E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 19°C
7 Kommentare

Studie: Rhein-Main droht der Verkehrskollaps

Von In der Region pendeln eine Million Menschen zwischen Wohnort und Arbeitsstätte. Staus und überfüllte Bahnen sind die Folge. Die Handelskammern warnen vor einem Verkehrskollaps und fordern, Planungsprozesse zu beschleunigen.
Verkehr auf der Autobahn A5 Foto: Roland Holschneider (dpa) Einfalls- und Ausfalltor für Frankfurts Pendler: die Autobahn 5 (hier nördlich der Stadt)
Frankfurt. 

Wer morgens das Radio einschaltet, der hört es im Verkehrsfunk: Stau auf der Autobahn 5, auf der A 3, aber auch auf der A 67 oder der A 66. Tag für Tag. Aber nicht nur die Straßen sind voll, auch Busse und Bahnen. Das liegt an den gut eine Million Menschen, die in der Metropolregion Rhein-Main täglich zwischen ihrem Wohnort und ihrer Arbeitsstätte pendeln. Dabei ist Frankfurt die Pendlerhauptstadt Deutschlands. In keiner anderen Großstadt ist der Anteil der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten so hoch wie hier. Das geht aus der „Stau- und Pendlerstudie 2018“ von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt hervor.

„Fast zwei Drittel aller in Frankfurt Beschäftigter wohnen nicht in der Stadt“, sagte gestern IHK-Präsident Mathias Müller bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt. Nur Düsseldorf und Stuttgart erreichten ähnlich hohe Werte.

170 000 neue Jobs

In ihrer Datenerhebung hat die Handelskammer erstmals die Pendlerströme in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main unter die Lupe genommen und ausgewertet. 25 Städte und Kreise zwischen Bingen und Aschaffenburg, Gießen und der Bergstraße wurden dabei untersucht. In dieser Region leben 2,2 Millionen Menschen. Jeder zweite davon pendelt über Kreisgrenzen hinweg zum Arbeitsort.

Der Grund: In den vergangenen Jahren sind 170 000 neue Jobs in der Region entstanden – aber nicht nur in den großen Städten wie Frankfurt. So hätte es den größten Beschäftigungszuwachs seit 2000 in den Landkreisen Alzey-Worms (+36 Prozent), Mainz-Bingen (+29 Prozent) und im Hochtaunuskreis (+28 Prozent) gegeben.

„Die Pendler machen an Landesgrenzen nicht Halt“, sagte Müller. Jeder fünfte Arbeitnehmer aus Mainz pendele nach Wiesbaden und Frankfurt. „Allein das sind täglich mehr als 16 000 Menschen“, so der IHK-Präsident. Die Folge: volle Straßen, volle Züge in der Metropolregion. „Die wirtschaftliche Dynamik ist selbstverständlich erfreulich“, sagte Müller. Doch dann folgte das große Aber: „Die Kapazitätsgrenzen auf den Straßen und Schienen sind vielerorts längst erreicht oder sogar schon überschritten.“

Besonders auf den Straßen sei die Situation dramatisch. Insgesamt standen die Hessen voriges Jahr mehr als 37 000 Stunden im Stau. „Das ist ein hohes wirtschaftliches Risiko für die Region, weil davon nicht nur Pendler, sondern etwa auch Handwerksbetriebe und Paketversender behindert werden.“

Ausbau beschleunigen

Nach Ansicht der Wirtschaftskammer wäre ein regionaler Masterplan Mobilität sinnvoll. Hessens Straßen müssten ausgebaut und saniert werden – auch wenn dies weitere Baustellen bedeute. „Das macht das Leben nicht leichter, ist aber hilfreich und wichtig“, so Müller. Die Mittel für den Straßenbau würden allerdings nicht ausreichen, auch wenn die Landesregierung dafür in diesem Jahr 177 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat. Um die Straßen zu entlasten, müsste aber auch der Personennahverkehr ausgebaut werden. „Das dauert aber immer viel zu lange“, beklagte Mathias Müller. Als Beispiel nannte er die Regionaltangente West, die Bad Homburg, Eschborn, Höchst, den Flughafen und Neu-Isenburg miteinander verbinden soll. „80 000 Arbeitsplätze liegen an der Strecke“, so Müller. „Seit Jahrzehnten diskutieren wir über dieses Projekt, aber nichts passiert.“ Die Planungs- und Genehmigungszeiträume würden zu lange dauern, die Prozesse müssten beschleunigt werden. Dazu gehöre, die Klageinstanz auf eine zu beschränken sowie die zuständigen Stellen in den Behörden mit ausreichend Personal auszustatten.

Aus Sicht der IHK sollte die hessische Landesregierung deswegen die Umsetzung des sogenannten Planungsbeschleunigungsgesetzes der Bundesregierung unterstützen. „Dafür würden wir hier gerne ein Pilotprojekt etablieren.“ Um dies zu erreichen, müssten die Länder aber enger kooperieren. Müller sagte: „Wir brauchen in Berlin eine Stimme, um gehört zu werden.“

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen