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Trinkwasser: Schutzgemeinschaft Vogelsberg beklagt großen Durst Frankfurts

Täglich müssen Kommunen im Vogelsberg für viel Geld Trinkwasser mit Tankwagen heranschaffen. Da sehen sie es gar nicht gern, wenn ihr kostbares Nass in Frankfurt bei der Toiletten-Spülung verschwendet.
Kostenlos Trinkwasser zapfen Foto: Andreas Arnold (dpa) Frankfurt bezieht weniger als ein Viertel seines Trinkwassers aus dem eigenen Stadtgebiet.
Frankfurt. 

Dass die Frankfurter ihren Durst mit köstlichem Grundwasser aus dem Vogelsberg stillen wollen, verzeiht ihnen die Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV) vielleicht noch. Aber dass das kostbare Nasse aus dem Vogelsberg in Frankfurt in Massen in die Toiletten fließt, ist für die Schutzgemeinschaft unverzeihlich. In einem offenen Brief an die Stadt und das Regierungspräsidium hat sie Anfang Mai gefordert, dass die Mainmetropole ein zweites Leitungssystem ohne Trinkwasser für die Klos schafft. Geschehen ist seither nichts, beklagt Hans Otto Wack, wissenschaftlicher Berater der Schutzgemeinschaft. Das Regierungspräsidium Darmstadt verweist auf das „Leitbild für ein Integriertes Wasserressourcen-Management Rhein-Main“, das erarbeitet wird. Das Leitbild sei zwar ganz gut für die Zukunft, sagt Wack, aber Frankfurt müsse seinen Trinkwasserverbrauch sofort verringern.

Die Main-Metropole stillt ihren Durst überwiegend aus fremden Quellen. Nur 20 Prozent des Trinkwassers stammen aus eigenen Brunnen. 40 Prozent fließen per Fernleitung aus dem Vogelsberg nach Frankfurt, weitere 40 Prozent kommen aus dem Hessischen Ried. Und Frankfurt wird laut Schutzgemeinschaft immer durstiger. Im geplanten Hotel- und Wohnturm „One Forty West“ in der Senckenberganlage mit seinen 430 Vier-Sterne-Hotelzimmern, zwei Restaurants und 187 Wohnungen würden pro Jahr 10 000 Kubikmeter Wasser durch die Toilettenspülungen gejagt werden. Im Honsell-Dreieck im Hafenpark mit 600 Wohnungen, Geschäften, Kita und Scandic-Hotel mit 500 Zimmern würden etwa 20 000 Kubikmeter Trinkwasser in die Klos rauschen. In „Four Frankfurt“ am Roßmarkt mit seinen vier neuen Hochhäusern seien es ebenfalls 20 000 Kubikmeter.

Leitung für Brauchwasser

Mindestens 50 Prozent des verbrauchten Wassers muss kein Trinkwasser sein, in Bürogebäuden seien es sogar 80 Prozent, heiß es in dem offenen Brief der Schutzgemeinschaft, der auch vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Hessen, dem Naturschutzbund Hessen, den Naturfreunden Hessen, der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Hessen, und der AG Rettet den Burgenwald unterzeichnet ist. Frankfurt müsse per Bauleitplanung festlegen, dass bei Neubauten ein zweites Leitungssystem mit Nicht-Trinkwasser für die Toilettenspülungen vorgesehen werden muss, sagt Wack. Bei älteren Gebäuden könnten die separaten Leitungen bei Umbauten und Renovierungen nachgerüstet werden.

Dezernent will helfen

Zumindest beim Umweltdezernat der Stadt stößt diese Forderung auf offene Ohren. „In Hinblick auf vermehrte Trockenperioden in Zukunft, die wegen des Klimawandels auf uns zukommen werden, fordern wir eine intensive Prüfung von Brauchwasser-Systemen bei Neubaugebieten“, sagt Susanne Schierwater vom Umweltdezernat. Das Nachrüsten älterer Gebäude hält sie aber für schwierig. „Eine Nachrüstung im stark verdichteten Innenstadtbereich ist problematisch“, sagt sie.

Laut Schierwater hat Frankfurt seit den 1990er Jahren schon einiges getan, um den Trinkwasserverbrauch zu verringern. Damals sei durch eine Wasserspar-Kampagne der Pro-Kopf-Verbrauch bis 1998 um 20 Prozent verringert worden. Seitdem habe er sich nicht mehr erhöht. 2010 habe der Wasserverbrauch gegenüber 1990 um 14 Prozent oder rund 5,54 Millionen Kubikmeter niedriger gelegen, obwohl die Einwohnerzahl um 8,5 Prozent gestiegen sei.

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