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Serie "Verbraucher in Hessen": Verbraucherzentrale hilft Konsumenten und weist Unternehmen in ihre Schranken

In einer neuen Serie stellen wir Ihnen verschiedene Organisationen vor, die Verbrauchern in allen Lebenslagen weiterhelfen. Heute: Die Verbraucherzentrale Hessen. Ob Ärger mit dem Handyvertrag, Kreditkartenabzocke oder dubiose Geldanlagen: Die Verbraucherzentrale berät bei vielen Fragen rund um Konsumentenrechte, Patientenrechte und auch im Fall von Überschuldung. Der juristische Rat ist aber nur eine Seite der Arbeit.
Bilder > Hier gibt es Hilfe: Die Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt.
Frankfurt. 

Im Internet hatte die Frau einen neuen Fernseher bestellt. Geliefert wurde jedoch ein anderes Modell – was tun? Die Originalverpackung hatte die Frau schon entsorgt, der Händler wollte das Gerät nur so wieder zurücknehmen, er berief sich auf seine AGB, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Bei der Verbraucherzentrale fand die Frau Hilfe: Eine Falschlieferung ist ein Sachmangel, der Händler musste den Fernseher auch ohne Originalverpackung zurücknehmen.

Fälle wie diese hat die Verbraucherzentrale Hessen (VZ) jeden Tag auf dem Schreibtisch. Oft kommen die Leute mit einem konkreten Problem, wenn sie schon etwas unterschrieben haben. „Besser ist es natürlich vorher zu kommen“, mahnt Andrea Jahnen, seit Mai Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen. Sie steht einem Team vor, das in ganz Hessen berät, in Kassel, Borken, Frankfurt, Gießen, Fulda, Wiesbaden und Rüsselsheim bis Darmstadt und mit einer mobilen Beratungsstelle ist die VZ sogar in Michelstadt vertreten. Dazu kommen Schuldnerberatungsstellen im nordhessischen Gudensberg, Neukirchen, in Frankfurt und im südhessischen Riedstadt.

Die Verbraucherzentrale Hessen gibt es seit 1959. Ihr neuer geschäftsführender Vorstand Andrea Jahnen kommt aus dem Gesundheitsbereich, war zuvor für die Europäische Stiftung für Allergieforschung tätig und hat ein Start-up im interaktiven Gesundheitscoaching mit aufgebaut. Die studierte Ernährungswissenschaftlerin kommt ursprünglich aus Rheinland-Pfalz, hat lange in Berlin gelebt und ist in ihrer Freizeit gerne in Südamerika unterwegs.

Wo denn im Moment am Markt die Abzocke grassiere, darüber weiß Jahnen viel zu berichten. Zum Beispiel über das Geschäft mit Prepaid-Kreditkarten: „Die werden gehäuft Verbrauchern mit ausländischen Namen am Telefon angeboten.“ Ein einfaches Ja genüge oft, um hinterher einen Vertrag über 108 Euro oder mehr aufgeschwatzt zu bekommen. „Das ist schlichtweg Betrug“, sagt Jahnen. Auch wer die Nachnahmesendung der Kreditkarte nicht annimmt, hat danach oft mit Mahnungen und Inkassofirmen zu tun. Jahnens Team kann helfen, denn Verbraucher haben bei Vertragsabschlüssen am Telefon immer ein 14tägiges Widerrufsrecht, über das sie schriftlich belehrt werden müssen.

Welche Themen bei der Beratung eine Rolle spielen, hänge auch stark vom Standort und den Betroffenen ab. „In ländlichen Gebieten ist die klassische Kaffeefahrt bei Senioren immer noch ein Thema“, weiß Jahnen. „Bei Jugendlichen ist es beispielsweise der Leasingvertrag für das Auto.“ Auch Flüchtlinge werden von den Verbraucherschützern beraten: „Hier geht es oft um alltägliche Dinge wie den Handyvertrag oder die Strom- und Gas-Rechnung. Wir sind in den Flüchtlingszentren vor Ort präsent und beraten im Erstgespräch kostenlos.“

Auch für Arbeitslose ist mit entsprechendem Nachweis eine Erstberatung kostenlos. Ansonsten kostet der Service etwa 20 Euro für 15 Minuten Beratungszeit. Komplexere Themen wie ein Versicherungscheck können schon mal eineinhalb Stunden Beratung verlangen.

Die Arbeit der Verbraucherzentrale geht auch über die reine Rechtsberatung hinaus: „Wir wollen auch den Markt besser machen und Unternehmen zeigen, damit kommen sie nicht durch“, sagt Jahnen. Man sei nicht gegen die Unternehmen, wichtig sei aber ein fairer Umgang mit den Endkunden.

So haben die hessischen Verbraucherschützer vor fünf Jahren das Projekt „Lebensmittelklarheit“ angestoßen. Sie stießen im Beratungsalltag immer wieder auf Werbelügen der Lebensmittelindustrie. Da wurde zum Beispiel der Tannenhonig als „Spezialität mit Grüßen aus dem Schwarzwald“ beworben, der Honig selbst stammte aber, so war im Kleingedruckten zu lesen, aus verschiedenen EU-Ländern. „Wir haben das Unternehmen abgemahnt“, sagt Jahnen. Die Unterlassungserklärung habe das Unternehmen unterschrieben und sich damit bereiterklärt, solche irreführenden Werbeaussagen künftig zu unterlassen. Auch bei windigen Finanzanlagen sind die Hessen vorne. Man führt in Hessen im Projekt „Marktwächter Finanzen“ den Bereich grauer Kapitalmarkt an. Da sammeln und prüfen die Experten Werbeprospekte und -versprechen von Unternehmen aus diesem Bereich, wo es um komplizierte Finanzprodukte wie nachrangige Darlehen, stille Beteiligungen oder Genussrechte geht. Bei diesen Produkten werde oft mit zweistelligen Gewinnchancen geworben, oft drohe aber im schlimmsten Fall der Totalverlust des angelegten Geldes, was in den Werbeprospekten oft verschleiert werde, so Jahnen.

 

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