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Frankfurter Buchmesse: Romane aus der Heimat der Flüchtlinge

Auch per Buch kann man in die Fremde reisen. Der Verein Litprom in Frankfurt wirbt für Literatur aus aller Welt - und hofft, dass sich Leser auch mit Romanen aus den Ländern beschäftigen, aus denen Menschen nach Deutschland flüchten.
Litprom EV Buchmesse Foto: Holger Menzel Joscha Kristof Hekele, Anita Djafari und Petra Kassler vom Litprom-Verein am Weltempfang, den sie auf der Buchmesse organisieren.
Frankfurt. 

Ein Urlaub ist eine gute Gelegenheit, das unbekannte Land mit Hilfe eines Romans kennenzulernen. „Ich finde das ideal“, sagt Anita Djafari. Doch ihrer Erfahrung nach tun das die wenigsten Menschen, die in ferne Länder wie Thailand, Indonesien, Südafrika, Kenia oder Kuba reisen. Es gebe wohl „eine gewisse Scheu“.

Wer diese Scheu überwinden will, findet viele Anregungen bei Geschäftsleiterin Djafari und ihrem Team vom Verein Litprom – Literaturen der Welt. Seit fast 40 Jahren bringt der Verein von Frankfurt aus deutschsprachigen Lesern Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika ins Bewusstsein.

Orientierungshilfen für international Interessierte bieten „Der andere Literaturclub“ und die Litprom-Weltempfänger-Liste mit Buchempfehlungen. Auf den jüngsten Listen stehen zum Beispiel mit „Denunziation“ Erzählungen aus Nordkorea, mit „Suff und Sühne“ von Gary Victor ein Kriminalroman aus Haiti, mit „Die Geschichte einer kurzen Ehe“ von Anuk Arudpragasam Einblicke in die Gesellschaft in Sri Lanka mit „Die drei Reiche“ von Luo Guanzhong ein chinesischer Politikklassiker.

Litprom vermittelt zudem als Non-Profit-Literaturagentur zwischen den Buchmärkten in Afrika, Asien und Lateinamerika und dem deutschen Sprachraum in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Derzeit liege ein Schwerpunkt auf asiatischen Ländern wie Philippinen, Thailand und Vietnam, sagt Djafari. Auf der heute beginnenden Buchmesse organisiert Joschka Kristof Hekele in Halle 3 mit dem „Weltempfang“ das Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung.

Djafari und Herkele arbeiten dafür, dass noch mehr deutsche Leserinnen und Leser die Chance nutzen, über Romane Gedanken und Alltag anderer Kulturen kennenzulernen – und so vielleicht sogar Vorurteile abzubauen. Doch obwohl der Umgang mit Flüchtlingen seit Monaten die deutschen Schlagzeilen beherrscht, „spiegelt sich das im Buchverkauf nicht wieder“, sagt die Literatur-Expertin.

Sie habe nicht den Eindruck, dass die Interessen sich an der Weltlage orientierten und nun verstärkt Romane aus Syrien, Irak, Afghanistan, Nigeria oder Somalia gelesen würden. Obwohl es gerade aus dem Arabischen viele Übersetzungen gebe. Auch dazu trägt Litprom bei: Seit 1984 fördert der Verein pro Jahr etwa 20 Übersetzungen, finanziert vom Auswärtigen Amt und dem Schweizer SuedKulturFonds. Seit diesem Jahr gebe das Auswärtige Amt zusätzlich Geld für Übersetzungen aus dem Türkischen, so dass nun insgesamt 75 000 Euro zur Verfügung ständen, sagt Hekele.

Bei der Auswahl, die eine Jury trifft, stehe die literarische Qualität der Bücher im Vordergrund, nicht die Thematik oder der politische Hintergrund, sagt Hekele. Sie würden der fremdsprachigen Literatur „einen Bärendienst erweisen, wenn wir schlechte Texte fördern“, ist Djafari überzeugt.

LiBeraturpreis für Iranerin Vafi

Der LiBeraturpreis ist ein Publikumspreis und zeichnet jährlich einen besonders beliebten Titel einer Autorin aus Afrika, Asien, Lateinamerika oder der arabischen Welt aus.

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Nicht immer sind Texte aus fernen Ländern den westeuropäischen Lesern sofort zugänglich, oft wirken Bilder, Aufbau und Stil fremd. So verlieh Litprom im vergangenen Jahr den LiBeraturpreis an die indonesische Schriftstellerin Laksmi Pamuntjak für „Alle Farben Rot“. Die Liebesgeschichte dieses Romans wirke direkt kitschig, sagt Djafari. Dahinter stehe aber, so habe die Übersetzerin betont, ein ganz anders Konzept von Liebe, das zu dem Roman dazu gehöre.

Litprom wird finanziell vom Evangelischen Entwicklungsdienst/ Brot für die Welt und anderen Organisationen unterstützt und arbeitet seit der Gründung 1984 mit der Frankfurter Buchmesse zusammen. Der jeweilige Buchmessendirektor ist Vorsitzender des Vereins, derzeit Juergen Boos. 1984 hatte die Messe den Schwerpunkt „Schwarzafrika“. Litprom arbeitet daran, dass heute niemand mehr auf die Idee kommt, Literatur so unterschiedlicher Länder einfach zusammenzufassen.

 

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