gesenkt wurde für diejenigen, die nach 1962 geboren wurden bzw. nach dem Jahr 2002 geheiratet haben. Wer Kinder erzogen hatte, bekam jedoch als Ausgleich einen Kinderzuschlag für 36 Kalendermonate, der bei mehreren Kindern dazu führen konnte, dass die beschlossene Rentensenkung überkompensiert wurde. Das Bundesversicherungsamt hat 29 000 Fälle überprüft und in 9200 davon falsche Berechnungen gefunden. Das hat dazu geführt, dass fast 23,5 Millionen Euro an die betroffenen Witwen und Witwer nachgezahlt werden musste. Im Schnitt hat sich die Rente der Betroffenen danach um rund 57 Euro erhöht.

Nun haben viele Städte eigene Rentenberatungsstellen eingerichtet. Was wird dort anders gemacht, als dieses ein Rentenberater tut?

RINK: Ich kenne zu wenige Leute, die in kommunalen Rentenberatungsstellen arbeiten. Die Vollständigkeit von Unterlagen zu prüfen, sollte auch dort gewährleistet sein. Wenn spezielle Probleme zu lösen sind, wird das schon schwieriger werden. Staatlich geprüfte Rentenberater müssen eine breite Basis an Wissen nachweisen, bevor sie tätig werden dürfen.

Dafür ist die Rentenberatung im Bürgerbüro meist kostenfrei. Was kostet es beim Rentenberater?

RINK: Es gibt eine Gebührenordnung. Danach kostet die Überprüfung eines Bescheides plus anschließendem Einspruch zwischen 150 und 240 Euro.

Ab wann sollte man sich um seine Rente kümmern?

RINK: Spätestens zur Mitte des Berufslebens, um festzustellen, in welchem Maß man sich privat an seiner Alterversorgung beteiligen muss. Ich gebe dazu keine Empfehlungen, was bestimmte Produkte betrifft, informiere aber gern über alle steuer- und prämienbegünstigten Vorteile.

Ist die private Vorsorge fürs Alter denn unbedingt vonnöten? Manche vertrauen ganz auf die Fürsorge des Staates.

RINK: Wer 40 Jahre lang den deutschen Durchschnittsverdienst nach Hause bringt, also 40 Rentenpunkte angesammelt hat, kommt derzeit auf etwas über 1100 Euro Bruttorente. Davon gehen noch rund 10 Prozent für Kranken- und Pflegeversicherung ab. Wer 3000 Euro verdient hat, sollte aber schon etwa 2000 Euro Rente haben, um einen ruhigen Lebensabend zu genießen. Diese Lücke gilt es zu schließen.

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