E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 24°C

Städte-Beef: Warum sich Frankfurt und Offenbach seit Jahrhunderten zoffen

Von Schon früh begann die Rivalität zwischen Frankfurt und Offenbach. Sie ist Teil der Geschichte. Bereits im 14. Jahrhundert gab es erste Sticheleien zwischen den Nachbarstädten. Und auch heute noch hält sich die Hass-Liebe der beiden Städte am Main.
Foto: red/dpa
Bild-Zoom Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Episode 1: Krieh die Kränk, Offebach

Das ist wohl der berühmteste Ausspruch eines Frankfurters über die Offenbacher. Alle Worte, die Goethe für die Nachbarstadt fand, sind nichts gegen den Ausruf „Krieh die Kränk, Offebach“. Er stammt angeblich von einem Frankfurter Handelsmann. Dieser, so wird erzählt, war zur Zeit der Messe in Offenbach und wurde von einem Hund angegriffen. Als er sich bückte und nach einem Stein griff und feststellte, dass er festgefroren war, soll er ausgerufen haben: „Krieh die Kränk, Offebach! Die Staa binne se aa, die Hund lasse se laafe.“

Bild-Zoom

Episode 2: Meine Messe, deine Messe

Das Messefiasko ist ein weiterer wichtiger Teil der Streit-Geschichte zwischen Offenbach und Frankfurt: Um 1830 nämlich war Frankfurt zu eitel, um dem Deutschen Zollverein beizutreten, und schloss stattdessen einen Allianzvertrag mit Großbritannien. Blöd nur, dass daraufhin vor allen Toren der Stadt Zollschranken aufgebaut wurden. Frankfurt galt nun als feindliches Ausland. Die Entscheidung zog weitreichende Folgen nach sich: Die Frankfurter Messen, die zuvor sehr bekannt und beliebt gewesen waren, verkümmerten, während die Offenbacher Messe erblühte. Denn die Großherzoglich Hessische Regierung hatte den Auftrag gegeben, eine Konkurrenzmesse in Offenbach einzurichten. Der Frankfurter Senat musste schließlich anerkennen, „welch furchtbaren Bock er geschossen hatte“, wie ein zeitgenössischer Chronist schreibt. 1836 schließlich unterzeichnete Frankfurt reumütig den preußisch-hessischen Zollvertrag, und sofort kehrte der alte Glanz der großen Messen zurück. Das Nachsehen wiederum hatte Offenbach.

Bild-Zoom

Episode 3: Festnahme wegen Bornheimer Wappen

Das konnte ein echter Bornheimer nicht auf sich sitzen lassen: 2009 war ein junger Mann in Offenbach von der Polizei aufgegriffen worden. Sein angebliches „Vergehen“: Er trug ein T-Shirt mit dem Schriftzug „Bornheim“ und dem traditionellen Bornheimer Wappen - der Wolfsangel. Diese erkannten die Polizeibeamten allerdings nicht - und meinten, auf der Brust des jungen Bornheimers ein verfassungsfeindliches Symbol zu erkennen. Woraufhin sie das Shirt konfiszierten. Der junge Mann musste daraufhin mit freienm Oberkörper nach Hause fahren. Der SPD-Stadtverordnete Bernhard Ochs, ebenfalls aus Bornheim, machte den kuriosen Vorfall zum Thema in der Fragestunde, weil er befürchtete, „dass nun auf Druck der Offenbacher Behörden das in Sandstein gehauene Bornheimer Wappen im Hof des Römer entfernt wird“. Zur Feier des Tages trug er selbst das von den Offenbacher Polizisten beanstandete T-Shirt unter seinem Sakko. Die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth konnte den Fragesteller beruhigen: Die Anzeige sei längst fallengelassen, das Shirt seinem Besitzer zurückgegeben worden. Aber reichte Ochs nicht: „Verstößt es nicht gegen die Menschenwürde, wenn jemand mit nacktem Oberkörper von Offenbach nach Frankfurt fahren muss?“ Diese Frage blieb unbeantwortet.

Bild-Zoom

Episode 4:  Ein Quartier am Kreisel soll die verfeindeten Städte verbinden

Wo Offenbach und Frankfurt einander berühren, da ist Kaiserlei. Angesichts der jahrhundertealten Rivalität zwischen den beiden Städten verwundert es kaum, dass der Ausbau Kaiserleis für einige Reibung gesorgt hat. Seit 1970 hatten die Nachbarn miteinander gerungen - um Bauflächen und Verkehrsführung, um das Ende der einen Stadt und den Anfang der anderen. Erst nach fast 30 Jahren - im Juni 1999 - konnten die Nachbarn sich einigen. Damals unterschrieben die Stadtoberhäupter Petra Roth und Gerhard Grandke den sogenannten Kaiserlei-Vertrag. Damit war endlich der Weg für ein gemeinsames Quartier frei. Die Städte wuchsen zusammen. Heute hält Frankfurt ein Drittel am Stadtteil Kaiserlei; Offenbach hält zwei Drittel.

Bild-Zoom Foto: Rainer Rüffer

Episode 5: Die Angst vor der Eingemeindung

Immer wieder hat Offenbach sich von seinem großen Nachbarn eingeschüchtert gefühlt. Und immer wieder tauchten Gerüchte auf, wonach die Eingemeindung durch den großen Nachbarn unmittelbar bevorstehe. Als 1900 Oberrad und 1928 der Industrieort Fechenheim von Frankfurt eingebracht wurden, glaubte man sich in Offenbach mehr und mehr umklammert. Allerdings war Offenbach nie wirklich in der Gefahr, ein Teil Frankfurts zu werden, denn dank der Territorialgrenze, die zwischen den Städten verlief, konnte sich Offenbach unangetastet entwickeln. Das tut es auch heute noch. Was freilich nicht verhindert, dass Gerüchte über die anstehende Eingemeindung Offenbachs mit schöner Regelmäßigkeit die Runde machen.

Bild-Zoom Foto: Archivbild

Episode 6: Eintritt in die Fußball-Bundesliga

Als 1963 die Frage offen war, welcher hessischer Verein die Ehre haben würde, in die Bundesliga aufgenommen zu werden, waren die Hoffnungen sowohl bei den Kickers Offenbach als auch bei der Frankfurter Eintracht groß. Doch nur einer der Traditionsvereine bekam den Zuschlag – die wirtschaftlich stärkere Eintracht Frankfurt. Was die ohnehin längst bestehende Rivalität zwischen beiden Vereinen in ganz neue Höhen trieb. Bis heute sind sich die Vereine nicht grün: Hier die "bürgerliche" Eintracht, dort die "proletarischen" Kickers.

1930 waren Autos noch rar in Frankfurt. Die Straßenbahn stand deshalb hoch im Kurs. Bild-Zoom Foto: Sammlung Günther Moos
1930 waren Autos noch rar in Frankfurt. Die Straßenbahn stand deshalb hoch im Kurs.

Episode 7: Mit der Straßenbahn von Offenbach nach Frankfurt

1884 eröffnete die erste elektrische Straßenbahn von Frankfurt nach Offenbach. Klingt gut, war aber reichlich kompliziert: Denn mehr als hundert Jahre lang, bis in die 1990er, brauchten Fahrgäste zwei Fahrscheine, um von Frankfurt nach Offenbach zu kommen - ein gemeinsamer Fahrschein war offenbar ein Ding der Unmöglichkeit. 1996 erledigte sich das Problem dann von selbst: Der Offenbacher Streckenabschnitt wurde stillgelegt. Damit endete die lange und leidvolle Geschichte der Frankfurt-Offenbach-Tram. Die Straßenbahnlinie hatte nämlich von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden. Ende der 1880er etwa protestierten Bürger, weil sie befürchteten, dass eine Tram langsamer, gefährlicher und insgesamt unzuverlässiger sei als die guten, alten Pferdekutschen.

Bild-Zoom

Episode 8: Offenbacher vom Frankfurter Karnevalszug ausgeschlossen

Was für ein Skandal: Trotz der rechtzeitigen Anmeldung zum Fastnachtsumzug im Jahr 2007 erhalten die Offenbacher Narren eine Absage aus Frankfurt. Die Begründung des Großen Rats gegenüber dieser Zeitung: „Der Zug ist einfach zu lang, da ist für Auswärtige einfach kein Platz mehr.“ Der beliebte Schlachtruf „Frankfurt Helau, Offenbach pfui!“ bekam damit neue Brisanz: Die pikierten Offenbacher Narrenfunktionäre vermuteten hinter der Entscheidung des Großen Rats eine Retourkutsche. Im Jahr zuvor sei nämlich der Wagen des Offenbacher Prinzenpaares im Fernsehen zu sehen gewesen, der Frankfurter Prinzenwagen aber mangels Übertragungszeit nicht. „Wenn die uns nicht wollen, dann bleiben wir eben weg“, so der damalige OKV-Vorstand Klaus-Dieter Roos. Auch in den Jahren zuvor sei es bei der Wagenabnahme immer wieder zu Problemen gekommen.

Bild-Zoom

Episode 9: Der Name „Frankfurt“ stammt von Offenbach ab

Ja, richtig gelesen. Den Beweis, dass der Name „Frankfurt“ von „Offenbach“ abgeleitet sei, meinte 1977 ausgerechnet der Frankfurter Privatgelehrte Herbert Gilger erbracht zu haben. Laut seiner Forschung hätten die Frankfurter, als sie vor hunderten von Jahren an den Main kamen, den Namen „Offenbach“ nicht verstanden und begonnen, ihn zu deuten. „Das „Offen“ in Offenbach – nach Herbert Gilger ein Hinweis auf eine Salzgewinnungsstätte (Offe) – verstanden die alten Frankfurter im Sinne von aufgeschlossen, frank und frei und machten deshalb aus „Offenbach“ Frankfurt“, wie die Frankfurter Rundschau vom 27. Januar 1977 schreibt. Weiter wird ausgeführt, dass demnach der Name "Offenbach" wesentlich älter wäre als der Name "Frankfurt". „Frankfurt“, wird Gilger zitiert, „ist ein Synonym für Offenbach.“ Die Stadtpolitik reagierte reichlich zynisch auf diese Enthüllungen. „Wir freuen uns, daß wir eine Nachbarstadt haben, die fast so ehrwürdig ist wie wir“, lautete das damalige Statement des städtischen Sprechers Joachim Peter. Dieser vergaß aber nicht, „flugs hinzuzusetzen, daß Frankfurt bereits fast 200 Jahre früher in Urkunden erwähnt wurde und da bereits als „der bekannte Ort Frankfurt.“ Offenbach wurde hingegen erstmalig – wie ironisch – in einer Schenkungsurkunde an Frankfurt erwähnt. „977 nämlich verschenkte eine Frau Ruotlint aus Offenbach Ländereien an die Salvatorkirche (heute: Dom) in Frankfurt.“

Bild-Zoom

Episode 10: Der Eklat um die Uferstraße

„Achtung! Sie verlassen jetzt eine intakte Stadt. Gott schütze zunächst Ihr Auto…“ Diese Mitteilung zierte im Jahr 1977 die Stadtgrenze von Offenbach nach Frankfurt. Der Grund? Der miserable Zustand der Uferstraße in Frankfurt. Die Offenbacher hatten mit großen Aufwendungen die Straße in ihrem Bereich erneuert. Doch die Frankfurter kamen einfach nicht in die Pötte und so gab es eine Sitzung zur Schlagloch übersäten Frankfurter Uferstraße. Im Offenbacher Rathaus sprach man gar von einem „Affront“ der Frankfurter, denn eine stichhaltige Begründung für die Verzögerungstaktik war nicht ersichtlich. Die Offenbacher hatten von März 1973 bis Mai 1975 die wichtigste Verkehrsstraße zwischen den beiden Städten für 4,8 Millionen Mark umfangreich saniert. Während die Frankfurter, „die jährlich rund 60 Millionen Mark in den Straßenbau stecken“, keinen Finger krumm gemacht hatten.

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen