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Kein Durchkommen für die Retter: Warum klappt es so oft nicht mit der Rettungsgasse?

Von Bei der Hilfe nach einem schweren Unfall zählt oft jede Minute. Doch immer wieder werden die Helfer behindert, wie dieser Tage das Busunglück in Bayern gezeigt hat. Die Rettungsgasse wird nicht durchgehend gebildet. Auch auf den hessischen Straßen gibt es damit gravierende Probleme.
Ein neun Meter langes Banner mit der Aufschrift „Rettungsgasse“ hängt an einer Brücke über der A5 bei Eschborn. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Ein neun Meter langes Banner mit der Aufschrift „Rettungsgasse“ hängt an einer Brücke über der A5 bei Eschborn.
Rhein-Main. 

Für die Feuerwehrleute aus Friedrichsdorf war höchste Eile geboten: Der Fahrer eines Fiat Ducato war in sein Fahrzeug eingeklemmt, nachdem er mit seinem Kleintransporter ungebremst in eine Baustellenabsicherung auf der Autobahn gerast war. So hatte es im Notruf gelautet, der in der Zentralen Leitstelle des Hochtaunuskreises eingegangen war. Ort des Geschehens: die A 5 Richtung Süden etwa ein Kilometer vor dem Bad Homburger Kreuz, ein besonders unfallträchtiger Abschnitt auf einer der wichtigsten deutschen Verkehrsachsen. An ein schnelles Durchkommen zur Unfallstelle war jedoch nicht zu denken, denn als die großen Einsatzfahrzeuge zur Unfallstelle fahren wollten, hatten Lastwagen alle fünf Spuren blockiert.

„Uns ist nichts anderes übrig geblieben, als mit dem schweren Rettungsgerät mehrere hundert Meter zu Fuß über die Autobahn zu laufen“, erinnert sich Ulrich Neeb, Stadtbrandinspektor der Freiwilligen Feuerwehren Friedrichsdorf, an die Situation vor ein paar Jahren. Und das alles nur, weil die anderen Autofahrer keine Rettungsgasse gebildet hatten, die in solchen Fällen zwingend notwendig ist.

Kein Ausnahmefall

Für Neeb und seine Leute war dies kein Ausnahmefall. „Wir haben das über die Jahre beobachtet“, sagt der Stadtbrandinspektor. Es komme auch vor, dass die Autofahrer eine Lücke, die sich gebildet hat, sofort wieder schließen, sobald die ersten Einsatzfahrzeuge durchgefahren sind oder dass einzelne Fahrer einfach den Rettungswagen folgen, um möglichst schnell vorwärts zu kommen. „Für uns ist das immer eine vertrackte Situation, weil jede Minute zählt“, betont Neeb den Stellenwert einer Rettungsgasse.

So sollte es sein, ist es aber oft nicht: Rettungsgasse auf der Autobahn 2 in Hannover. Foto: Peter Steffen
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Welche Dimension dies hat, machte am Montag dieser Woche auf tragische Weise das Busunglück in Oberfranken bewusst. Dort war a nach einem Auffahrunfall auf der A 9ein Reisebus in Flammen aufgegangen, wobei 18 Menschen starben. Sicherheits-, Rettungskräften und Politik ärgerten sich, dass Autofahrer nach dem Unfall keine Rettungsgasse gebildet hatten und es die Einsatzkräfte daher schwer hatten, zur Unglückstelle zu gelangen. „Da sind die Helfer in unverantwortlicher Art und Weise behindert worden“, übte auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) harsche Kritik.

Gleichzeitig ist eine Diskussion darüber aufgekommen, ob Autofahrer nicht in Zukunft stärker sanktioniert werden sollen, wenn sie fahrlässig im Weg stehen. Derzeit kostete es 20 Euro. Dazu gehört auch ein Vorstoß der hessischen Landesregierung im Bundesrat, höhere Strafen für Verkehrssünder zu verhängen.

Kampagne gestartet

Mit dem Problem der nicht funktionierenden Rettungsgassen beschäftigen sich die Verantwortlichen hierzulande jedoch schon länger. So initiierte das hessische Innenministerium 2015 eine Aufklärungskampagne, bei der die Autofahrer mit Bannern an Autobahnbrücken. Radiospots, Plakaten an Tank- und Rastanlagen sowie Aufklebern und Flyern für das Thema sensibilisiert werden sollten.

Einen nachhaltigen Effekt scheint dies bisher nicht ausgelöst zu haben. Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn man sich unter den Praktikern umhört. „Es funktioniert in der Regel einfach nicht“, sagt Uwe Hambückers, Rettungsdienstleiter im Hochtaunuskreis. Hauptproblem sei zwar die zunehmende Verkehrsdichte.

Bei vielen Autofahrern stellt Hambückers aber auch Unverständnis bis zu Beschimpfungen fest. Kritik übt Hambückers, der für einen privaten Rettungsdienst in Kelsterbach arbeitet, vor allem am Verhalten von Lkw-Fahrern, die auf die mittlere Spur auswichen und diese blockierten.

„Eine Mischung aus Voyeurismus, Ignoranz und fahrerischen Unzulänglichkeiten“ sieht Daniel Guischard, Leiter der Bad Homburger Feuerwehr, bei vielen Verkehrsteilnehmern. „Nahezu bei jedem Einsatz ist es ein Problem, dass die Einsatzfahrzeuge nicht durchkommen.“ Teilweise werde die Fahrgeschwindigkeit, die im Schnitt 80 bis 100 Kilometer pro Stunde betrage, auf Schrittgeschwindigkeit reduziert. Dabei schnitten sich die Autofahrer ins eigene Fleisch. Denn je länger Rettungskräfte aufgehalten würden, „desto länger stehen die Verkehrsteilnehmer im Stau“.

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