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Umwelt: Umstrittenes Ökosiegel für Staatswald

Das neue Ökosiegel für Hessens Staatswald stößt nicht bei allen Förstern auf große Begeisterung. Während Umweltministerin Hinz von den Grünen langfristig sogar mit größeren Gewinnchancen bei der Bewirtschaftung rechnet, warnen Praktiker vor den Folgen.
Ökosiegel für den Staatswald Foto: Andreas Arnold (dpa) Hubertus Behler-Sander, Bereichsleiter beim Forstamt Königstein, steht neben dem FSC-Siegel im Wald.
Wiesbaden. 

Forstamtsleiter Ulrich Kreuzer hat zu dem neuen FSC-Ökosiegel für den hessischen Staatswald eine geteilte Meinung. In seinem Forstamt in Bad Schwalbach sind zwar lediglich 1800 Hektar von insgesamt 15 500 Hektar Wald von der neuen Regelung betroffen, die bis Ende Juli landesweit umgesetzt werden muss. „Die Forstwirtschaft bei uns und in ganz Hessen ist aber schon seit vielen Jahren sorgsam auf Nachhaltigkeit ausgerichtet“, versichert Kreuzer, der das Forstamt im Rheingau-Taunus-Kreis erst vor wenigen Monaten übernommen hat. Aus forstwirtschaftlicher Sicht sei das neue Siegel daher nicht zwingend notwendig.

Mehr Laubbäume

Nahezu der gesamte Staatswald in Hessen mit einer Fläche von rund 341 000 Hektar soll nach den Plänen von Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) nach dem Umweltstandard FSC zertifiziert werden. Das entspricht rund 38 Prozent des gesamten Waldes im Land. Nur das Forstamt Groß-Gerau ist nach Angaben des Umweltministeriums ausgenommen. Von den 41 hessischen Forstämtern hat bislang die Hälfte dieses Ökosiegel, die andere Hälfte muss bis Ende Juli liefern.

Zehn Prozent der gesamten Staatswaldfläche müssen nach den Standards des „Forest Stewardship Council“ künftig stillgelegt und als Naturwald ausgewiesen werden. Der Einsatz von Pflanzenschutzmittel ist dann tabu. Nur noch in speziellen Einzelfällen und nach Genehmigung durch die Behörden ist ein dosierter Einsatz erlaubt. Zudem soll bei einer Verjüngung des Waldes Laubholz vor dem Nadelholz der Vorzug gegeben werden.

Gerade der Bestand der Douglasie, die wegen ihrer sehr guten Wuchseigenschaften speziell vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung und geringeren Niederschlägen bei den Forstämtern sehr beliebt ist, müsse deswegen zurückgefahren werden, bedauert Forstamtsleiter Kreuzer. Außerdem sei der Kampf gegen den sich schnell ausbreitenden Borkenkäfer ohne Pflanzenschutzmittel problematisch.

Widerstandsfähiger

Die Umweltministerin verspricht sich durch die Zertifizierung dagegen, dass der Wald widerstandsfähiger gegen Auswirkungen des Klimawandels und Schädlingsbefalls wird. Die Lebensräume von Tier- und Pflanzenarten würden besser geschützt sowie das Grund- und Trinkwasser verbessert. Das Land nimmt 2,2 Millionen Euro als Kompensation für das Nichtbewirtschaften der stillgelegten Flächen in die Hand. Ab dem Jahr 2020 sollen die Mittel im Landeshaushalt bereitgestellt werden.

Am 31. Juli will Ministerin Hinz offiziell verkünden, dass der gesamte hessische Staatswald nach dem Umweltstandard FSC zertifiziert ist. Gastgeber für diese Veranstaltung wird das Forstamt Wiesbaden-Chausseehaus sein. Das Forstamt nahe der Landeshauptstadt hat selbst eine Fläche von 14 500 Hektar Wald, der Staatswaldanteil beläuft sich auf 3800 Hektar.

Im April hat Forstamtsleiter Ralf Bördner die notwendigen Unterlagen abgegeben. Bad Schwalbach hat das Verfahren bereits hinter sich und einige Kernflächen ausgewiesen, bekommt aber jetzt in der Schlussphase weitere 200 Hektar stillgelegt.

Bördner kennt die teils kritische Haltung seiner Kollegen zu dem neuen Ökosiegel. Der Forstamtsleiter selbst stellt sich aber ohne Wenn und Aber hinter die neuen Regeln: Ein Qualitätsmanagement mit Zertifizierungen gebe es bereits in vielfältigsten Bereichen wie etwa im Gesundheitswesen, der technischen Produktion oder in der Dienstleistungsbranche. „Das wird vom Markt und den Kunden einfach erwartet. Wir stehen den Dingen offen gegenüber.“

Weniger wohlwollend beurteilt die Opposition im hessischen Landtag die Initiative der Umweltministerin. Der Verlust von Arbeitsplätzen und erhebliche finanzielle Belastungen für die Forstämter werden befürchtet. Kritik gibt es außerdem, dass die deutschen Standards für eine nachhaltige Waldwirtschaft im Ausland nicht ähnlich hoch sind - trotz eines FSC-Siegels.

Insgesamt umfasst die Waldfläche in Hessen rund 894 000 Hektar. Etwa 38 davon sind Staatswald, 35 Prozent sogenannter Körperschaftswald. Dieser verteilt sich auf 418 Gemeinden und Städte im Land. Ein Viertel der Waldfläche in Hessen ist Privatwald.

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