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Sicerheit: So will die Polizei Hessens Fastnacht schützen

Damit die Hessen friedlich ihre Straßenfastnacht feiern können, ist viel Arbeit im Hintergrund nötig. Das betrifft vor allem die Polizei, aber auch die privaten Organisatoren der Züge. Wegen immer größerer Vorkehrungen sieht da so mancher die Grenze des Machbaren erreicht.
Foto: dpa Foto: Andreas Arnold (dpa) Foto: dpa
Frankfurt. 

Jubel, Trubel, Heiterkeit: Das macht Arbeit, viel Arbeit sogar. Wenn Zehntausende Hessen zum Höhepunkt der tollen Tage zu den Fastnachtsumzügen strömen und schunkelnd in den Straßen feiern, sorgen im Hintergrund ganze Heerscharen von Polizisten, privaten Sicherheitsleuten und ehrenamtlichen Helfern für die Sicherheit. Egal ob auf dem flachen Land oder in der Metropole: Das Augenmerk der Verantwortlichen richtet sich beim Thema Sicherheit auf zwei Schwerpunkte.

Zum einen müssen sie mit Blick auf die mögliche Gefahr von Terroranschlägen entsprechende Vorkehrungen treffen. Zum anderen gilt es, sich auf Delikte einzustellen, die beim Straßenkarneval vielleicht noch häufiger als bei anderen Massenveranstaltungen für Ärger sorgen: dass Betrunkene die Fäuste fliegen lassen oder zum Messer greifen, dass Langfinger in fremde Taschen greifen oder sexuelle Angreifer sich Opfer suchen. Dagegen gilt es, Vorkehrungen zu treffen.

Zusätzliche Beamte in Frankfurt

So rüstet sich beispielsweise die Frankfurter Polizei mit einem verstärkten Aufgebot für den großen Umzug am Fastnachtssonntag. Genaue Zahlen will sie nicht nennen. Klar ist: Es werden viele Beamte und Beamtinnen unterwegs sein, auch in Zivil. Mit Alkohol- und Drogenkontrollen sollen mögliche Störenfriede möglichst schon im Vorfeld erkannt werden.

Bei der Sicherung vor etwaigen Anschlägen mit Lastwagen setzt man in Frankfurt wie auch in der Landeshauptstadt Wiesbaden in diesem Jahr verstärkt auf mobile Zufahrtssperren, sprich Busse und Lkw, an neuralgischen Punkten. «Die passen besser in das tägliche Bild des Straßenverkehrs» als Betonpoller, erklärt die Frankfurter Polizeisprecherin Isabell Neumann. Bei den Karnevalsumzügen vor einem Jahr - nur wenige Woche nach dem Terroranschlag mit einem Lkw in Berlin - waren vielerorts Betonsperren aufgestellt worden.

Keine Lastwagen in Wiesbaden

Mobile Sperren haben zudem den Vorteil, dass sie notfalls schnell zur Seite gefahren und damit den Weg für Rettungsfahrzeuge frei machen können, wie Markus Hoffmann vom Polizeipräsidium Wiesbaden erklärt. In der Landeshauptstadt gilt wie im vergangen Jahr zum Fastnachtszug am Sonntag in Teilen der Innenstadt ein Fahrverbot für Lkw über 3,5 Tonnen.

In Fulda wird die Polizei beim Rosenmontagszug mit mehr als 100 Beamten für Sicherheit sorgen. Genaue Zahlen sind auch hier nicht zu erfahren. Auf Betonhindernisse will Fulda wie bereits im vergangenen Jahr weitgehend verzichten, stattdessen sollen Busse der Stadtwerke als Sperre auf den wichtigen Zufahrtsstraßen abgestellt werden, wie Polizeisprecher Christian Stahl erklärt.

Seligenstäder Narren am Limit

Wie in Fulda ist auch in Seligenstadt Rosenmontag der höchste Feiertag im Jahr. Der Umzug durch die Fachwerkstadt - eine knappe halbe Autostunde östlich von Frankfurt - lockt jedes Jahr viele Besucher aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet an. Und der Blick auf die rund 21 000 Einwohner zählende Karnevalshochburg zeigt exemplarisch, wie sehr die geänderte Sicherheitslage nicht nur von der Polizei, sondern auch von den Organisatoren der Straßenumzüge ihren Tribut verlangt. Auch für sie werden die Sicherheitsanforderungen immer größer. «Der Aufwand ist fast nicht mehr stemmbar. Wir sind an einer Grenze angelangt», klagt Richard Biegel vom Heimatbund Seligenstadt.

«Wir sind ein werbefreier Zug», erklärt er weiter. Der riesige Aufwand, den die Organisatoren treiben, wird von den sogenannten Zugplaketten finanziert, die an Rosenmontag an den Einlässen zu vier Euro an die Besucher verkauft werden. Die Organisatoren müssen sich um viele Dinge kümmern, unter anderem um eine zentrale Ambulanzstelle, die Bereitstellung von drei Notärzten, 20 Feldbetten und zwei Hubschrauberlandeplätzen. «Zunächst hatten wir 40 Security-Mitarbeiter, später waren es 60 und jetzt sind wir bei 100 angelangt», berichtet Biegel. Auf 60 Seiten ist das Sicherheitskonzept angewachsen, das der Heimatbund dem Kreis Offenbach vorlegen musste.

Koma-Säufer von außerhalb

Immer größeres Kopfzerbrechen bereiteten den Organisatoren «Gruppen von Jugendlichen, die von außerhalb kommen», erzählt Biegel. «Die haben mit unserer Fastnacht nichts zu tun. Sie kommen, um zu randalieren und sich zuzuschütten.» Und fügt hinzu: «Übermäßiger Alkoholgenuss führt nicht automatisch zu mehr Humor.»

Die Organisatoren des Fastnachtszugs in Seligenstadt stehen mit diesen Schwierigkeiten nicht alleine da. In Frankfurt ist es ähnlich, wie Uwe Forstmann, Sprecher des Grossen Rates der Karnevalvereine Frankfurt, erläutert. «Die Art der Probleme mit den immer höheren Auflagen und Sicherheitsvorkehrungen ist im Grunde genommen überall gleich. Sie wachsen aber mit der Größe des Zuges.» Und der Zug am Fastnachtssonntag in Frankfurt ist einer der größten in Hessen.

Die Aufgabenteilung in Frankfurt hat sich laut Fortmann bewährt: «Wir kümmern um die interne Sicherheit, die Polizei die externe». Schon im Oktober haben die Organisation des Frankfurter Umzugs mit den Vorbereitungen begonnen. Bevor sich der Zug am Sonntag in Bewegung setzen kann, müssen alle Wagen eine Sicherheitsschleuse am Westhafen passieren. Dort überprüfen die Helfer, ob der jeweilige Wagen auf einer eigens zusammengestellten Liste steht, den vorgeschriebenen «Brauchtums-TÜV» hat - also verkehrssicher für Mitfahrer und Zuschauer ist - und ob Fahrer und sein Führerschein zur Anmeldung passen und das Kennzeichen stimmt.

Anders als in Seligenstadt und anderen Städten sind «Zugplaketten» in Frankfurt «aktuell kein Thema», wie Forstmann erklärt. Der Zug wird zum Teil von Sponsoren finanziert. Außerdem sollen in diesem Jahr erstmals Sammelbüchsen die Runde machen.

dpa

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