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Airlineverband Barig fordert flexiblere Lösungen am Frankfurter Flughafen: Starre des Nachtflugverbotes in der Kritik: Manchmal wird um Sekunden gefeilscht

Das Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen bleibt eine Dauerbaustelle von Grünen-Verkehrsminister Al-Wazir. Es knirscht weiter bei der Umsetzung der Regelung mit den Fluggesellschaften.
Flughafen Frankfurt am Main Foto: Boris Roessler (dpa) Bei abendlichen Starts kommt es auf jede Sekunde an.
Frankfurt/Wiesbaden. 

Die Umsetzung des Nachtflugverbots am Frankfurter Airport bleibt für die Fluggesellschaften ein großes Ärgernis. Sowohl der Airlineverband Barig als auch die Lufthansa als größte deutsche Fluggesellschaft fordern eine deutlich flexiblere und nicht minutengenaue Auslegung der Regelung des Nachtflugverbots.

„Das Damoklesschwert der starren Stunde darf nicht sein“, sagte Michael Hoppe, Generalsekretär von Barig, der die Interessen von rund 100 nationalen und internationalen Fluggesellschaften vertritt.

„Wenn ein Flugzeug fertig geboardet ist, abrollt und es unterwegs eine kleine Verzögerung etwa durch einen nicht weggeräumten Gegenstand auf der Bahn gibt, dann darf es nicht sein, dass wegen 120 Sekunden das Flugzeug nicht mehr raus kann“, sagte Hoppe der Deutschen Presse-Agentur. Ähnlich äußerte sich ein Lufthansa-Sprecher: Die Flugpläne seien umgestellt und an das Nachtflugverbot angepasst worden. Daher sollten die Maschinen, die vor der Sperrzeit das Gate verlassen haben, auch starten dürfen.

Imageschaden

Die Kosten für voll besetzte und zum Abflug fertiggemachte Langstreckenflüge, die dann aber doch nicht abheben dürfen, können sich auf einen sechsstelligen Betrag belaufen, sagte der Sprecher.

Viel schlimmer als diese Kosten sei aber der Imageschaden für die Lufthansa. Das Frankfurter Drehkreuz werde von vielen Reisenden auch zum Umsteigen benutzt. „Die haben teilweise noch nie etwas von einem Nachtflugverbot gehört“, verdeutlicht Hoppe die Situation. Wenn dann alle Reisenden wieder aus dem Flugzeug aussteigen müssten, „dann ist das den Passagieren kaum vermittelbar“, macht Hoppe deutlich.

Das betonte auch Hoppe: „Es gibt zwar nicht mehr so viele Fälle. Aber wenn es dazu kommt, dann wird um Sekunden gefeilscht.“ Es sei „absolut unvernünftig und irrational“, wenn wegen 120 Sekunden 550 Menschen ins Hotel gebracht, Urlaubspläne zerstört und damit Kosten von einigen 100 000 Euro verursacht würden.

Die Branche habe viel getan, um den politischen Notwendigkeiten beim Nachflugverbot entgegenzukommen. „Deswegen brauchen wir mehr Spielraum und kein dogmatisches Beharren auf Vorschriften. Die Dinge müssen verhältnismäßig sein.“

An Deutschlands größtem Airport gilt von 23.00 bis 05.00 Uhr ein Nachtflugverbot. Seit Ende April 2015 werden zudem Starts und Landungen in den sogenannten Nachtrandstunden zwischen 22.00 Uhr und 23.00 Uhr sowie zwischen 05.00 Uhr und 06.00 Uhr abwechselnd auf verschiedenen Bahnen gebündelt. Das ist allerdings nur bei Westwind möglich.

Die Zahl der verspäteten Starts und Landungen am Frankfurter Flughafen ist im Jahr 2016 wegen zahlreicher heftiger Gewitter und Unwetter im Frühjahr und Sommer derweil kräftig gestiegen. Während des Nachtflugverbots gab es insgesamt 942 Flugbewegungen in der Zeit zwischen 23.00 und 05.00 Uhr.

800 Verspätungen

Mitgezählt sind dabei Vermessungs- und Hilfsflüge, Härtefälle und Sicherheitslandungen. Im Jahr zuvor hatte die Zahl noch bei 710 und im Jahr 2014 bei insgesamt 834 Einzelgenehmigungen gelegen, wie das hessische Verkehrsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden mitteilte.

Gezählt wurden an Deutschlands größtem Airport 342 verspätete Starts und 464 verspätete Landungen im vergangenen Jahr. Dabei wurden nach Angaben von Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) zwei Entwicklungen erkennbar: Noch nie seit der Einführung des Nachtflugverbots am Frankfurter Flughafen im Jahr 2011 gab es in den Wintermonaten Januar, Februar und Dezember so wenige Ausnahmegenehmigungen wie 2016. Insgesamt starteten nur fünf Flugzeuge nach 23.00 Uhr. Im Jahr zuvor waren es noch 45 Verspätungsstarts.

In den Sommermonaten Juni, Juli und August wurden dagegen wegen zahlreicher Sommergewitter und außergewöhnlichen Starkregens deutlich mehr verspätete Starts als in den Vorjahren genehmigt. Insgesamt starteten in diesem Zeitraum 228 Flugzeuge (2015: 77). Die Ausnahmegenehmigungen wurden nach Angaben des Ministers erteilt, weil der Grund der Verspätung außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaften lag.

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