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Studie: Stromnetz verträgt Energiewende

Von Die Energiewende gehört zu den ambitioniertesten Projekten von Hessens Wirtschaftsminister Al-Wazir (Grüne). Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Stromnetz. Nun soll eine Studie helfen, die entscheidenden Weichen für die Zukunft zu stellen.
Windpark Buchenau Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Windräder in Eiterfeld-Buchenau in der Rhön – hier ein Ausblick vom Maschinenhaus einer Anlage vom Typ Vestas V126.
Wiesbaden. 

Drohen uns durch die Energiewende womöglich künftig Engpässe bei der Stromversorgung – etwa weil das bisherige Verteilnetz zu klein ist? Solche Sorgen schwingen oft mit, wenn es um die Umstellung von konventionellem auf Ökostrom geht. Tarek Al-Wazir, zugleich für Energie zuständiger hessischer Wirtschaftsminister, hat darauf eine klare Antwort: Nein. Trotz Rekordausbau bei der Windkraft und neuem Schwung beim Solarstrom werde das vorhandene Strom-Verteilnetz in Hessen in den kommenden beiden Jahrzehnten nicht wesentlich erweitert werden müssen. Über die Verteilernetze werden Haushalte und Unternehmen ans Stromnetz angeschlossen.

Digitalisierung notwendig

Grund für den Optimismus des Grünen-Politikers ist die erste hessische Verteilnetzstudie, die gestern vorgestellt wurde. Dahinter verbirgt sich eine Untersuchung, bei der im Auftrag des Wirtschaftsministeriums beleuchtet wird, in welchem Maße die Stromnetze wegen der Energiewende ausgebaut werden müssten.

Eine der Kernbotschaften der Fachleute, zu denen unter anderem das Fraunhofer Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik in Kassel sowie zehn Verteilnetzbetreiber gehören: Es müssen nicht unbedingt neue Strommasten gebaut werden. Sollte dennoch ein Ausbau notwendig sein, können laut Al-Wazir auch unterirdisch Kabel verlegt werden. Voraussetzung sei allerdings eine Modernisierung bestehender Netze. Gemeint ist damit eine Digitalisierung, ohne die laut Al-Wazir die Energiewende nicht funktioniert.

Insgesamt sind nach Meinung der Studienautoren Investitionen in Höhe von rund einer halben Milliarde Euro bis 2024 und rund einer Milliarde Euro bis 2034 nötig. „Auch wenn wir unseren Strombedarf in Hessen im Jahr 2034 zu 56 Prozent aus erneuerbaren Energien decken, wird der damit verbundene Netzausbau rechnerisch jedes Jahr höchstens zwölf Euro pro Einwohner kosten. Das mache pro Monat etwa ein Euro.

„Mikroskopische Schritte“

Generell wird sich laut der Studie das Energieszenario in Hessen künftig deutlich verändern. „Die Einspeisung aus erneuerbaren Energieerzeugungsanlagen wird wesentlich zunehmen, wobei Windenergie und Photovoltaik die Treiber für diese Entwicklung sein werden“, sagen die Fachleute.

„Mittelfristig werden immer mehr Elektrofahrzeuge und elektrisch betriebene Wärmepumpen das Netz beanspruchen“, meint dazu Al-Wazir. Mit der Studie könne man nun erstmals abschätzen, was das für die Verteilnetze bedeutet. Nur so ließen sich die erforderlichen Investitionen sinnvoll planen.

Kritik kommt von der Opposition im Landtag. Die SPD habe seit Jahren eine solche Studie eingefordert, sagte Stephan Grüger. Rheinland-Pfalz habe bereits vor vier Jahren ein entsprechendes Papier vorgelegt. Durch die Energiewende ändern sich laut Grüger die Anforderungen insbesondere an die regionalen Verteilnetze. Von deren Betreibern müsse die Flexibilität der Stromnetze organisiert werden

„Es geht nur in mikroskopisch kleinen Schritten voran“, sagt René Rock (FDP). In Hessen seien nur 0,05 Prozent des Stromverteilnetzes ausgebaut. Nach Fukushima sei der Bau zahlreicher Stromleitungen geplant worden. „Keines der acht durch Hessen verlaufenden Bundesbedarfsplanprojekte ist bisher genehmigt“, bemängelt Rock. Es räche sich, dass Al-Wazir die Energiepolitik auf den Bau von Windkraftanlagen verkürzt. Schon heute werde ein erheblicher Teil des subventionierten Windstroms im Ausland entsorgt, weil die Windstromproduktion am Bedarf vorbeigehe und Stromleitungen fehlten.

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