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Sorgen über Nachtflüge auch am Flughafen Hahn

Die einen wittern mehr Geschäft, die anderen fürchten mehr Lärm. Nachtflüge und Fluglärm rücken nach dem Urteil zum Nachtflugverbot in Frankfurt auch rund um den Hunsrück-Airport Hahn in den Fokus. Neue Kunden aus Rhein-Main sind derzeit aber noch nicht in Sicht.
Hahn/Frankfurt. 

Fluglärm ist ein Reizwort, im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet ebenso wie im beschaulichen Hunsrück. Die hohen Wellen des Urteils des Leipziger Bundesverwaltungsgerichts zum Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen schwappen bis in die Umgebung des Flughafens Hahn. Seitdem hofft der Provinz-Airport auf neue Kunden, Gemeinden und Bürgerinitiativen sorgen sich dagegen um ihre Ruhe.

"Es werden konkrete Gespräche mit Kunden geführt, die vom Nachtflugverbot in Frankfurt betroffen sind", sagt der Sprecher der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH, Jörg Schumacher. Er will Airlines vom Hahn überzeugen, Namen nennt er nicht. Es gehe aber nicht nur um Nachtflüge, sondern um komplette Standortwechsel. Die 24-Stunden-Betriebserlaubnis im Hunsrück bezeichnet er als große Chance. "Die Nachtfluggenehmigung spielt eine entscheidende Rolle, auch wenn sie nicht für die Masse des Geschäfts verantwortlich ist."

Potenzial für Wachstum

Ähnlich sieht es das Land Rheinland-Pfalz, dem 82,5 Prozent des Hunsrück-Airports gehören und das auf der Suche nach einem Investor gerade eine internationale Ausschreibung vorbereitet. Der Flughafen habe noch große Potenziale für weiteres Wachstum, sagt Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD). Er liege zentral und doch außerhalb eines Ballungsraums. Insofern sei er ideal geeignet, um den mit einem Nachtflugverbot belegten Frankfurter Flughafen zu entlasten oder zu ergänzen.

Angesichts dessen regt sich Widerstand, etwa bei der Bürgerinitiative Nachtflughafen Hahn. "Wir haben seit sechs Monaten großen Zuspruch aus der Bevölkerung", sagt der zweite Vorsitzende Olaf Simon. Seine Meinung ist klar: "Wenn in Frankfurt aus gesundheitlichen Gründen nachts nicht geflogen werden darf, muss das auch im Hunsrück gelten." Zwar lebten hier weniger Menschen, doch die mache der Lärm letztlich genauso krank.

Noch sind keine Flüge von Frankfurt nach Hahn verlagert worden, die Nachtflugzahl hält sich am fünftgrößten deutschen Frachtflughafen in Grenzen. Nach Angaben des Airports gibt es zwischen 0.00 und 6.00 Uhr durchschnittlich vier bis fünf Flugbewegungen – allesamt Frachtflieger. Zwischen Juni und August werden zwei Passagierflüge pro Woche hinzukommen, dann pendelt "Sun Express" zwischen dem Hunsrück und dem türkischen Izmir. Zudem gibt es nächtliche Tankstopps, deren Zahl variiert. Ab und an kommen etwa Maschinen der russischen Charterfluggesellschaft VIM Airlines.

Dominanz der Billigflieger

Der Kunden-Ansturm nach dem Leipziger Urteil von Anfang April ist also bisher ausgeblieben. Nach wie vor dominiert im Hunsrück der irische Billigflieger Ryanair, auf den knapp 90 Prozent aller Passagiere entfallen. Gleichwohl betonen die Hahn-Verantwortlichen, für mehr Flüge gerüstet zu sein. "An operativen Möglichkeiten haben wir alles da, was sie brauchen", sagt Schumacher. Das betreffe etwa Start- und Landebahn, Abstellplätze und Wartungseinrichtungen. Zudem lägen Pläne für einen Ausbau in der Schublade. "Wir haben Kapazitätserweiterungen geplant und diese auch schon genehmigen lassen."

Mit großem Protest rechnet Schumacher selbst dann nicht, seiner Ansicht nach wären die meisten Anwohner für einen Ausbau. Wichtig sei, mit den Menschen im Gespräch zu bleiben. Das tat er zuletzt mit dem Bürgermeister von Morbach (Kreis Bernkastel), das laut über eine Klage nachgedacht hatte. Nach dem Gespräch hieß es von Bürgermeister Andreas Hackethal, es sei im Sinne der Gemeinde, wenn sich der Hahn mit Maß und Ziel weiterentwickele. Um den Rückhalt in der Bevölkerung zu erhalten, dürfe sich aber ein Nachtflugverbot in Ballungszentren nicht zulasten des Hunsrücks auswirken.

"Mit uns reden die nicht", sagt indes Simon von der Bürgerinitiative. "Das Wohl und Wehe des Flughafens wird aber sowieso nicht im Hunsrück entschieden, sondern in den Firmenzentralen der Fluggesellschaften", sagt er. "Und die schauen nicht auf die Stimmung in der Bevölkerung."

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