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Erfinderisch: Umweltministerium zeichnet Klimaschutz-Projekte aus

Wärme aus dem Eiskeller, Zuschüsse auch für kleinste Photovoltaikanlagen, kostenloses Parken für Elektro-Autos – hessische Städte sind zunehmend erfinderisch, wenn es um den Schutz des Klimas geht.
Symbolbild Symbolbild
Wärme aus dem Eiskeller, Zuschüsse auch für kleinste Photovoltaikanlagen, kostenloses Parken für Elektro-Autos – hessische Städte sind zunehmend erfinderisch, wenn es um den Schutz des Klimas geht. Das Umweltministerium in Wiesbaden unter Ministerin Priska Hinz (Grüne) zeichnete jetzt neun Projekte aus und empfahl sie anderen Kommunen zur Nachahmung. Drei Aktionen stellen wir hier vor. Der Hessische Städtetag forderte zugleich mehr Geld vom Land Hessen für Busse und Bahnen.

„Nachahmung erwünscht“, sei in diesem Fall die Devise, sagte Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) am Mittwoch in Frankfurt. Unter dem Motto „So machen wir’s“ hatte das Umweltministerium einen Wettbewerb unter den 173 „Klimakommunen“ ausgeschrieben. Nun wurden am Mittwoch neun Städte und Landkreise für ihre Projekte zum Klimaschutz ausgezeichnet, zusammen gab es 60 000 Euro.

Die Preisverleihung bildete den Auftakt zur ersten hessischen Konferenz „Klima kommunal“. Während sich in Bonn Politiker und Fachleute aus aller Welt darüber streiten, wie das Klima geschützt werden kann, informierten sich am Mittwoch in Frankfurt hessische Kommunalvertreter darüber, was sie tun können, um bis 2050 klimaneutral zu handeln und so keine für die Atmosphäre schädlichen Treibhausgase mehr freizusetzen. Denn Ziel des hessischen Klimaschutzplans ist ein klimaneutrales Bundesland bis 2050.

Tatsächlich hätten die Kommunen beim Klimaschutz recht großen Raum für Kreativität, sagte der Präsident des Hessischen Städtetags Jürgen Dieter. Schwierig sei aber der Kampf gegen schmutzige Luft in den Städten: Die Vorgaben für saubere Luft basierten auch auf den Abgasnormen. „Wenn die Autoindustrie die Normen nicht einhält, sind wir nicht in der Lage, das zu ändern“, sagte Dieter. Derzeit laufen mehrere Klagen von Umweltschutzorganisationen gegen hessische Städte.
 Dieter nutze die Gelegenheit, um eine Beteiligung des Landes am Öffentlichen Personennahverkehr anzumahnen: Bisher trage das Land „nahezu nichts“ bei, obwohl Busse und Bahnen die Kommunen in den kommenden Jahren „kräftig Geld kosten werden“, sagte Dieter.

Ausgezeichnet wurden in der Kategorie Klimaschutz der Landkreis Marburg-Biedenkopf für die „Bürgerprojekte Klimaschutz“, Bad Hersfeld mit der Kampagne „Bad Hersfeld saniert sich – die Altbaukampagne“, „Elektromobilität in Offenbach“ sowie Schotten mit „Heizzentrale am Vulkaneum und Nahwärmenetz“ und Friedrichsdorf mit der Ökosiedlung. In der Kategorie Klimaanpassung sind Bad Hersfeld mit der „Renaturierung der Fuldaaue, Haune und Geis“ sowie Bensheim mit seinem „Förderprogramm Klimaschutz“ dabei. Sonderpreise für eine herausragende interkommunale Zusammenarbeit erhalten Frankfurt für das „Regionale Energiekonzept FrankfurtRheinMain“ und der Rheingau-Taunus-Kreis für „Erneuerbare Energien Rheingau-Taunus GmbH“.

Geld für grüne Fassaden in Bensheim

Das begrünte Dach eines der Öko-Häuser des Architekten Frei Otto ist am 15.05.2015 in der Berliner Innenstadt zu sehen.Die Berliner Grünen wollen als nachhaltigen Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas und der Regenwassernutzung mithilfe einer "Gründachstrategie" 1000 grüne Dächer in Berlin schaffen. Foto: Stephanie Pilick/dpa (zu dpa "«1000 Grüne Dächer» für Berlin - Grüne wollen Stadtklima verbessern" am 17.05.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Eine Viertelmillion Euro hat die Stadt Bensheim eingesetzt und so erreicht, dass Privatleute rund 6,2 Millionen Euro für den Klimaschutz investiert und somit rund 1,4 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart haben. Diese Bilanz zieht Finanzdezernent Adil Oyan (Grüne) nach zehn Jahren „Förderprogramm Klimaschutz“ in der Kommune an der Bergstraße.

Wer sein Dach dämmen, seine Heizung erneuern, eine Photovoltaikanlage anbringen oder seine Fassade begrünen wollte, konnte auf einen Zuschuss der Kommune mit knapp 50 000 Einwohnern hoffen - 300 Anträge seien bewilligt worden, sagt Oyan. Dafür gab es nun die Auszeichnung in der Kategorie Klimaanpassung. Die Kommune weist auch auf eine „soziale Komponente“ hin: Auch sehr kleine Photovoltaikanlagen würden mit relativ hohen Beträgen gefördert, so dass sich auch Mieter und Wohnungseigentümer ohne eigens Haus an der lokalen Energiewende beteiligen könnten.

Auch die 7500 Euro Preisgeld sollen Menschen mit wenig Geld zugute kommen, sagt Oyan: Wer eine konventionelle Glühbirne ins Rathaus bringt, bekommt dafür kostenlos eine energiesparende LED-Leuchte.

Kostenloses Parken für E-Autos in Offenbach

ARCHIV - Ein Elektroauto wird am 05.03.2012 in Halle (Saale, Sachsen-Anhalt) mit einem Stromkabel an einer Ladesäule mit Ökostrom geladen. Foto: Jan Woitas/dpa (zu dpa "Debatte über E-Mobilität in Deutschland" vom 02.02.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Wer sich in Offenbach mit einem Elektroauto auf einen städtischen Parkplatz stellt, muss keine Parkgebühren zahlen. Das ist nur ein kleiner Teil des Programms „eMiO - Elektromobilät in Offenbach“, für das die Stadt in der Kategorie Klimaschutz ausgezeichnet wurde.

Seit 2010 sei es gelungen, mit Offenbacher Unternehmen, Freiberuflern und Sozialverbänden 40 Elektrofahrzeuge, vom Kleinwagen bis zum Transporter, auf die Straße zu bringen, heißt es in der Projektbeschreibung. Insgesamt seien in Offenbach 78 Elektrofahrzeuge zugelassen. Auch die Mitarbeiter der Stadt nutzen batteriebetriebene Autos und Fahrräder.

Hinzu kommen fünf, demnächst sechs, Stationen, an denen jeder ein E-Autos oder E-Rad mieten kann. Elektromobilität sei für Offenbach „ein wesentlicher Baustein zur Reduzierung von Umwelt-, Luft- und Lärmbelastungen“, sagt Heike Hollerbach, Leiterin des Umweltamtes.

Zudem testeten die Offenbacher neue Einsatzmöglichkeiten: Bereits 2011 einen Elektro-Linienbus, später ein Hybrid-Müllsammelfahrzeug und ein elektro-unterstütztes Lastenfahrrad, mit dem in der Innenstadt Pakete zugestellt werden können.

Ökosiedlung für 700 Menschen in Friedrichsdorf

So sollen die Gartenstadthäuser der Ökosiedlung aussehen. Friedrichsdorf.
Am Dienstag feierte die Stadt den ersten Baggerbiss, am Mittwoch gab es den Preis in der Kategorie Klimaschutz: Mit der Ökosiedlung will Friedrichsdorf rund 700 Menschen in 350 Wohnungen und Häusern ermöglichen, klimafreundlich zu wohnen. Bisher leben rund 25 000 Menschen in der Taunuskommune. Im ersten Bauabschnitt werden 67 sogenannte Gartenstadthäuser gebaut. Berücksichtigt worden seien neben ökologischen auch soziale, ökonomische und städtebauliche Aspekte, sagt Jörg Naumann von der Umweltberatung. So sind auch Mietwohnungen sowie 25 Sozialwohnungen geplant. Dazu kommen ein Kindergarten, ein Nachbarschaftszentrum und zwei Gewerbeflächen.

Kernstück der Siedlung ist die Energiezentrale für Wärme und warmes Wasser: Ein unterirdischer Eisspeicher mit einem Durchmesser von 17 Metern. Im Winter wird dem Wasser im Speicher die Energie entzogen, es friert langsam zu. Im Sommer taut es wieder auf. Hinzu kommen ein Blockheizkraftwerk, ein Gasbrennwertkessel sowie Photovoltaik- und Solarthermie-Systeme. Zudem können sich die Bewohner zwei Elektroautos und vier E-Bikes teilen, vermittelt über eine Quartiers-App.
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