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Geistlicher wehrt sich: Verfassungsschutz-Bericht sorgt für Suspendierung von Gefängnis-Imam

Von Das hessische Justizministerium hat die Zusammenarbeit mit einem Gefängnis-Imam vorsorglich ausgesetzt, weil dieser einem Islamverband angehört, den der Verfassungsschutz jüngst als „extremistisch beeinflusst“ einstufte. Doch der Imam wehrt sich.
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Wiesbaden/Frankfurt. 

Bisher galt der Deutsch-Islamische Vereinsverband Rhein-Main (DIV) gemeinhin als Zusammenschluss von 46 moderaten islamischen Vereinen aus dem Rhein-Main-Gebiet. Dennoch stufte der hessische Verfassungsschutz den DIV am 16. August als „extremistisch beeinflusst“ ein. Dies veranlasste das hessische Justizministerium, die Zusammenarbeit mit zwei Personen, die möglicherweise mit dem DIV in Kontakt stehen, vorsorglich und vorübergehend auszusetzen.

Eine dieser beiden Personen ist Imam Abdassamad El Yazadi, der nicht nur dem DIV-Vorstand angehört, sondern auch dem hessischen Zweig des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) vorsitzt. Und El Yazadi wehrt sich gegen seine nun publik gewordene vorübergehende Suspendierung. „Die Einstufung des DIV ist das eine. Aber jene, die sich im Rahmen des Grundgesetzes engagieren, sollte man nicht an ihrer Arbeit hindern“, fordert der Imam, der bis vor vier Wochen bis zu sechs Stunden wöchentlich in Gefängnissen in Butzbach und Darmstadt als Seelsorger arbeitete und auch Präventionsarbeit leistete.

El Yazadi sagt, er sei als Verbandsfunktionär viel in Moscheen unterwegs. „Ich kann nicht kontrollieren, wer da anwesend ist. Aber ich denke, dass die Sicherheitsbehörden Mittel haben, um einzelne Personen zu beobachten und Gefährdungen auszuschließen.“ Der Imam fügt hinzu, es sei der falsche Weg, den DIV pauschal als „extremistisch beeinflusste“ Organisation einzustufen.

Offenbar ist auch dem Justizministerium die an die Öffentlichkeit gedrungene Neu-Einstufung des DIV nicht ganz geheuer. „Wir wollten keine identifizierende Berichterstattung und Vorverurteilung“, sagt Ministeriumssprecher René Brosius. Doch: „Nach dieser Neu-Einschätzung des Verfassungsschutzes mussten wir schauen, wer aus unseren Reihen mit diesem Verband in Kontakt steht.“

Vor vier Wochen habe das Justizministerium daraufhin beim Verfassungsschutz angefragt, ob es konkrete Anhaltspunkte gebe, dass Abdassamad El Yazadi und das zweite DIV-Mitglied Verbindungen zu extremistischen Kreisen unterhalte. „Sollten innerhalb der nächsten vier Wochen keine entsprechenden Anhaltspunkte bekanntwerden, wird die Zusammenarbeit fortgesetzt“, versichert Brosius.

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