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Kriminalität: Tatort Krankenhaus: Rund 3000 Straftaten gibt es jedes Jahr in hessischen Kliniken

Von Im Krankenhaus sind Patienten nicht immer sicher. Für Kriminelle seien Kliniken Ziele, die "offen und verwundbar" seien, sagen Sicherheitsexperten. Von ihren Opfern haben die Täter wenig Gegenwehr zu erwarten. Manchmal kommt es sogar zu Gewalttaten. Die Kliniken haben reagiert.
Symbolbild Symbolbild
Frankfurt. 

Es ist eine Horrorvorstellung: Man liegt im Krankenhaus, ist nach einer Operation dringend erholungsbedürftig – und wird ausgeraubt oder gar angegriffen.

Das kann leider durchaus passieren und kommt relativ oft vor. Rund 3000 Straftaten ereignen sich jedes Jahr in hessischen Krankenhäusern. Prinzipiell kann es jeden Patienten treffen. Denn Krankenhäuser sind kaum überwacht. Der Frankfurter Sicherheitsexperte Klaus-Dieter Matschke bezeichnet sie als „weiches Ziel“.

Patrick Liesching, Landeschef des Opferverbands „Weißer Ring“ in Hessen, bestätigt: Krankenhäuser seien aufgrund ihrer hohen Besucherfrequenz für Straftäter fast ein idealer Platz, um Beute zu machen. Zumal sich die „vermindert abwehrbereiten Patienten“ kaum wehren könnten. Bei den rund 3000 Strafdelikten liegen die Diebstähle bei den Straftaten ganz weit vorn, gefolgt von Gewaltdelikten wie zum Beispiel Körperverletzungen.

Aber auch schwere Straftaten wie Tötungsdelikte und Sexualverbrechen weist die polizeiliche Statistik auf. Bundesweit Schlagzeilen machte der Fall eines Ex-Patienten, der in der Berliner Charité seinen behandelnden Arzt erschoss.

Aggressive Besucher

Für Frank Steibli, Sprecher des Klinikums Gießen-Marburg, ist Aggression im Krankenhaus beileibe kein neues Thema. „Wir haben regelmäßig Besucher in unseren Kliniken, die aggressiv und beleidigend gegenüber unserem Personal werden. Das ist in den letzten Jahren immer mehr geworden“, sagt Steibli. In solchen Eskalations-Situationen, so der Kliniksprecher, trete dann der hausinterne Sicherheitsdienst auf den Plan und „kümmere“ sich um aggressive Personen. Notfalls werde auch die Polizei alarmiert.

Als Handwerker getarnt

Apropos Polizei: Zu den Sicherheitsbehörden pflege das Klinikum „einen sehr engen Draht“, berichtet Steibli. Da Diebstähle eine relevante Größe bei den Straftaten darstellten, mache eine Kooperation mit der Polizei durchaus Sinn.

Denn die mitunter organisierten Diebesbanden gingen sehr gezielt vor. Sie „tarnten“ sich vielfach nicht als harmloser „Besucher“, sondern gingen in Handwerkerkluft auf Diebestour im Krankenhaus.

Steibli ist sich darüber im Klaren, dass eine Klinik nicht wie ein Flughafen gesichert werden kann. „Wir können nicht jeden Tag im Ausnahmezustand unsere Arbeit tun“, fasst er das Dilemma zusammen. Dennoch unternehme das Klinikum viel, um die Sicherheit im Krankenhaus zu gewährleisten. So gebe es in wichtigen Bereichen der Klinik, wie zum Beispiel der Intensivstation, Türen mit Sicherheitscodes. „In diese speziellen Räumlichkeiten kommt nicht jeder rein“, sagt Steibli. Um Kriminellen das Leben schwer zu machen, werde das Personal regelmäßig sensibilisiert, damit diese auf verdächtige Personen aufmerksam werden.

Wenn es um das Thema Sicherheit geht, halten sich die Verantwortlichen des Frankfurter Uniklinikums (UKF) dagegen eher bedeckt. So führe das UKF „keine Statistik“ über Straftaten im Krankenhaus.

„Das Haus hält sich an die Vorgabe der Frankfurter Polizei, diese bei Bedarf unverzüglich einzuschalten“, sagt eine UKF-Sprecherin auf Anfrage dieser Zeitung.

Darüber hinaus verfüge das UKF aber über einen permanenten Sicherheitsdienst.

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