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Wohlfühlprogramm für Kühe in Frankenau: Wellness für die Kuh

Den Milchkühen von Judith Garthe-Metz im nordhessischen Frankenau geht es besonders gut. Denn sie erhalten ein wahres Wohlfühlprogramm – und danken es mit viel Milch. Und eine Kuh ist sogar besonders höflich.
Glückliche Kühe Foto: Swen Pförtner (dpa) Eine Kuh steht in Frankenau-Ellershausen in einem Stall des Milch- und Zuchtviehbetrieb Garthe-Metz an einer Massagerolle.
Frankenau. 

Gemütlich trabt Elfe ans Ende ihres Stalls und stupst die Maschine an. Die Milchkuh im Stall von Judith Garthe-Metz weiß genau, was sie tut. Schon beginnt sich die Bürste zu drehen und Elfe schubbert sich genüsslich an den gelben Borsten – in einem der wohl bequemsten Kuhställe in Hessen.

„Wir haben den Stall aus Sicht der Kuh geplant“, betont Garthe-Metz. 70 Kühe passen in das offene Gebäude im nordhessischen Frankenau-Ellershausen, doch so viele sind es nie. „Einige sind immer trocken gestellt, werden also nicht gemolken“, sagt Garthe-Metz. Denn tragende Milchkühe werden rund acht Wochen vor der Geburt in einen Extra-Stall gebracht, um sich auf die Geburt vorzubereiten. „Wir machen auch Züchtungen. Das ist wie Hochleistungssport“, erzählt die Landwirtin. Sie ist seit drei Jahren Vorsitzende der Bezirksgruppe Zucht und Besamung Frankenberg und setzt sich dort für das Wohl der Tiere ein.

2002 ein neuer Stall

Schon ihr Großvater habe Kühe gehabt, ihr Vater sei dann Ende der 1960er Jahre in die Zucht eingestiegen, sagt die 47-Jährige. „Damals waren die Kühe noch von Oktober bis März angebunden. Das war das einfachste für den Menschen und es war warm, aber für die Kuh eine Quälerei.“ Heute wisse man, dass eine Kuh ab 14 Grad bereits schwitzt.

2002 sei dann ein neuer Stall gebaut worden – der Wellness-Stall. „Da der Stall nun offen ist, ist es im Winter für uns bei der Arbeit schon richtig kalt.“ Seitdem hat im Durchschnitt jede Kuh ihre Milch-Leistung um 3000 Liter pro Jahr gesteigert.

Die Menge sei von rund 9000 Liter auf durchschnittlich fast 12 000 Liter gestiegen. „Nur wenn sich die Kuh wohlfühlt, gibt sie viel Milch“, sagt Garthe-Metz. Auch für die jungen Kühe, die noch keine Milch geben, würde die Familie gern einen neuen Wohlfühlstall bauen, doch vor allem wegen den niedrigen Milchpreises seien Investitionen derzeit nicht machbar, sagt Sohn Janik Metz. Der 25 Jahre alte Agrar-Betriebswirt ist zu Jahresbeginn als Teilhaber in den elterlichen Betrieb eingestiegen. In den modernen sogenannten Liegeboxen-Laufställen können sich die Tiere frei bewegen, hinzu kommen breite Lauf- und Fressgänge.

Laut Hessischem Bauernverband standen 2010 in Hessen mehr als zwei von drei Milchkühen in Laufställen, heute dürfe der Anteil darüber liegen. „Die Laufstallhaltung hat sich bei Neubauten durchgesetzt, sie erhöht das Wohlbefinden der Tiere, fördert die Gesundheit und führt damit zu höheren Leistungen. Hinzu kommen arbeitswirtschaftliche Vorteile“, sagt Verbandssprecher Bernd Weber.

Dennoch sei es nicht möglich, dass alle Bauern diese Methoden einsetzen. „Der Bau eines neuen Boxenlaufstalles ist eine Millioneninvestition, die sich über Jahrzehnte rechnen muss. Auslaufende Betriebe werden deshalb keine so großen Investitionen tätigen können“, betont Weber.

Die gelernte Stahlformbauerin Garthe-Metz kennt noch alle ihrer Kühe mit Namen. Michigan zum Beispiel gibt schon seit sechs Jahren keine Milch mehr und erhält auf dem Hof ihr Gnadenbrot. Elfe war bereits bei Schau-Wettbewerben erfolgreich. Und eine Kuh kann sogar auf ihre Art „Guten Tag“ sagen: Garthe-Metz hat ihr schon als kleines Kalb beigebracht, das Bein wie ein Hund seine Pfote zu heben, wenn ihr „Frauchen“ „Guten Tag“ sagt.

Eine der besten in Hessen

Eine andere Kuh, mit rund 18 000 Litern Milch eine der besten in Hessen, wird wegen eines Knochenbruchs derzeit besonders gepflegt. „Sie wird auf Stroh gebettet und wieder aufgepäppelt“, sagt Garthe-Metz.

Doch nicht nur die Massagebürste hilft den Kühen. Die Liegeboxen sind nicht wie oft üblich mit einer Gummimatte ausgestattet, sondern die Tiere liegen auf Stroh, das regelmäßig gewechselt wird. „Das Stroh muss gerade sein, die Kühe legen sich nur hin, wenn sie sich wohlfühlen.

Sie sind ein bisschen wie die Prinzessin auf der Erbse“, lacht Garthe-Metz. „Die Ruhezeit ist wichtig für die Tiere.“ Im Sommer sorgen zudem die großen Fenster und Ventilatoren für Frischluft – und wenn es den Tieren doch zu warm werden sollte, stellt Garthe-Metz die Dusche an. Aus einem Schlauch geht dann über den Tieren ein feiner Nieselregen nieder. „So eine Dusche hat nicht jeder“, sagt sie stolz.

Sohn Janik hat in den Stall auch eine Webcam eingebaut. Bei kalbenden Kühen kann die Familie dann auf das Handy schauen, ob alles in Ordnung ist – und muss nicht mehr in den Stall laufen.

Übrigens finden es nicht nur Kühe in den Stallungen des Familienbetriebs gemütlich. Im Rahmen des „Literarischen Frühlings Nordhessen“ haben in den Ställen bereis Lesungen stattgefunden, unter anderem mit Schauspieler Mario Adorf.

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