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Energiekosten: Viel Wind um den Strompreis

Von Was können hessische Unternehmen von einer neuen Landesregierung in Sachen Energie- und Klimapolitik erwarten? Mit dieser Frage hatte die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände Spitzenpolitiker und interessierte Unternehmer eingeladen. Nach zwei Stunden reger Diskussion war der Dissens ebenso groß wie die Enttäuschung.
Windräder über dem Nebel Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Und was passiert, wenn kein Wind weht? Die Gäste des Energieforums der VdU stehen den erneuerbaren Energien skeptisch gegenüber.
Frankfurt. 

Kai Jackl ist betrübt. Der Geschäftsführer der mittelständischen „Robert Jackl GmbH“ aus Hungen hatte sich deutlich mehr erhofft vom zehnten Energieforum der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU). „Wir sind ein Paradebeispiel für Firmen, die durch alle Raster fallen“, erklärt der Unternehmer. Seine Textilveredlung erzeugt einen massiven Stromverbrauch. Weil sein Unternehmen klein ist, ist der Verbrauch allerdings nicht groß genug, um von der EEG-Umlage – dem Teil des Strompreises mit dem die Energiewende finanziert wird – befreit zu sein.

25 Prozent der Firmenausgaben entfielen auf Energiekosten, erklärt Jackl. So bleibe auch kein Geld, um in moderne und effizientere Maschinen zu investieren. Zudem müsse wertvolle Arbeitszeit dafür aufgebracht werden, im Dschungel der Energiegesetze nicht den Überblick zu verlieren. Auf eine eigene Lobby kann Jackls Branche dabei nicht zurückgreifen.

CDU fehlt entschuldigt

Umso größer ist seine Hoffnung auf die Diskussion mit den Spitzenpolitikern beim VhU-Forum. Mit Stephan Grüger (SPD), Angela Dorn (Grüne) und René Rock (FDP) waren die energiepolitischen Sprecher der jeweiligen Landtagsfraktionen gekommen. Mit Dirk Landau fehlte aber der Vertreter der für Hessen wichtigsten Partei, der CDU-Fraktion. Landau musste sich entschuldigen, da er auf dem Bundesparteitag der CDU weilte.

Schon mit der ersten Impulsrede von Stephan Grüger stieg bei einigen Unternehmern die Unzufriedenheit. So erinnerte Grüger, dass auch der scheinbar günstige Atomstrom massiv mit Steuergeldern subventioniert werde, ebenso wie der Kohlestrom. Seit den 70er Jahren seien jeweils 200 Milliarden Euro in die Vergünstigungen dieses Stroms geflossen. Die Energiewende ist für Grüger daher auch eine ökonomische Chance.

Kommentar Es geht um die Existenz

Immerhin bestreitet niemand den Klimawandel. Das ist aber auch schon die einzige gemeinsame Ansicht der Politiker und Unternehmer beim VdU-Energieforum.

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Auch Angela Dorn lobt den bisherigen Weg: „Wenn wir unsere Klimaschutzziele nicht erreichen, dann werden wir die Klimakatastrophe nicht aufhalten können“, warnt sie. Bis 2025 müsse daher 40 Prozent der Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 reduziert werden. Um den Strompreis zu senken, entfernt sie sich von einer einstigen Idee der Grünen und empfiehlt, die Stromsteuer abzuschaffen.

Peter Bartholomäus, dem VhU-Vorsitzenden, geht das, wie so vielen Unternehmern im Raum, nicht weit genug: „Wir spüren jeden Tag, dass es so nicht lange weitergehen kann“, betont er. So seien die Stromkosten viel zu hoch, was vor allem an der EEG-Umlage liege.

Den geschundenen Unternehmerseelen tut es daher gut, als der Liberale René Rock das Wort ergreift. Der Staat solle Rahmenbedingungen setzen, sich aber sonst aus der Wirtschaft raushalten, ist sein Credo – die EEG-Umlage müsse abgeschafft werden.

Innovationen unter Druck

Trotz großer Investitionen in erneuerbare Energien sei Deutschlands CO2-Ausstoß nicht gesunken. Um die Erderwärmung müsse sich die Forschung kümmern.

Stephan Grüger hält dem entgegen, dass durch finanziellen Druck, wie ihn auch die EEG-Umlage erzeuge, die Unternehmen selbst die größten Innovationen hervorgebracht hätten. Dass die Umlage anders reguliert werden müsse, da kann er Rock entgegen kommen. Für die Aussage, dass der gleichbleibende CO2-Ausstoß an den immer noch aktiven Braunkohlekraftwerken liege, findet Grüger bei Rock hingegen kein offenes Ohr.

Die versammelten Unternehmer halten die erneuerbare Energie und deren vermeintliche Unzuverlässigkeit generell für eine Sackgasse. Daran lassen sie in der Diskussion keinen Zweifel aufkommen. Angela Dorns Aufruf: „Doch was sind die Alternativen? Wir haben keine Zeit darauf zu warten“, verhallt im Stillen.

Zeit zu warten, hat Kai Jackle auch nicht, er braucht dringend günstigeren Strom, will er sich weiter im internationalen Konkurrenzkampf behaupten können. Was er von der nächsten Landesregierung erhoffen darf, darauf bekommt Jackl auch keine Antwort, zeigt sich doch, dass die meisten angesprochenen Themen ohnehin nur auf Bundesebene entschieden werden.

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