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Indizienprozess um Neugeborenen-Mord: Was geschah mit dem Baby?

Im Krankenhaus gratuliert der Arzt Gabriela H. noch zur „Geburt des Jahres“. Rund drei Monate später steht die junge Frau unter dem Verdacht, ihr Baby ermordet zu haben. Vor Gericht schweigt sie bislang.
Landgericht Limburg Foto: Fredrik von Erichsen (dpa) Mysteriöser Fall vor dem Landgericht in Limburg.
Waldsolms/Limburg. 

Auch vier Monate nach dem Beginn des Indizienprozesses um einen Babymord bleibt das Verschwinden des kleinen Mädchens weiter rätselhaft. Festzustehen scheint in dem Fall lediglich, dass die Angeklagte Gabriela H. am 1. Dezember 2015 in einer Gießener Klinik ambulant ein Baby zur Welt brachte. Kurz darauf verschwand das Kind.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die junge Frau ihr Baby noch am Tag der Geburt getötet hat. Die Anklage lautet auf Mord. Die Mutter bestreitet die Tat und schweigt. Sie sitzt seit März 2016 in Untersuchungshaft.

Nach rund einem Dutzend Verhandlungstagen ist über das Schicksal des gesund geborenen Kindes nichts ans Licht gekommen. Trotz intensiver Suche, etwa in einem Waldstück oder einer Metzgerei in der Nachbarschaft der Mutter, war im Frühjahr 2016 keine Leiche gefunden worden.

Gabriela H. hatte bereits zwei Kinder, als sie im Alter von 22 Jahren das Baby in Gießen zur Welt brachte: Ein heute fünfjähriges Mädchen, das bis zur Festnahme bei der Angeklagten lebte, und ein weiteres Kind, das sie unmittelbar nach der Geburt zur Adoption freigab.

Dennoch hatte sich die Frau im Dezember 2015 in der Geburtsklinik als Erstgebärende vorgestellt, berichtete der Gynäkologe als Zeuge vor Gericht. Wegen des raschen und komplikationslosen Verlaufs habe er ihr noch zur „Geburt des Jahres“ gratuliert. Krankenschwestern zufolge war bei der jungen Mutter keine Ablehnung gegen das Kind zu erkennen gewesen.

Tatsächlich hatte Gabriela H. nicht nur dem Gießener Gynäkologen die drei Schwangerschaften verschwiegen. Auch ihrem Lebensgefährten, der Familie und Freunden hatte sie dieses Mal und schon die Male zuvor verschwiegen, dass sie schwanger war, wie Zeugen aussagten.

Auch von dem Baby, das am 1. Dezember 2015 geboren wurde, wusste niemand. Darum fiel sein Verschwinden zunächst nicht auf. Erst als die Angeklagte trotz mehrmaliger Aufforderung den Mutterpass nicht im Krankenhaus vorlegte, ergriffen Klinikmitarbeiter die Initiative und schalteten die Polizei ein.

Die Beamten erfuhren von Gabriela H. eine merkwürdige Geschichte: Sie habe die Schwangerschaft verschwiegen, weil das Kind nicht von ihrem damaligen Lebensgefährten stammte, sondern von einer Bar-Bekanntschaft, einem aus dem Ausland stammenden Mann namens Jay-Jay. Dem habe sie das Kind noch am Tag der Geburt übergeben, er habe es mit in seine Heimat genommen.

Staatsanwalt Daniel Faß hält diese Version für wenig glaubwürdig. Trotz umfassender Nachforschungen seien weder der Mann noch das Kind in Deutschland oder in dem angeblichen Herkunftsland des Vaters gefunden worden. Weitere Aussagen hat Gabriela H. seither nicht gemacht.

Die Prozesstage scheinen an der gepflegten jungen Frau vorbeizuziehen. Sie folgt dem Geschehen, macht sich Notizen und wirkt dennoch völlig unbeteiligt. Etwa als ihr Verteidiger Klaus-Dieter Henze Anträge zum Thema „Fleischbeschau“ stellt.

Dabei geht es um einen Metzger-Betrieb auf dem Grundstück im mittelhessischen Waldsolms, auf dem die Angeklagte zuletzt mit ihrem Freund und dessen Eltern lebte. Unmittelbar neben der Metzgerei befinden sich Tonnen für Fleischabfälle. Jäger können sich dort bedienen, um Köder anzufertigen.

Mit dem Antrag, diese Tonnen bei einem Ortstermin zu inspizieren, wollte der Anwalt den Vorwurf entkräften, seine Mandantin habe das Neugeborene womöglich dort entsorgt. Allerdings hatten knapp 100 Polizisten das Gelände schon vor einem Jahr gründlich abgesucht – ohne Ergebnis. Nach den Worten von Faß könnte sich der Indizienprozess noch bis in den Mai ziehen. Der nächste Termin ist für den 13. April angesetzt.

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