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Beispielhafte Landschaft: Studie soll Machbarkeit von neuer Biosphärenregion im Rheingau-Taunus prüfen

Befürworter erhoffen sich Naturschutz und Tourismus, Skeptiker befürchten wirtschaftliche Einschränkungen – das alles soll nach Willen von SPD und Grünen in einer Machbarkeitsstudie für ein Biosphärenreservat Wiesbaden, Rheingau-Taunus, Mainspitze geprüft werden.
Vorbereitungen Landesgartenschau 2018 in Bad Schwalbach Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Ortsschild von Bad Schwalbach: Aus Rheingau und Taunus wird womöglich das erste urbane Unesco-Reservat Deutschlands.
Wiesbaden. 

Weinbau und Rheinromantik, unberührte Wälder und Flussauen, Weideland und Landwirtschaft, Mineralquellen und Kurbäder – so hat Ursula Hammann (Grüne) am Donnerstag im Landtag eine mögliche Biosphärenregion beschrieben, die Wiesbaden, Rheingau-Taunus und die Mainspitze umfassen würde.

Diskutiert wird darüber in Wiesbaden, dem Rheingau-Taunus-Kreis und dem Main-Taunus-Kreis schon seit einigen Jahren. Nun fordern die Grünen die Landesregierung auf, eine „ergebnisoffene Machbarkeitsstudie“ in die Wege zu leiten, in der Voraussetzungen und Bedingungen für einen solche Region geprüft werden sollen – aber nur mit der Zustimmung Wiesbadens und der beiden Kreise, wie Hamman am Donnerstag betonte.

Natur und Land

Die Befürworter versprechen sich von einer solchen Modellregion den Schutz von Natur und Landschaft, eine nachhaltige Entwicklung zum Beispiel bei Energie und Verkehr in der Metropolregion, finanzielle Förderung und auch einen Schub für den Tourismus. Skeptiker, darunter Bauern, Winzer und Förster, befürchten Einschränkungen für ihre Arbeit. Solchen „Hoffnungen und Befürchtungen begegnet man am besten mit Fakten“, sagte Petra Müller-Klepper (CDU) und befürwortete eine Machbarkeitsstudie. Zwar gibt es in Deutschland bereits 17 Biosphärenreservate – die Grünen sprechen von Regionen. Doch eine mögliche Region um Wiesbaden herum „wäre das einzige urban geprägte Biosphärengebiet in Deutschland, auch weltweit gibt es nur drei solche Gebiete im Zusammenhang mit Metropolregionen“, sagte Hammann.

669 Regionen in 120 Staaten

Die Unesco hat 1970 das Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ zum Schutz der natürlichen Ressourcen gegründet. Ziel ist der Aufbau eines umspannenden Systems von Biosphärenreservaten, die modellhaft

clearing

In der Diskussion sind rund 100 000 Hektar zwischen Lorch und Eppstein/Hofheim, Idstein und Rhein. Bestandteile wären eine Kernzone von drei Prozent der Fläche und eine etwa 20 Prozent große Pflegezone.

Ausgewogene Beziehung

Dabei gehe es nicht darum, „einer Region eine Käseglocke überzustülpen, in der nichts mehr verändert werden darf“, betonte Hamman. Es gehe um „nachhaltige Entwicklung im Einklang von Ökologie, Ökonomie und sozialer, kultureller Umwelt“. Die Unesco-Biosphärenreservate oder -regionen sollten „eine ausgewogene Beziehung zwischen Menschen und Biosphäre fördern“.

Inhaltlich hatten SPD und Linke an einer Machbarkeitsstudie nichts auszusetzen. SPD-Mann Marius Weiß sprach aber von „einem Schaufensterantrag“, weil die Landesregierung die Studie schon vor wenigen Tagen in Auftrag gegeben habe. Dem widersprach Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) entschieden: Derzeit liefen Gespräche für ein Interessenbekundungsverfahren, über einen Antrag für die Machbarkeitsstudie sei bisher nicht entschieden worden. Das tat auch der Landtag am Donnerstag noch nicht, er verwies den Antrag in den zuständigen Ausschuss.

Zudem solle auch erreicht werden, dass der Main-Taunus-Kreis mit einer Machbarkeitsstudie einverstanden sei, sagte Hinz. Die Stadt Wiesbaden und der Rheingau-Taunus-Kreis hätten bereits zugestimmt. „Die Idee muss in der Region verankert sein“, sagte die Umweltministerin und kündigte ein transparentes Vorgehen sowie einen breit angelegten Beteiligungsprozess für alle Betroffenen an. Noch stehe der Prozess aber ganz am Anfang. Nach Ansicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) würde eine solche Metropolregion in drei Bereichen neue Impulse auslösen: Schutz und Entwicklung der Kulturlandschaften, Sicherung der biologischen Vielfalt und die „Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe“, des Nahverkehrs und regionaler Unternehmensbeziehungen.

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