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Studie bestätigt: Spaß im Beruf – weniger krank

Von Wer seinen Beruf als sinnstiftend empfindet, ist deutlich weniger krank als seine Kollegen, für die der Beruf eine Belastung ist. Das ist das Ergebnis einer Fehlzeitenstudie der AOK.
Krank am Arbeitsplatz Foto: Oliver Berg (dpa) Verzweiflung am Arbeitsplatz macht nach der AOK-Studie offenbar auch krank.
Frankfurt/Berlin. 

Sind Arbeitnehmer mit ihrem Job zufrieden und fühlen sich deshalb auch wohl am Arbeitsplatz, fehlen sie an durchschnittlich neun Tagen im Betrieb. Und was ist mit denen, für die Arbeiten eine Qual ist? Die fehlen ihrem Unternehmen doppelt so lange, nämlich fast 20 Tage im Jahr. Das haben die Experten des AOK Fehlzeiten-Reports 2018 herausgefunden. Unter dem Motto : „Sinn erleben – Arbeit und Gesundheit“ hat das wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) 2030 Personen zwischen 16 und 65 Jahren repräsentativ befragt.

In Hessen gibt es bei den offenbar krank machenden Arbeitsplätzen ein Stadt-Land-Gefälle. Nach den Erhebungen der Experten ist in den ländlichen Kreisen die Zahl der Krankheitstage von Arbeitnehmern am höchsten. Sie betrugen im Vogelsbergkreis, Odenwaldkreis und dem Werra-Meißner-Kreis vergangenes Jahr im Schnitt 13 Tage. In der Rhein-Main-Region bewegten sich die krankheitsbedingten Ausfalltage laut der AOK-Erhebung bei etwa elf Tagen.

Frankfurt am gesündesten

Am seltensten sind dabei die Arbeitnehmer in der Stadt Frankfurt krank. Hier lag der Durchschnittswert bei zehn Tagen im Jahr 2017. An diesem guten Wert haben allem Anschein nach die Mitarbeiter in der Finanzbranche der Bankenmetropole starken Anteil. Sie meldeten sich laut Studie am wenigsten bei ihren Arbeitgebern krank.

Bei den Krankheitsursachen der Arbeitnehmer traten Erkrankungen der Atemwege am häufigsten auf. Es folgten Erkrankungen bei Muskeln und Skelett sowie der Psyche.

„Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen sowie das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, sind Beschäftigten deutlich wichtiger als ein hohes Einkommen“, sagt Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO.

Auch eine gute Zusammenarbeit mit den Kollegen (97,9 Prozent), ein positives Betriebsklima (96,8 Prozent), die Loyalität des Unternehmens (96,8 Prozent) und ein gutes Verhältnis zum Chef (92,4 Prozent) seien für die Beschäftigten wichtig.

Empfinden Beschäftigte ihre Arbeit als sinnstiftend, berichten sie in der Befragung zudem deutlich seltener von psychischen oder somatischen Beschwerden. Beispiel Rücken- und Gelenkschmerzen: Nur knapp ein Drittel der Arbeitnehmer mit derart „sinnstiftenden Jobs“ nannten solche Leiden. Aber mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer, die keine Sinnstiftung in ihrem Beruf erkannten, berichteten dagegen von Rücken- und Gelenkschmerzen.

„Wenn Unternehmen die Gesundheit ihrer Mitarbeiter fördern und als Arbeitgeber attraktiv bleiben möchten, sollten sie gegenüber ihren Beschäftigten mehr Loyalität vermitteln und die vertrauensvolle Zusammenarbeit quer durch die Hierarchieebenen gezielt fördern“, resümiert Schröder.

Wunsch und Wirklichkeit

Durchschnittlich 12,1 Tage haben die Befragten nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr krankheitsbedingt am Arbeitsplatz gefehlt. Passten der eigene Anspruch an „das Sinnerleben im Beruf“ und die Wirklichkeit in der Wahrnehmung des Beschäftigten gut zueinander, berichten sie nur von 9,4 krankheitsbedingten Fehltagen.

Unterscheiden sich aber Wunsch und Wirklichkeit stark voneinander, liegen die Zeiten mit 19,6 Fehltagen mehr als doppelt so hoch. Dieser Zusammenhang zeige sich auch bei den jobbedingten körperlichen und psychischen Beschwerden.

Im Durchschnitt berichten 38,1 Prozent der Befragten über Rücken- und Gelenkschmerzen, 35,9 Prozent über Erschöpfung. Empfinden Beschäftigte ihre Arbeit als sinnstiftend, werden alle Beschwerden seltener genannt. Sei das nicht der Fall, berichten 54,1 Prozent über Rücken- und Gelenkschmerzen und 56,5 Prozent über Erschöpfung.

Unterschiede gebe es laut der WIdO-Befragung auch bei der Anwesenheit am Arbeitsplatz trotz Krankheit, dem sogenannten Präsentismus: Mehr als jeder fünfte Befragte ist entgegen dem Rat des Arztes im letzten Jahr krank zur Arbeit gegangen. Wer seine Arbeit sinnstiftend finde, sei jedoch seltener betroffen (18,5 Prozent) als Beschäftigte, bei denen das nicht der Fall ist(24,8 Prozent).

„Pflegekräfte haben ein hohes Ansehen in der Gesellschaft und bewerten ihre Arbeit auch selbst als gesellschaftlich relevant. Ihr Arbeitsalltag ist jedoch häufig geprägt von Zeitdruck und nicht verlässlichen Arbeitszeiten“, berichtet Martin Litsch, Vorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Die hohe Belastung zeige sich auch am Krankenstand der Pflegekräfte, der mit 6,8 Prozent deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 5,3 Prozent liege.

„Dabei ist es mit Blick auf den Fachkräftemangel in der Pflegebranche besonders wichtig, dass Pflegekräfte gesund bleiben und ihren Beruf lange ausüben können“, fügt Litsch hinzu. Dazu beitragen soll auch die betriebliche Gesundheitsförderung.

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