E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 24°C

Deutscher Lehrerpreis: Warum Pädagogin Nadin Kondziella anders sein wollte als ihre Lehrer

Gründlich, respektvoll, aufmerksam, interessiert – das sind einige der Eigenschaften, für die Nadin Kondziella mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet wurde. Die Initiative kam von ihren Schülern. In ihrer eigenen Schulzeit hatte Kondziella erlebt, wie Lehrer sich nicht verhalten sollten.
Nadin Kondziella freut sich über ihre Auszeichnung.
Frankfurt. 

„Was ist Ihr Geheimnis?“ Diese Frage hört Nadin Kondziella häufig, seitdem sie Mitte Januar den Deutschen Lehrerpreis 2017 bekommen hat. Denn diese Auszeichnung bekam die Lehrerin am Kreuzburggymnasium Großkrotzenburg (Main-Kinzig-Kreis) sozusagen von ihren Schülern. Weil sie den Unterricht und das Verhalten ihrer Lehrerin sehr schätzen, schlugen die jungen Leute ihres Geschichtsgrundkurses die 31-Jährige für die Kategorie „Unterricht innovativ – Schüler zeichnen Lehrer aus“ vor.

Sie lobten nicht nur den „lebendigen Unterricht“ ihrer Geschichtslehrerin, sondern auch deren Offenheit, Feinfühligkeit und Kritikfähigkeit, berichtet die Schule. Und das beschreibt dann wohl auch „das Geheimnis“ oder besser das Erfolgsrezept der jungen Lehrerin. „Ich versuche, den Lehrer mit dem Menschen zu kombinieren“ , sagt Nadin Kondziella.

Es gebe zwar ein institutionelles Gefälle zwischen Lehrern und Schülern, dennoch sei es möglich, „sich auf Augenhöhe zu begegnen“, ist sie überzeugt.

Zu dieser Form der Wertschätzung und des Respekts gehört für sie vor allem zuhören, reden, die jungen Leute im Blick haben, aufmerksam sein, ob jemand ungewöhnlich still ist. Dazu gehöre auch, mit einem jungen Menschen zu sprechen, der sich über eine Benotung ärgere, sagt sie. Das schlimmste Erlebnis in ihrer eigenen Schulzeit sei gewesen, dass eine Lehrerin ihr nicht zugehört habe, als sie sich wegen einer Zeugnisnote ungerecht behandelt fühlte. „Da war ich doch empört. Und später dachte ich, so wollte ich als Lehrerin nicht werden.“ Da solche Gespräche meist außerhalb des Unterrichts stattfinden, investiert Nadin Kondziella mehr Zeit, als sie müsste. Ihre Arbeit gehe „weit über das gewöhnliche Maß hinaus“, attestierte ihr der Geschichtskurs. „Ich mache das gern“, sagt sie.

Weitere Auszeichnungen

Bei der Verleihung des Preises in Berlin stand sie nicht allein auf der Bühne: Aus Hessen wurde auch Michael Ostertag in der Kategorie „Schüler zeichnen Lehrer aus“ geehrt. Er unterrichtet Biologie, Chemie und Physik an der Internatsschule Schloss Hansenberg in Geisenheim im Rheingau.

Aus ganz Deutschland bekamen 15 Lehrer sowie sechs Pädagogenteams den Deutschen Lehrerpreis. Dieser Wettbewerb wurde vor zehn Jahren von der Vodafone Stiftung Deutschland und dem Deutschen Philologenverband initiiert, um positive Leistungen von Lehrern öffentlich zu zeigen. Neben Geschichte unterrichtet Nadin Kondziella am Franziskanergymnasium Kreuzburg Französisch und Deutsch. Ein Halbjahr mussten die jungen Leute auf ihre beliebte Lehrerin verzichten, sie widmete sich ihrer kleinen Tochter. Heute will sie wieder einsteigen, jetzt mit einer halben Stelle.

Aufgewachsen ist sie im Kreis Offenbach, in Obertshausen, ihr Abitur legte sie am Friedrich-Ebert-Gymnasium in Mühlheim ab. Nach dem Lehramtsstudium in Gießen und einigen Vertretungsverträgen während der Wartezeit kam die Pädagogin für das Referendariat an das kirchliche Gymnasium nach Großkrotzenburg – und blieb dort auch nach dem Zweiten Staatsexamen. Den Entschluss, Lehrerin werden zu wollen, habe sie in der Zeit gefasst, als sie ihr eigenes Abitur ablegte, sagt sie.

Abwechslung ist wichtig

Gelobt wurde die 31-Jährige von den jungen Leuten auch, weil sie es schaffe, „den Unterricht innerhalb des Lehrplans auf die persönlichen Interessen der Schüler zuzuschneiden und den Lernstoff immer wieder interessant und abwechslungsreich zu präsentieren“. Tatsächlich überlege sie sich immer, wieso ein junger Mensch gerade diesen Stoff, zum Beispiel diese historischen Ereignisse, lernen solle, sagt sie. Man müsse auch mit den Interessen der Schüler arbeiten. Wichtig sei auch eine gewisse Abwechslung, dazu gehöre auch die Arbeit mit neuen Medien wie Tabletcomputern, die die Schule bereitstelle.

Und Lob bekommt die Geehrte auch von ihrem Chef: Schon im Referendariat sei ihr besonderes Engagement für die Unterrichtsgestaltung aufgefallen, sagt Schulleiter Thomas Wolf. Sie bereite sich stets akribisch vor, ergänzt er – und beschreibt damit wohl auch eines ihrer Erfolgsrezepte.

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse