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Kreisligen starten in die Fußball-Saison: Schiedsrichter im Amateurfußball beklagen: Die Gewalt nimmt zu

In vielen Fußballkreisen Hessens startet der Amateurfußball in die neue Saison. Auch für die Schiedsrichter geht es wieder los. Wie ist es eigentlich mit der Gewalt auf den Sportplätzen in den untersten Ligen? Wir haben uns mit zwei Schiedsrichtern unterhalten.
Foto: Imago
Viele Fußballer freuen sich - die Vorbereitung ist zu Ende und die Saison geht  wieder los im Amateurfußball. Für die Schiedsrichter geht die Saison natürlich ebenfalls wieder los. Ein großes Thema sind natürlich die Beleidigungen und die Gewalt- und Aggressionsbereitschaft auf den Sportplätzen, vor allem den Referees gegenüber. Wir haben mit Matthias Ott (Vorstandsmitglied der Schiedsrichtervereinigung Wiesbaden, Öffentlichkeitsbeauftragter und 2. Schriftführer) und mit Ralf Schuchardt (Mitglied des Schiedsrichterausschusses im Kreis Limburg-Weilburg und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit) darüber geredet.


Sind Gewalt und Beleidigungen ein Thema vor der Saison bei den Schiedsrichtern?

Ott: Sicherlich sind die Gewalt- und Beleidigungs- Aktionen aus der Vorsaison noch in den Köpfen der Schiedsrichter. Wir sind auch nur Menschen und wollen uns keiner Gewalt und Beleidigung, wie die Spieler auch, aussetzen. 

Schuchardt: Im Bezug auf Gewalt und Beleidigungen werden unsere Schiedsrichter gut geschult und vorbereitet im Umgang mit verschieden Situation.

Was sind denn die schlimmsten Beleidigungen und Vorkommnisse, die Ihnen von Schiedsrichtern in Ihrem Kreis bekannt sind?

Ott: Über diverse Beleidigungen, wie Blinder oder Arschloch, wird hinweg gehört. Bei Beleidigungen, die unter die Gürtellinie gehen, wird ein Sonderbericht gefasst. Wenn aber so Drohungen, wie zum Beispiel "ich schlage dich krankenhausreif oder wir sehen uns in der Schule/ Stadt/ Bushaltestelle", dann hört der Spaß auf.
Die schlimmste Aktion war vor circa. 5 Jahren, als einem jungen aufstrebendem Schiedsrichter in einem Jugendspiel ein Zahn ausgeschlagen wurde.

Schuchardt: Zu den schlimmeren Beleidigungen gehört mittlerweile: Du Hurensohn, du Arschloch, ich fick deine Mutter usw.! Leider wurde auch bei uns im Kreis schon Gewalt gegenüber einem Schiedsrichter ausgeübt: einem Unparteiischen wurde ins Gesicht geschlagen. Der Spieler wurde mit einer einjährigen Sperre bestraft und der Verein hat ihn aus dem Verein geworfen. Dem Referee ging es nach paar Tagen wieder besser.

Hat die Gewalt- und Aggressionsbereitschaft im Amateurfußball in den letzten Jahren zugenommen?

Schuchardt: Leider ein klares JA!

Ott: Die Frage kann man direkt und klar mit einem "Ja" beantworten. Der gegenseitige Respekt geht, genauso wie im wahren Leben, verloren.

Macht die Tätigkeit des Schiedsrichters immer Spaß oder fällt es teilweise auch schwer, besonders bei Beschimpfungen von Fans und Zuschauern auf den Sportplätzen?

Schuchardt: In der Regel macht die Pfeiferei schon Spaß vor allem bei guten und spannenden Spielen. Mich persönlich stören die Beschimpfungen nicht. Ich bin eher einer, der auch mal auf einen Zuschauer zugeht und ihn fragt, ob er es in Ordnung findet, wie er sich verhält. Vor allem wenn Kinder in der Nähe sind.

Ott: Wir haben eine gute Gemeinschaft in unserer Vereinigung, die hilft gerne in kritischen Momenten, die Sache aufzuarbeiten. Das ist insbesondere für junge unerfahrene Schiedsrichter wichtig. Kein Schiedsrichter der Welt ist direkt als Bundesliga- oder FIFA- Schiedsrichter auf die Welt gekommen. Jeder fängt in den untersten Klassen an, entweder zu spielen oder zu pfeifen. In der Regel macht es Spaß zu pfeifen, wenn alle Beteiligten sich auf ihre Aufgabe konzentrieren und gegenseitigen Respekt zollen.

Gibt es auch in den Kreisligen sogenannte „Risikospiele“, also Partien mit Mannschaften, die von Spielern und/oder Zuschauern her bekannt dafür sind, dass der Schiedsrichter beschimpft und beleidigt wird und wie wird im Vorfeld in Schiedsrichterkreisen  mit Spielen von solchen Teams umgegangen?

Schuchardt: Auch diese Mannschaften gibt es, mit denen es in der Vergangenheit immer und immer wieder Probleme gab. Wir versuchen dies auf den Lehrabenden den Schiedsrichter mitzuteilen, wie sie sich verhalten sollen. Weiterhin versuchen wir diese Spiele mit erfahrenen und vom Charakter her ruhigen Unparteiischen zu besetzen.

Ott: Die gibt es sicherlich. Bei Sportplatz- oder Nachbarschaftsderbies oder unter Mannschaften mit unterschiedlichen Kulturen kommt es immer mal wieder zu Gewalt und Beleidigungen, hauptsächlich in den unteren Klassen. Die Schiedsrichter unterhalten sich, wie auch die Spieler, untereinander über ihre Erfahrungen bei den einzelnen Spielen und weisen sich gegenseitig auf etwaige grawierende Probleme hin.

Wie bereiten sich die Schiedsrichter im Amateurfußball auf die neue Saison vor?

Schuchardt: Die Schiedsrichter werden von uns gut vorbereitet in die Saison geschickt. Wir bereiten sie auf die neusten Regeländerung vor und erläutern diese auch anhand von Beispielen.

Ott: Die Schiedsrichter bekommen die sogenannten Testspiele der verschiedenen Vereine. So wie es für die Mannschaften ein Testspiel ist, testen die Schiedsrichter auch. Vor dem Beginn der Testspielphasen, halten sie sich entweder in einem Fitnesstudio oder auf anderen geeigneten Einrichtungen fit.
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