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Hessen Forst: Vermarktung von Holz aus hessischen Wäldern hängt in der Luft

Von Die gesamte Betreuung des Waldes durch Hessen Forst soll es bald nicht mehr geben – eine Arbeitsgruppe des Umweltministeriums arbeitet bereits unter Hochdruck an neuen Strukturen. Wenn aber tatsächlich viele Aufgaben von Hessen Forst an die Kommunen wandern, könnte das für die Mitarbeiter des Landesbetriebs Konsequenzen haben.
Wald in Hessen Foto: Roland Holschneider (dpa) Idyllisch wirkt der Hochsitz bei Reichelsheim im herbstlichen Odenwald. Doch einige hessische Förster müssen sich auf Änderungen einstellen.
Frankfurt. 

Während sich viele Weihnachtsgedichte mit Winterwald und Tannenbäumen beschäftigen, blicken die hessischen Kommunen derzeit mit ganz anderen Augen auf die Wälder: Denn mit Spannung erwarten sie, wie die Holzvermarktung künftig geregelt wird. Fest steht bisher nur: Ein „Weiter so“ gibt es nicht.

Noch nimmt der Landesbetrieb Hessen Forst etwa 400 der 430 Kommunen die Arbeit ab, bietet ihnen gegen eine Gebühr ein „Rundum-Dienstleistungspaket“. Das bedeutet: Mitarbeiter von Hessen Forst entscheiden, wo gefällt wird. Auch die Holzernte selbst, Vermarktung und Vertrieb der Baumstämme liegen in der Hand des Landesbetriebs, alles ist eng verzahnt – dagegen haben die Kartellwächter nun Bedenken erhoben.

„Neue Erkenntnisse“

„Das Bundeskartellamt hat erst seit kurzem neue Erkenntnisse geltend gemacht“, erläutert Mischa Brüssel de Laskay, Sprecher des hessischen Umweltministeriums. Hessen droht nun eine ähnliche Regelung wie Baden-Württemberg, wo das Oberlandesgericht Düsseldorf dem Bundeskartellamt recht gegeben und eine gemeinsame Holzvermarktung untersagt hat. Deswegen laufen hier die Vorbereitungen für eine Neureglung auf Hochtouren.

„Am 20. Dezember ist noch mal eine große Sitzung der vom Ministerium eingesetzten Arbeitsgruppe, Anfang 2018 legt das Ministerium einen Lösungvorschlag zur Neuorganisation der Holzvermarktung vor“, erläutert Jörg van der Heide, Abteilungsleiter Waldbau bei Hessen Forst, den Zeitplan.

Um die kartellrechtlichen Vorgaben zu erfüllen, wird Hessen Forst dann kommunale oder private Waldflächen, die größer als 100 Hektar sind, nicht mehr betreuen. „Für etwa 270 000 Hektar dürfen wir dann nach dem derzeitigen Stand keine Holzvermarktung mehr machen“, so van der Heide.

Das bedeutet: Die Kommunen und Privatleute müssen diese Aufgabe selbst übernehmen – dafür brauchen sie eine neue Struktur. „Bisher hatten wir für die Holzvermarktung keinen Verwaltungsaufwand“, erklärt Roland Seel, Bürgermeister in Grävenwiesbach. Er war mit der bisherigen Regelung zufrieden, räumt allerdings ein: „Man war manchmal etwas weit weg von den Entscheidungen, etwa wo ein Baum gefällt wird.“

Er plädiert nun dafür, dass mehrere Gemeinden jeweils eine Holzvermarktungsorganisation, eine Forstbetriebsgemeinschaft, gründen. „Sonst brauchen wir mit unseren kleinen Mengen auf dem Weltmarkt gar nicht erst anzutreten“, ist Seels Einschätzung. Gäbe es dort mehr Wettbewerb, sänken langfristig auch die Holzpreise.

„Wenn neue Verkaufsstrukturen geschaffen werden, wird das erst mal etwas teurer, auch für den Holzhandel“, meint dagegen van der Heide von Hessen Forst. Ob das über einen niedrigeren Preis durch mehr Wettbewerb aufgefangen werde, bleibe abzuwarten.

Usingen hat schon 2016 Hessen Forst den Rücken gekehrt – vor allem aus Kostengründen. Auch Gießen, Oberursel und Bad Homburg sind diesen Weg gegangen, ergab eine Anfrage der FDP-Fraktion im Landtag. Die bis 2025 jährlich um 4,2 Prozent steigenden Gebühren wollten einige Kommunen nicht mehr zahlen. „Wir wussten, dass der Zeitpunkt kommen wird, wo wir zu gleichen oder geringeren Kosten den Wald selbst bewirtschaften können“, so Usingens Bürgermeister Steffen Wernard. Die Erfahrungen mit der Eigenbeförsterung seien positiv. „Fragen werden geklärt, ohne dass eine andere Behörde eingeschaltet werden muss“, erklärt er.

80 Mitarbeiter betroffen

Allerdings hatte Usingen einen Vorteil: Hier konnte der frühere staatliche Revierförster in der Stadtverwaltung eingestellt werden, die Kompetenz wanderte also gleich mit. Wie aber wird es für die anderen Mitarbeiter von Hessen Forst aussehen, wenn dort die Aufgabe der Vermarktung für so viel Waldfläche wegfällt? „In der Administration für den Holzverkauf arbeiten in jedem Forstamt zwei Angestellte, insgesamt wären 80 Mitarbeiter betroffen“, überschlägt van der Heide, betont aber gleichzeitig: „Wir machen jetzt keine Aussage zu einem Stellenabbau.“

Dafür liegt bei der Neuorganisation des Waldes noch zu vieles im Dunkeln. Sogar das Urteil aus Düsseldorf ist noch nicht endgültig, das Land Baden-Württemberg hat dagegen Revision vor dem Bundesgerichtshof einlegt. „Wir wissen noch nicht, wo die Reise hingeht“, räumt Thomas Götz, Bereichsleiter Dienstleistung und Hoheit vom Forstamt Weilrod ein. „Wir warten gespannt auf die Ergebnisse der Arbeitsgruppe.“

Grävenwiesbachs Bürgermeister Seel wagt dagegen schon einen vorsichtigen Blick in die Zukunft, hält etwa einen Neuzuschnitt der Revierförstereien für möglich. Und dass die Kommunen bei der Vermarktung von Holz nun kompetente Mitarbeiter brauchen, liegt für ihn auf der Hand: „Fachleute wachsen ja nicht auf den Bäumen.“

dfg f dgh tg

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