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Eltern dehnen häufig die Ferien aus: Schulschwänzern droht Bußgeld

In Hessen besteht Schulpflicht. Wenn sie verletzt wird, drohen teils empfindliche Bußgelder. Die Art des Schulschwänzens reicht von notorischer Unpünktlichkeit bis hin zum eigenmächtigen Ausdehnen der Ferien.
Kind mit Schulranzen Foto: Arno Burgi (dpa-Zentralbild) Ein Kind mit Schulrucksack spielt lieber mit seinem elektronischen Spielgerät, als in die Schule zu gehen.
Wiesbaden. 

Etwas früher in die Ferien starten, wenn die Autobahn noch leer ist, oder einen Tag später zurückkommen, weil dann ein günstiger Flug lockt: Viele Eltern nehmen es bei der Urlaubsplanung mit der Schulpflicht der Kinder nicht so genau. Das hessische Schulministerium hat beobachtet, dass dieses Verhalten zunimmt. „Das ist ein wachsendes Phänomen und aus unserer Sicht nicht zu tolerieren“, sagte ein Sprecher in Wiesbaden. Inzwischen drohen Strafen von mindestens 100 Euro pro Tag, wenn Eltern nachweislich die Schulferien eigenmächtig ausdehnen. Denn Schulschwänzen ist eine Ordnungswidrigkeit. Laut Ministerium ist es zusätzlich problematisch, wenn die Initiative für das Fernbleiben von den Eltern ausgeht.

Das Hessische Schulgesetz sieht bei Verstößen gegen die Schulpflicht einen Bußgeldkatalog vor, an dem sich die Schulen orientieren können. Dies sind pro unentschuldigtem Fehltag – unabhängig von den Ferien - pro Schüler beispielsweise 5 Euro, im Wiederholungsfall 7,50 Euro. Fünf einzelne Fehlstunden können zu einem Tag addiert werden. Hessenweit verzeichnete das Ministerium 2015 mehr als 3200 Schulordnungswidrigkeiten, rund 580 Mal wurde ein Bußgeld verhängt. Bei besonders uneinsichtigen Schwänzern drohen Arbeitsauflagen (2015: 358 Fälle) oder gar Jugendarrest (2015: 11 Fälle).

Scharfes Schwert

Die Schule sollte zwar vermitteln, wie wichtig Pünktlichkeit ist, sagt die Landesschulsprecherin Svenja Appuhn. Aber dies könne nicht durch Bestrafung und Bußgeld geschehen. „Dieses Mittel ist ein scharfes Schwert“, findet sie. Als erstes sollte die Schule pädagogische Hebel ansetzen, damit Schulschwänzer oder notorische Zu-Spät-Kommer ihre Einstellung ändern. „Die Schule muss den Kindern auch vermitteln, dass sie willkommen sind“, fordert Appuhn. Sollte dies alles nichts nutzen, müsse geschaut werden, aus welchen Gründen die Kinder nicht oder dauernd unpünktlich zum Unterricht kommen.

„Man muss an die Ursachen gehen“, sagt auch der Vorsitzende des Landesverbandes der Lehrergewerkschaft GEW, Jochen Nagel. Es könne viele Gründen haben, warum Kinder und Jugendliche zu Schulvermeidern werden. Zwar gebe es auch Fälle, dass Schüler dächten, sie hätten den Unterricht nicht nötig. „Aber es kann auch sein, dass sich eine Schülerin um ihre Geschwisterchen kümmern muss, weil niemand anderes da ist“, gibt Nagel zu bedenken. „Das kann man nicht in einen Topf werfen.“

Lehrer hätten oft keine Zeit, stärker auf einzelne Kinder einzugehen und die Gründe der Schulverweigerung zu hinterfragen, beklagt Nagel. Dass Eltern eigenmächtig die Ferien ausdehnen sei nicht das zentrale Problem. Dies könne auch damit zu tun haben, dass eine Familie wegen Geldsorgen auf einen günstigen Flug angewiesen ist.

Fehlentwicklung erkennen

Auch der Landeselternbeirat ist gegen repressive Strafen für Schulschwänzer. Es sollte vielmehr darum gehen, dass die Schulen eine Fehlentwicklung früh erkennen, sagt der Vorsitzende Reiner Pilz. Dann sollte den Ursachen auf den Grund gegangen werden, etwa mit Schulsozialarbeit.

„Ich denke, dass oft Schulangst dahintersteckt“, erklärt Pilz. Auslöser könnte etwa Mobbing von Mitschülern oder Ärger mit einem Lehrer sein. Manchmal lägen die Probleme allerdings bei den Eltern, etwa wenn die Kinder morgens nicht geweckt und zur Schule geschickt werden.

„Schule sollte ermöglichen, dass Kinder gerne dorthin gehen“, betont der Elternvertreter. „Wenn das Schulklima stimmt, dann ist Schwänzen kein Thema.“ Dass Eltern eigenmächtig die Ferien verlängern – darin sieht Pilz kein wachsendes Problem. Sollten dringende Gründe dafür sprechen, früher in den Urlaub zu fahren oder verspätet zurück zu kommen, dann gebe es auch die Möglichkeit, sich dies von der Schule genehmigen zu lassen.

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