Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Neues Kompetenzzentrum in Gießen: Telemedizin: Internet und Bildschirm als Arzthelfer

Von Telemedizin, Internet und elektronische Anwendungen: Auch in der Gesundheitsversorgung wächst die Bedeutung neuer Medien. Das gilt erst recht für Zeiten des Ärztemangels auf dem Lande und einer wachsenden Zahl älterer Patienten, die nicht mehr so mobil sind. Hessen baut die sogenannte E-Health aus.
Hessische E-Health-Initiative Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Jörg Blau, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Main-Taunus-Kreis, hat in Hofheim ein Eingabegerät für die IT-Applikation „Interdisziplinärer Versorgungsnachweis“ in der Hand. In dem System können Rettungsdienste sofort freie Kapazitäten in umliegenden Krankenhäusern einsehen.
Wiesbaden. 

Der an der chronischen Lungenkrankheit COPD leidende Patient kann nach der akuten medizinischen Versorgung im Krankenhaus wieder nach Hause zurückkehren. Damit seine Genesung voranschreitet, muss er dort aber täglich Übungen machen, die seine Atemfunktion verbessern. Dabei hilft ihm der mit einer speziellen Gesundheitssoftware ausgerüstete Bildschirm. Zeigt der an, dass er bei den Übungen mit den Armen im roten Bereich ist, muss er diese weiter ausstrecken, damit die Lungenflügel entsprechend geöffnet werden. Geht es ihm schlecht, kann er über das Internet auch direkt mit dem Lungenfacharzt Kontakt aufnehmen: Das in Gießen laufende Pilotprojekt ist nur ein Beispiel für die sinnvolle Nutzung von Telemedizin und E-Health (elektronische Anwendungen für Gesundheitszwecke).

Forschung für Patienten

In Zeiten des Ärztemangels auf dem Lande, aber auch mangelnder Mobilität der immer älter werdenden Menschen hält der hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) den Ausbau entsprechender Möglichkeiten für unabdingbar. In Wiesbaden hat er deshalb gestern eine Vereinbarung mit den Präsidenten der Gießener Justus-Liebig-Universität und der Technischen Hochschule Mittelhessen unterzeichnet. Sie sieht den Aufbau eines Hessischen Kompetenzzentrums für Telemedizin und für E-Health mit mehr als 60 Wissenschaftlern beider Hochschulen in Gießen vor. Diese sollen erforschen, wie und in welchen Bereichen das Internet den Patienten in Zukunft noch besser helfen kann.

Zentrum bündelt viele Initiativen

  Das Kompetenzzentrum für Telemedizin und E-Health in Gießen wird vom Land Hessen gemeinsam mit der Justus-Liebig-Universität und der Technischen Hochschule Mittelhessen getragen.

clearing

„Moderne Kommunikationstechnologien werden eine entscheidende Rolle bei der Sicherstellung einer weiterhin wohnortnahen, medizinisch hochwertigen Versorgung der Zukunft spielen“, zeigt sich der Minister überzeugt. Noch in dieser Woche soll das mit einem Modellversuch im Landkreis Gießen weitere konkrete Formen annehmen. Dort soll ein speziell ausgestatteter Krankenwagen ermöglichen, dass die Rettungssanitäter schon unterwegs wichtige Untersuchungen etwa per Ultraschall vornehmen können. Die Bilder werden dabei über das Internet zeitgleich ins Krankenhaus übertragen und dort von den Fachärzten gelesen und ausgewertet. Der Patient kann so schon bei der Ankunft in der Klinik entsprechend versorgt und behandelt werden.

Direkt zur richtigen Klinik

Eine andere wichtige Anwendung ist bereits seit 2014 im Einsatz: „Interdisziplinärer Versorgungungsnachweis“ oder abgekürzt Ivena heißt die in Hessen entwickelte IT-Applikation, die im Rettungsdienst zum Einsatz kommt. Damit wird im Krankenwagen angezeigt, welches Krankenhaus sowohl freie Kapazitäten hat als auch die nötige Kompetenz zur Behandlung der in dem Fall akuten Beschwerden. Die Sanitäter können so ganz gezielt und ohne Zeitverlust die richtige Klinik anfahren.

Und schließlich gibt es seit zwei Jahren in Nordhessen das sogenannte „Neuro-Netz Mitte“, das neun dort ansässige Kliniken ohne neurologische Abteilung per Telemedizin mit der Neurologie des Klinikums Kassel vernetzt, um bei Schlaganfällen schnelle und sachgerechte Hilfe leisten zu können.

Umstrittener ist ein weiterer Mosaikstein der Telemedizin, den Grüttner aber ebenfalls für sehr wichtig hält: Die Fortentwicklung einer bundesweit kompatiblen elektronischen Fall- und Patientenakte, mit der die Daten mühelos zwischen Haus- und Fachärzten sowie Krankenhäusern ausgetauscht werden können. Wie die damit verbundenen Datenschutzfragen gelöst werden, könnte ebenfalls das neue Kompetenzzentrum in Gießen beschäftigen. Der Minister und die Präsidenten von Uni und TH, Joybrato Mukherjee und Matthias Willems, heben hervor, dass die dort tätigen Wissenschaftler unabhängig arbeiten und nicht von Interessen der Firmen, Kliniken oder Ärzteverbände geleitet werden.

Es soll allein um das Wohl des Patienten gehen. Grüttner räumt aber ein, dass auch Wirtschaftlichkeit ein Aspekt ist: Wenn mit Hilfe des Datenaustauschs unnötige Doppeluntersuchungen vermieden werden, spart das auch Geld.

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse