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Stararchitekt zeigt saniertes Palmengarten-Gesellschaftshaus

Der Auftritt mit Stararchitekt Chipperfield im sanierten Palmengarten-Gesellschaftshaus lag der scheidenden Frankfurter OB am Herzen. Gemeinsam stellten sie in Roths letzter Arbeitswoche das Glanzstück der Öffentlichkeit vor - Eröffnung ist im Herbst.

Frankfurt. 

Der britische Stararchitekt David Chipperfield hat einem geschichtsträchtigen Frankfurter Publikumsliebling neuen Glanz verliehen. Das seit zehn Jahren geschlossene denkmalgeschützte Palmengarten-Gesellschaftshaus soll im Herbst nach umfangreicher Sanierung wieder öffentlich genutzt werden. Generationen von Frankfurtern haben in dem mehrfach umgestalteten Bau aus dem Jahr 1871 mit dem Martin-Elsaesser-Anbau von 1929 besondere Momente erlebt: Vom Abschlussball über Vereins- und Karnevalssitzungen bis zu Hochzeiten.

«Alles was mich zur Frankfurterin gemacht hat, hat hier stattgefunden», bekannte so auch die scheidende Oberbürgermeisterin und Bremerin Petra Roth (CDU) am Dienstag in ihrer letzten Arbeitswoche. Da sie in ihrer Amtszeit das komplett fertige Haus den Frankfurter nicht mehr zurückgeben kann, lud sie zu einer Vorbesichtigung mit Chipperfield - Kurator bei der Architektur-Biennale in Venedig - in den Palmengarten.

Im Stile des Historismus errichtete Friedrich Kayser das repräsentative Gebäude mit dem angrenzenden Stahl-Glas-Gewächshaus. Mittelpunkt ist der reich ausgestattete Festsaal mit Galerie, angrenzenden Bankettsälen und Blick auf das Palmenhaus. Ein Feuer zerstörte das Gebäude bereits sieben Jahre nach dem Bau; Architekt Ludwig Neher (1850-1916/Senckenbergmuseum) gestaltete es Ende des 19. Jahrhunderts schließlich neu.

Martin Elsaesser und Ernst May bauten den Südflügel Ende der 1920er Jahre im Stil der Klassischen Moderne um. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Westflügel beschädigt und in den 1950er Jahren durch einen Neubau ersetzt. Dabei wurden der Saal und die Galerie stark verändert, Säulen abgebaut, das Oberlicht und die Fenster überdeckt, historische Wandbilder verkleidet.

Wegen mehr als 130 Brandschutzauflagen musste das Haus 2002 schließen und 50 Jahre nach dem letzten großen Umbau grundlegend saniert werden. David Chipperfield - der in Berlin nach dem Neuen Museum auch die Neue Nationalgalerie renoviert - gewann noch im selben Jahr den Architektenwettbewerb. Mit dem Umbau konnte vor allem wegen der Kosten für einen Generalunternehmer aber erst 2009 begonnen werden.

Chipperfield und seine Architekten stellten seither die Gestalt des Festsaals im Stil der Neorenaissance wieder her, entfernten Verkleidungen und Abdeckungen und legten die Lichtdecke frei. Sie ließen die abgebauten Säulen und die beiden riesigen Gründerzeit-Kronleuchter mit dem Frankfurter Wappen-Adler nachbauen. Der historische Bestand an den Decken, in die Gemälde von Friedrich von Thiersch (1852-1921/Reichstagsgebäude) eingelassen sind, wurden behutsam gereinigt und lasiert.

«Es ging darum, die verschiedenen Zeitschichten des Gebäudes herauszuschälen und entsprechend der vielfältigen heutigen Anforderungen und Nutzungen zu organisieren», sagte Chipperfield. So wurde etwa der Saal, der rund 700 Menschen fasst, mit moderner Bühnentechnik ausgestattet.

Er habe seine Rolle bei der Rekonstruktion als Wächter verstanden und sei nicht streng wissenschaftlich vorgegangen, sagte Chipperfield. Er habe der Stadt die soziale Funktion dieses einzigartigen Platzes mit seinem fantastischen Garten zurückgeben wollen. So seien absichtlich dezente Farben genutzt worden, um den öffentlichen Festsaal nicht zu grell und alles überscheinen zu lassen. Er habe ihn nicht wie einen Schrein oder ein Museum restaurieren, sondern seine Atmosphäre mit dem Blick ins Palmenhaus zurück bringen wollen.

Das weiße Elsaesser-Treppenhaus wurde in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Der Hochzeitssaal mit seinen charakteristischen gekrümmten Panoramafenstern ist noch im Bau.

Die Kosten - inklusive Neugestaltung des angrenzenden Eingangs zum Palmengarten und der Außenfläche - bezifferte die Stadt auf rund 40 Millionen Euro. Betreiber des Veranstaltungsgebäudes, in dem auch ein kleines Gourmet-Restaurant und ein Café Platz finden sollen, ist danach Johnny Klinke - Gründer und Chef des Varieté-Theaters Tigerpalast.

(dpa)
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