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Handwerker kommen mit der Arbeit nicht mehr hinterher: Volle Auftragsbücher

Die ungebrochen starke Nachfrage nach Immobilien beschert Handwerkern in Hessen mehr Bestellungen als sie bedienen können. Das strapaziert die Geduld von Kunden. Sie müssen bei neuen Projekten viel Zeit einplanen.
Foto: Patrick Pleul Foto: Patrick Pleul
Frankfurt. 

Wegen des Baubooms müssen sich Verbraucher in Hessen auf lange Wartezeiten bei Handwerkern einstellen. Angesichts voller Auftragsbücher könnten etwa Maler, Heizungsbauer oder Dachdecker Anfragen nur mit Verzögerung bedienen, sagte Heinrich Gringel, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern. „Bei Neubauprojekten müssen Kunden mit sechs bis acht Wochen Vorlaufzeit rechnen.“ Der Norden Hessens sei dabei ebenso betroffen wie der Süden. Im Straßen- oder gewerblichen Hochbau hätten Handwerker indes noch Kapazitäten.

3,1 Monate ausgebucht

Das hessische Handwerk profitiert schon länger vom Bauboom und hatte zuletzt von der besten Geschäftsstimmung seit mehr als 20 Jahren berichtet. Wegen der niedrigen Zinsen und der historisch guten Lage am Arbeitsmarkt kaufen oder sanieren viele Menschen Immobilien.

Eine Erhebung im Verband Baugewerblicher Unternehmer in Hessen für den Monat April 2017 bestätigt die vollen Auftragsbücher. Zu diesem Zeitpunkt waren die rund 1100 Mitgliedsbetriebe im Schnitt auf 3,1 Monate im Voraus mit Aufträgen versorgt. Im Vergleich mit den Vorjahren sei hier ein deutlicher Anstieg zu erkennen. Die Firmen sind also mehr oder weniger „ausgebucht“, sagt Anna Dieckhöfer vom Baubetriebe-Verband.

Eine schnelle Entspannung der Lage erwartet Heinrich Gringel von den Hessischen Handwerkskammern nicht. In Notfällen würden Anfragen aber schnell bedient. „Wenn zum Beispiel die Heizung ausfällt, funktionieren die Notdienste“.

Bessere Koordination

Um Verzögerungen beim Bau zu bekämpfen, müssten öffentliche Projekte besser koordiniert werden, forderte Gringel. Manche Maßnahmen könnten etwa auf den saisonal schwächeren Winter verschoben werden. Zu steigenden Preisen wegen der Auftragsflut komme es aber nicht in der Breite. Nun würden auch Baumaterialien knapp, sagte Gringel. „Es gibt beispielsweise nicht genug Dämmstoffe, Fenster und Türen am Markt, da die Nachfrage zu groß ist.“

Mangel an Fachkräften

Zudem mangele es an Fachkräften, da sich zu wenige junge Menschen für ein Handwerk interessierten. „Immer mehr wollen studieren, anstatt eine Ausbildung zu machen“, kritisierte er. Und wegen hoher Auflagen für Firmen und einem teils „enormen bürokratischen Aufwand“ gehe kaum noch jemand in die Selbstständigkeit. „Früher etwa gab es noch in fast jedem Dorf einen Maurerbetrieb“. Das sei heute nicht mehr so, auch weil Fertighausanbieter den privaten Wohnungsmarkt bestimmten. Ähnlich sieht das Nikolaus Jung vom Eigentümerverband Haus und Grund in Frankfurt. Die Wohneigentümer seien derzeit in einer misslichen Lage durch die Verzögerung bei den Aufträgen. Doch das Problem bestehe schon viel länger. Über Jahrzehnte sei die Ausbildung von Fachkräften vernachlässigt worden. Jetzt fehlten die vielen gut ausgebildten Mitarbeiter, die etwa für die energetische Erneuerung von Wohneigentum notwendig wären. Er mache daher auch dem Handwerk keinen Vorwurf. Jung sieht eher den Gesetzgeber in der Pflicht, um für bessere Rahmenbedingungen in der Ausbildung zu sorgen.

(ok,lhe)
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