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Unterricht: Sprachkurse für Flüchtlinge in der Diskussion

Für viele junge Flüchtlinge bilden die intensiven Deutschklassen ein Sprungbrett in eine Ausbildung. Doch es könnte besser laufen, sagen Kritiker.
Deutschkurse für Flüchtlinge Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Hessen sieht Fortschritte bei der Sprachförderung für junge Flüchtlinge und andere Zuwanderer.
Limburg. 

Mohammad Jafar Razayi hat es schon weit gebracht. Vor drei Jahren floh der heute 21-Jährige aus Afghanistan nach Deutschland – und jetzt steht er im ersten Ausbildungsjahr für den Kfz-Mechatroniker. Einen Beruf will auch die 18-jährige Marian Ahmed Sheikh bald lernen, an der Berufsfachschule möchte sie sich zur Gesundheits- und Krankenpflegehelferin ausbilden lassen. Zuvor will die junge Frau, die vor zwei Jahren aus Somalia nach Limburg kam, noch ihren InteA-Kurs abschließen und den Hauptschulabschluss ablegen.

InteA steht für Integration durch Anschluss und Abschluss. Diese Intensivklassen, in denen jugendliche Flüchtlinge zwei Jahre lang Deutsch lernen und auf den Hauptschulabschluss vorbereitet werden, standen am Mittwoch im Mittelpunkt des achten hessischen Asylkonvents. Politiker und Vertreter von gesellschaftlichen und religiösen Gruppen trafen sich in der Adolf-Reichwein-Schule in Limburg, um über Sprachförderung in der Schule zu sprechen.

Praktikumsplätze gesucht

Im Herbst 2017 haben laut Landesregierung rund 1600 junge Leute nach der Sprachförderung einen Ausbildungsvertrag oder einen Vertrag zur Einstiegsqualifizierung (sozialversicherungspflichtiges Praktikum) mit einem Unternehmen geschlossen. Das sei „ein großer Erfolg für die jungen Leute, für Hessen und für die Wirtschaft“, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Mittwoch und rief zugleich Handwerker und andere Unternehmer auf, Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen. „Der Praktikant vom Mai 2018 kann im Herbst ein Auszubildender werden und dann im Jahr 2021 eine Fachkraft sein“, sagte Al-Wazir.

Auch Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sieht die Sprachförderung „auf einem guten Weg“ und hob die InteA-Klassen hervor, die derzeit von rund 6100 jungen Menschen besucht würden. Doch während auch der Limburger Schulleiter Ralf Abel die Intensivklassen als „genau das, was wir brauchen“ lobte, gibt es Kritik von der oppositionellen SPD und der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). 422 von 2200 InteA-Schülern hatten im Sommer 2017 den Hauptschulabschluss geschafft. Das sei „nur ein Bruchteil“, kritisierte Christoph Degen (SPD). Verantwortlich dafür seien „mangelhafte Rahmenbedingungen“ und zu wenig Ressourcen. So sei „die Beschulungszeit viel zu kurz“. Auch die GEW bemängelt die Rahmenbedingungen: zuviele Schüler (20), zu wenige Stunden pro Woche (28), zu wenig sozialpädagogische Unterstützung. Zudem könnten ihrer Ansicht nach mehr InteA-Schüler einen Abschluss machen, wenn die Intensivklassen den Bildungsgängen zur Berufsvorbereitung gleichgestellt würden und somit auch interne und nicht nur externe Abschlussprüfungen möglich wären.

Kultusminister Lorz widersprach der Kritik, es gebe zu wenige Abschlüsse: InteA sei in erster Linie ein Sprachförderprogramm.

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