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Kein Gesamtkonzept: So digital sind Hessens Schulen

Ein Blick auf Hessens Schullandschaft zeigt, dass bereits jetzt viele digitale Unterrichtsmöglichkeiten vorhanden sind. Diese werden allerdings nicht systematisch genutzt.
Schüler zwischen Schulbuch und Ipad: Dieses Bild ist an den meisten deutschen Schulen eher Ausnahme statt Realität. Foto: Carmen Jaspersen (dpa) Schüler zwischen Schulbuch und Ipad: Dieses Bild ist an den meisten deutschen Schulen eher Ausnahme statt Realität.
Frankfurt. 

Die Digital-Offensive von Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) stößt hessenweit auf große Zustimmung. Jedoch herrscht Rätselraten, wie Hessens Anteil an den versprochenen fünf Milliarden Euro, die die Ministerin über einem Zeitraum von fünf Jahren ausschütten will, genutzt werden soll.

Der Sprecher des Hessischen Kultusministeriums, Stefan Löwer, erinnert erst einmal daran, dass die digitale Ausstattung der Schulen eine Angelegenheit der Schulträger, also der Kommunen, ist. „Medienbildung ist bereits heute in allen Fachlehrplänen unter den überfachlichen Kompetenzen festgeschrieben und wird als Begriff mit der gestern in den Landtag eingebrachten Schulgesetznovelle im Gesetz verankert“, so Löwer weiter.

Dass die IT-Ausstattung an einigen hessischen Schulen nicht das größte Problem ist, verdeutlicht ein Blick nach Frankfurt, wo viele Schulen seit Jahren dringend sanierungsbedürftig sind. Gleichwohl sind bereits jetzt 75 Prozent der 144 öffentlichen Schulen mit Breitband-Internet ausgestattet. „Die restlichen 25 Prozent sollen bis 2018 folgen. Wir unterstützen zudem die Einführung von WLAN. Das soll bis 2017 fertiggestellt sein“, sagt Clemens Bohrer vom Frankfurter Bildungsdezernat. Bohrer wehrt sich gegen die Forderung, dass zunächst in Infrastruktur investiert werden müsse, bevor man Geld für die Digitalisierung ausgeben könne: „Es geht darum, das eine zu tun und das andere nicht zu lassen.“

Große Erwartungen

Auch im Hochtaunuskreis sind die Verantwortlichen von der Wanka-Offerte sichtlich angetan. Landrat Ulrich Krebs (CDU) begrüßt die Initiative der Ministerin ausdrücklich. „Es ist wichtig, dass Gelder für die Landkreise zur Verfügung stehen, denn der Hochtaunuskreis hat in den vergangenen Jahren in erheblichem Umfang in seine Schulen und in ihre digitale Infrastruktur investiert. Eine stärkere Unterstützung des Bundes in diesem Bereich würde uns dabei helfen, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen“, so der Kreis-Chef.

Dabei führt Krebs die Friedrichsdorfer Philipp-Reis-Schule (PRS), eine kooperative Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe, an. Beim Neubau der Schule im Jahr 2012 wurde vollständig auf Kreidetafeln verzichtet. Stattdessen erfolgte die Installation von 78 interaktiven „Whiteboards“, parallel dazu wurde auch das in der neuen PRS verortete Medienzentrum entsprechend ausgestattet, um dort die Lehrerfortbildung möglich zu machen.

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Kommentar: Schulen sind allzu oft digitales Brachland

Wer heutzutage etwas nachschlagen möchte, greift nicht mehr zum Brockhaus, sondern zückt das Smartphone und findet die Antwort binnen weniger Sekunden im Internet.

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Auch bei den Grundschulen erfolge im Hochtaunuskreis turnusmäßig die Neuausstattung mit PCs mit aktuellen Standards, „wobei hier zunehmend All-in-one-PCs zum Einsatz kommen“, so Kreis-Sprecherin Andrea Nagell. Zu diesen so ausgestatteten Schulen gehören aktuell die Limesschule in Wehrheim und die Grundschule Mammolshain in Königstein.

In Frankfurt herrscht in Sachen neuer Medien allerdings mancherorts noch gehörig Nachholbedarf. Viele Schulen bieten digitale Angebote lediglich auf freiwilliger Basis an. Wie ausgeprägt die Bereitschaft ist, das Internet in den Unterricht einfließen zu lassen, hängt maßgeblich vom Kollegium ab. Marion Wessling vom Staatlichen Schulamt Frankfurt verweist darauf, dass es stadtweit einen Kollegen gibt, der andere Lehrer im Umgang mit digitalen Unterrichtsmethoden schult. „Wir haben vom Kultusministerium sechs Wochenstunden zugewiesen bekommen“, sagt Wessling.

Viele Apps nicht förderlich

Helen Kellermann-Galle, die Leiterin der Frankfurter Liebfrauenschule, ist der Ansicht, dass die meisten Schulen in der Mainmetropole bereits gut mit Computern versorgt sind. Doch Desktop-Rechner entsprächen nicht mehr der Medienwirklichkeit der meisten Schüler. Diese seien meist besser im Umgang mit Tablets geübt. Doch: „Viele Apps sind nicht unbedingt förderlich für die Kinder. Die Schulung von Medienkompetenz wäre daher eine wichtige Sache“, sagt die Grundschulleiterin. Sehr gute Erfahrungen habe sie mit Programmen wie „Lego Education“ und „Playground“ gemacht, bei denen Schüler auf spielerische Weise lernen. Doch da das Kultusministerium die Stundenzuweisung für entsprechende Fachberater gesenkt habe, erfahren viele Schulen nicht davon, was bereits machbar sei.

Reinhold Dallendörfer, der Schulleiter der Frankfurter Schwanthalerschule, sieht die Debatte um eine Digital-Offensive skeptisch: „Es wäre zwar schön, wenn wir auch eine digitale Tafel hätten. Wenn man die aber unter eine herunterbröselnde Decke stellt, ist es auch nicht gut“, spielt der Hauptschulleiter auf den städtischen Sanierungsstau an.

Christoph Degen, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, signalisiert „grundsätzliche Zustimmung“ zu Wankas Vorstoß. Hier gebe es dringenden Handlungsbedarf. Degen sagt aber auch: „Beides, Digitalisierung und Schulsanierung, ist wichtig, das kann man nicht trennen.“

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