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SPD-Kanzlerkandidat: Wahlkampf-Auftritt: Wie Martin Schulz den Darmstädter OB-Kandidaten unterstützt

Von Der eine will Kanzler werden, der andere Oberbürgermeister. Wie praktisch, wenn man da gemeinsam Wahlkampf machen kann. Martin Schulz wird auf Stippvisite in Darmstadt gefeiert.
Selfies zusammen mit SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Foto: Claus Völker (dpa) Selfies zusammen mit SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.
Darmstadt. 

Wäre der Wahlkampf wie das Wetter, müsste er in Darmstadt für die SPD immer so sein: mausgrau und regnerisch. Kein Licht am Horizont. Mit anderen Worten: Äußerst schwieriges Unterfangen für Michael Siebel. Der SPD-Mann will Oberbürgermeister in Darmstadt werden, genauso wie acht andere. Einzig die CDU hat keinen Kandidaten gestellt. Gewählt wird in knapp zehn Tagen. Aber Amtsinhaber Jochen Partsch von den Grünen sitzt fest im Sattel. So fest, dass es fast aussichtslos ist, dass Siebel hier in der einstigen SPD-Hochburg irgendetwas reißt. Doch es gibt ja Martin Schulz.

Bild-Zoom
Plakat von OB-Kandidat Michael Siebel auf einem SPD-Wagen

Ortstermin 12 Uhr mittags mitten in der Stadt. Bis eben hat es in Bindfäden geregnet. Auf dem Luisenplatz warten einige hundert Leute. Viele ganz junge, viele ältere, viel Polizei. Die Menschentraube umzingelt einen kleinen Party-Pavillon. Darunter ein Klapptisch. Flyer und Visitenkarten von Siebel liegen aus. Das Programm des Herausforderers: 10 000 neue Wohnungen, Pflegeheime verbessern, jedem Kind ein warmes Mittagessen. 59 Jahre ist er alt, verheiratet, drei erwachsene Kinder, aber ohne eine geschlossene Partei. Bei seiner Nominierung erhielt er 14 Gegenstimmen. Rosen werden aus Plastikeimern verteilt.

Verfolgt von Kameras

Am besten gehen aber die Buttons weg. „Zeit für Matin“ steht drauf. Rote Schrift auf weißem Untergrund, in der Mitte das gezeichnete Konterfei von Schulz. Der Anstecker haftet auf Mänteln, Schals, Hüten, Rucksäcken. Als der echte Martin Schulz dann aus einer Seitengasse kommt, verfolgt von Fernsehkameras und Journalisten mit Mikrofonen, reißt plötzlich der Himmel auf. Es wird hell. Schnurstracks steuert der Pulk auf den Pavillon zu und Applaus brandet auf. „Der nächste Kanzler“, ruft einer aus der Menge. Oder: „Lasst doch mal das Wahlvolk vor“. Ein Dritter: „Darf ich den mal anfassen?“ Aber Schulz ist klein und deswegen kaum zu sehen. Stattdessen ragt immerzu der knallrote Hut des viel größeren Michael Siebel hervor.

Ein Kanzlerkandidat zum Anfassen, das hat die nach Erfolg dürstende SPD-Basis auch hier im Südhessischen offenbar gebraucht. Ur-sozialdemokratisch sei Schulz, sagt Mitglied Jürgen Troissner. Der Frankfurter aus dem Ortsverein Dornbusch sei extra nach Darmstadt gekommen, um mit Martin und Michael „ein bisschen Wahlkampf“ zu machen. „Auf dem Platz, auf der Straße, bei den Leuten.“

Das sieht in der Praxis so aus: Schulz kann sich vor Selfie- und Autogrammwünschen kaum retten. Für die Stippvisite des Kanzlerkandidaten ist auch keine Bühne aufgebaut. Doch wenn er schon mal da ist, möchte er natürlich auch reden. Es wird improvisiert. Schulz steigt auf dem weitläufigen Platz zu Ehren von Großherzog Ludwig I. auf eine Parkbank, Siebel drängt sich dazu. Endlich können alle den Martin mal sehen.

Schulz versucht lauter zu sprechen, damit alle ihn hören, ohne aber zu schreien. Schulz sagt über Siebel, der Michael sei einer, der weiß, wie es gerechter zugehe. In einem Land, in dem Dinge aus dem Lot gerieten, wenn Manager Millionenabfindungen erhielten, während Verkäuferinnen gekündigt würde, wenn sie sich etwas zuschulden hätten kommen lassen. Doch Schulz verspricht sich. Sagt Stefan zu Michael Siebel und wundert sich laut, warum er jetzt Stefan gesagt hätte. Aus dem Hintergrund wird Martin Schulz ein Mikrofon gereicht und er fährt fort. Jetzt klingt seine Stimme wie durch eine Blechbüchse gefiltert. Er selbst sei ja elf Jahre lang Bürgermeister gewesen und spielt damit auf die Jahre im nordrhein-westfälischen Würselen an. Er finde, als Kanzlerkandidat müsse man die Probleme der kleinen Leute kennen. Wieder gibt es Applaus. Und dann zieht Martin Schulz noch ein Ass aus dem Ärmel. Mit dem SV Darmstadt gehe es ja auch bald wieder aufwärts. Trainer Thorsten Frings komme schließlich auch aus Würselen.

Hauptsache Stichwahl

Inge Ordegel, seit 20 Jahren Mitglied im SPD-Ortsverein in Darmstadt, ist „froh“ über den Auftritt von Martin Schulz, verrrät sie am Rande der Veranstaltung. Es sei eine sehr gute Entscheidung gewesen, dass Schulz statt Gabriel nun antrete. Mit der OB-Wahl sei es dagegen ja nicht so einfach. Hauptsache Stichwahl.

Kandidat Michael Siebel ist da optimistischer. Es sei ein Ruck durch unser Land gegangen, ruft er zum Finale kämpferisch. Die SPD sei wie eine Sektflasche, die man gerade geöffnet habe. Nun könne man zeigen, was schon immer „in uns“ steckte. Dann verschwinden der Martin und der Michael wieder in der Menge. Noch mehr Selfies machen und Autogramme schreiben.

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