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Detlef Alder aus Maintal: Vintage-Händler zeigt seine Schätze: Ey, Alder – was für geile Gitarren!

Von Kenner wissen: Für gute Gitarren gilt dasselbe wie für guten Wein: Je älter, desto besser. Einer, der im Markt der begehrten Vintage-Instrumente mittlerweile Weltruf genießt, ist der Maintaler Händler Detlef Alder. Für fnp.de zeigt er seine schönsten Schätze – und erzählt die Geschichten dahinter.
Saitenzauberer Joe Bonamassa und Scorpions-Gitarrist Matthias Jabs geben sich in Detlef Alders "GuitarPoint" die Klinke in die Hand. Foto: Forst Saitenzauberer Joe Bonamassa und Scorpions-Gitarrist Matthias Jabs geben sich in Detlef Alders "GuitarPoint" die Klinke in die Hand.
Maintal.  Während die Musikmesse im zwölf Kilometer entfernten Frankfurt mit den neuesten und heißesten Produkten protzt, zeigt Detlef Alder den Besuchern seines Geschäftes „GuitarPoint“ im beschaulichen Maintal eine ganz andere Welt: Mit seinen Vintage-Instrumenten vergangener Jahrzehnte, meist auf Spezial-Messen in den USA erworben, hat er sich in der Gitarrensammler-Szene weltweit einen Namen gemacht.

Legendäre Sechs-Saiter von Carlos Santana oder Bob Dylan gehen seit 18 Jahren über seinen Ladentisch, zu seinen Kunden und Fans gehören der US-amerikanische Gitarren-Virtuose Joe Bonamassa und Matthias Jabs von den Scorpions. Etwa 600 Preziosen inklusive Verstärkerboxen prangen in seinem in Holz gehaltenen Laden, in dem eine historische Harley und Jukeboxen aus den Fünfziger Jahren den Retro-Charakter unterstreichen.

Für die Unikate blättert der Liebhaber Preise von 250 (für eine Lap Steel Gitarre) bishin zu 275.000 Euro (für eine 1960er Les Paul Standard) hin. Bei jedem zweitem verkauften Instrument, gesteht Alder, „blutet mir das Herz; denn jedes ist eigen und anders. Es ist fast so, als würde man ein Ziehkind weggeben.“

Für fnp.de zeigt der leidenschaftliche Händler seine fünf Herzens-Gitarren – und erzählt die Geschichten dahinter.

"Eine J-45 geht immer": Dieses schöne Exemplar aus den 60er Jahren ist Alders Gitarre für die einsame Insel.

1965er Gibson J-45 im Cherry Sunburst Finish


„Ein Klassiker, der auf Tausenden von Aufnahmen verewigt ist. Jeder hat die schon mal in Konzerten gesehen. Diese hier hat einen besonders breiten Hals und ist von 1965, als besonders gute Modelle gebaut wurden. Für mich das Akustik-Instrument meiner Wahl, falls es mich auf eine einsame Insel verschlagen sollte. Eine J-45 geht immer!“

Schöne Grüße vom "Boss" Bruce Springsteen: Die Fender Telecaster ist für den Maintaler die perfekte E-Gitarre.

1953 Fender Telecaster, blond

„Wo wir bei der einsamen Insel sind: Das ist meine Lieblings-E-Gitarre. Die Fender ist ungeheuer vielseitig. Was ich bewundere: Es ist die erste E-Gitarre, die Leo Fender 1950 unter dem Namen ‚Broadcaster‘ auf den Markt gebracht hat. Wo sonst gibt es eine technische Entwicklung, die seit etwa 70 Jahren Bestand hat, an der nie etwas nachgebessert werden musste? Kein Auto, kein Fernseher hat das geschafft. Leo hat die Tele rausgebracht – und gleich alles richtig gemacht.

Von diesem Modell würde ich mich niemals trennen. Die habe ich letztes Jahr von meinem guten Freund Kirk Fletcher aus den USA erworben. Der war Tour-Gitarrist für Eros Ramazotti und Cindy Lauper, spielt heute noch bei Joe Bonamassa in der Band. Für mich war klar: Bei dieser Gitarre stimmt alles. Das ist jetzt meine Tele!“        

Der Heilige-Gitarristen-Gral: Eine 1982 Gibson Les Paul Standard Re-Issue.

1982 Gibson Les Paul, Re-Issue, Honeyburst Finish

„Diese Les Paul Standard ist für viele Gitarristen der Heilige Gral. Die Ironie: Sie wurde 1960 mangels Erfolg eingestellt, es gab gerade mal 1700 Exemplare. Heute ist sie die begehrteste und wertvollste E-Gitarre der Welt. Gibson hatte damals versucht , von mehreren Modellen Neuauflagen auf den Markt zu bringen, was nicht richtig funktionierte.

Doch damals gab es einen Laden in New Jersey, der in Zusammenarbeit mit Gibson eine Neuauflage mit nur 50 Stück rausbrachte. Diese Gitarre ist eine davon. Von den Farben her sieht sie etwas anders aus als das Original. Aber klanglich reiht sie sich nahtlos in die Modelle der 50er Jahre ein. Sie ist meine Traum-Les-Paul und wird dieses Haus mit Sicherheit nicht mehr verlassen.“ 

Würde sich Alder glatt als Bild einrahmen lassen: Eine 1939 Gibson Super 400 im Sunburst Finish.

1939 Gibson Super 400, Sunburst Finish

„Das ist zwar nicht die Art Gitarre, die zu meinem Musikstil passt: So eine Archtop ist etwas für Jazzer. Aber sie ist wunderschön anzuschauen. Die würde ich mir auch einrahmen und als Bild anschauen.

Ich muss gestehen: Ich bin ein ziemlicher Holz-Freak. Und kann über keinen Dielenboden gehen, ohne nach unten zu schauen und zu gucken: Welches Holz, welche Qualität und welche Maserung ist das?“

Die selbstgebaute „Charvel“-Gitarre, im Leopard Design, das ein befreundeter Indianer gemalt hat.

Selbstgebaute „Charvel“-Gitarre, im Leopard Design

„Preislich liegt dieses selbstgebaute Exemplar wohl deutlich unter den anderen Instrumenten. Und ist auch nur etwa zehn Jahre alt. Aber für mich ist es eine Herzens-Gitarre, weil sie mit meiner eigenen Geschichte verknüpft ist. Diese Art Gitarren war in der Hoch-Zeit des ‘Hair Metal‘ populär, die ich mit Band wie Mötley Crüe, Guns ‘n Roses und den Scorpions verbinde. Ich lebte damals für eine Weile in Los Angeles. Heute wäre es für viele Musiker wohl peinlich, mit einem Instrument auf die Bühne zu gehen, das wie ein wildes Tier angestrichen ist. Für mich, der diese Zeit erlebt hat und ein Teil davon war, sieht es natürlich anders aus.“

Der Hals ist aus einem wunderschön geriegelten Ahorn, der Korpus aus Erle. Das Leopardenfell-Muster hat ein guter Freund von mir gemacht: Dee Whitcomb, ein Indianer, der 20 Jahre in Deutschland gelebt hat - als Künstler, Musiker und weltbekannter Tattoo-Artist. Ich lernte ihn hier im Laden kennen und wir wurden enge Freunde. Leider zog er vor fünf Jahren nach Amerika zurück. So ist dieses Unikat auch eine Erinnerung an Dee, die ich niemals weggeben würde.“

Lust auf den Zauber der alten Gitarren bekommen? Noch bis einschließlich Samstag wartet parallel zur Musikmesse ein besonderes Programm auf die Besucher des GuitarPoint (Jahnstraße 5, Maintal); Von 9.30 Uhr bis 20 Uhr treffen sich die Vintage-Fans zum Ausprobieren und Musikmachen. Gastmusiker wie Markus Demel oder Kirk Fletcher zeigen jeweils ab 16 Uhr in Workshops ihr Können und plaudern aus dem Nähkästchen. Der Eintritt ist frei.

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