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Erbacher Museum zeigt Elfenbeinschnitzerkunst: Weißes Gold im Odenwald

Ein Graf machte aus Odenwäldern Elfenbeinschnitzer. Damit linderte Franz I. ihre Armut. Es entstanden wahre Kunststücke. Ein Museum erinnert daran.
Elfenbeinmuseum Erbach Bilder > Foto: Susann Prautsch (dpa) Graf Franz I. zu Erbach-Erbach hatte das Elfenbein in den Odenwald geholt. Diese Dose ist zu seinen Ehren mit einem Selbstporträt verziert.
Erbach. 

Heidi Lück arbeitet in Erbach mit Elfenbein. Das haben schon ihre Großeltern gemacht, auch im Odenwald. „Meine Großeltern stellten noch Perlen und Ketten her, verkauften diese an Schmuckgeschäfte“ erinnert sie sich. „Mein Großvater war Elfenbeindrechsler.“

Die 54-Jährige sitzt an einer Werkbank gegenüber dem Elfenbeinmuseum. Lück ist Elfenbeinschnitzer-Meisterin. Als Angestellte des Museums kümmert sie sich um die Restaurierung und die Reparatur von Kunstgegenständen, die aus dem weißen Gold gefertigt wurden. Sie greift nach einem kleinen Fräser, mit der anderen Hand hält sie ein kleines Stück Elfenbein. Schon erinnern die Geräusche an einen Zahnarzt, gleich riecht es auch kokelig. Elfenbein sei als Material zur Verarbeitung „einzigartig“, sagt sie. „Härter als Holz, aber nicht so hart wie Stein.“

Bettelarme Stadt

Im Museum gegenüber stehen Kunstgegenstände, die Odenwälder einst aus dem weißen Gold herstellten. Graf Franz I. zu Erbach-Erbach (1754–1823) hatte Elfenbein und die Kunst der Schnitzerei in den Odenwald geholt, um dort die Armut zu lindern.

„Erbach war bettelarm“, sagt Karl Weber, Direktor der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen. Der 64-Jährige führt durch das Deutsche Elfenbeinmuseum, das seit wenigen Wochen im Erbacher Schloss untergebracht ist. Dort sind in anderen Bereichen auch Sammlungen von Franz I. zu sehen. Das Elfenbein-Museum sieht Weber „als Spezialmuseum“ weltweit, mit der Region verbunden wie kein zweites. Auf 450 Quadratmetern stehen laut Weber rund 1500 Elfenbein-Exponate in 16 beleuchteten Vitrinen: Kruzifixe, Kirchen-Kelche, Figuren von Menschen und Tieren, Tabakdosen, Bierhumpen, auch ein Schuhlöffel und natürlich die bekannte Rose aus dem Odenwald. Im alten Elfenbein-Museum sei es deutlich mehr gewesen, aber die Stadt Erbach habe das Haus finanziell nicht halten können. „Mit dem Umzug in das Schloss kehrte das Elfenbein-Museum in das Herz der Stadt zurück.“ Im Januar und Februar ist noch Winterpause, am 1. März geht es wieder weiter.

Ein jähes Ende

Das Elfenbein hat den Odenwald geprägt, doch diese Zeit endete jäh. „Der Graf dachte sich für die Menschen ein zweites Standbein neben der Landwirtschaft aus“, sagte Weber. Den Handel mit Stoßzähnen der Elefanten habe der Herrscher organisiert, die Menschen zur Arbeit angeleitet. Franz I. habe das Kunsthandwerk sogar selbst beherrscht, habe sich in Wien dazu ausbilden lassen. „Er hat aus Bauern und Holzfällern Elfenbeinschnitzer gemacht“, beschreibt Weber. Der wirkliche Durchbruch sei aber erst nach dem Tod von Franz gelungen.

Dass Elefanten ihrer Stoßzähne wegen getötet wurden, darüber haben sich damals die Odenwälder keine Gedanken gemacht. Die Schnitzereien seien sogar bis in die USA gegangen. Käufer „war die klassische bürgerliche Gesellschaft des 19. Jahrhunderts“, sagt Weber.

Der Elfenbein-Handel wurde schließlich Ende der 1980er Jahre weltweit verboten, die Schnitzerei im Odenwald ging dramatisch zurück – in Hochzeiten hatten laut Weber „an die 5000 Menschen“ in der Branche gearbeitet. „Das war schon schwer“, erinnert sich auch Elfenbeinschnitzer-Meisterin Lück an ihre Großeltern. „Die haben 1989 auf Mammut-Elfenbein umgestellt.“

Gute Berufsaussichten

Auch wenn die große Zeit des Elfenbeins im Odenwald vorbei ist und es nur noch vereinzelt Schnitzer gibt – ausgebildet wird das Handwerk nach wie vor, nicht weit entfernt von Erbach, im Beruflichen Schulzentrum Michelstadt. Drei bis fünf Auszubildende gebe es pro Jahr, sagt Elfenbeinschnitzer-Meister Bernd Spachmann (51). „Die Berufsaussichten sind eigentlich gut.“ Viele wollten aber als Studenten im Bereich Gestaltung weiter machen. „Die nutzen das als Sprungbrett.“

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