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Hessens Universitäten suchen verstärkt nach alternativen Forschungsmethoden: Weniger tödliche Tierversuche

Mäuse, Ratten, Kaninchen, Fische, Goldhamster, Katzen, Hunde und Schweine: Für die Forschung müssen noch immer viele Tiere ihr Leben lassen. Zellkulturen und Hautabfälle sollen zunehmend Abhilfe schaffen.
Tierversuche Foto: Jan-Peter Kasper (dpa-Zentralbild) Eine Labormaus wird für einen Versuch vorbereitet. Wer in Hessen mit Tieren forscht, muss nachweisen, dass es dazu keine Alternative gibt.
Wiesbaden. 

Rückläufige Zahlen bei den tödlichen Tierversuchen, dafür mehr vielversprechende Alternativen: Für die Forschung an den hessischen Universitäten starben zuletzt weniger Tiere. In den vergangenen zwei Jahren waren es jeweils 37 000, 2014 noch 50 000, heißt es in einer Antwort von Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Ursula Hammann. Auch die Zahl der Tierversuche wäre in der Summe rückläufig, wenn es nicht an der Technischen Universität Darmstadt stark steigende Versuchszahlen im Fachbereich Biologie gebe.

Rhein wies jedoch darauf hin, dass an der TU Darmstadt „jedes verbrauchte Tier als Tierversuch zähle“ und es sich dabei größtenteils um tier- und umweltschutzbezogene Versuche an Fischen handle. Diese kämen nicht zu Schaden, sondern würden nach Ende des Versuchs wieder in die Freiheit entlassen. Die Darmstädter Forscher wollen herausfinden, wie Wanderfische besser geschützt und unterstützt werden können. Rhein zufolge ließen sich nichtsdestotrotz „in den letzten drei Jahren auch bei der Zahl der durchgeführten Tierversuche Reduktionen erkennen“.

Als Tierversuch gelten laut Gesetz auch Tests zur Aus-, Fort- und Weiterbildung oder zur Gewinnung von Antikörpern und Seren. Wird das Tier dagegen getötet, um seine Organe oder Gewebe zu wissenschaftlichen Zwecken zu verwenden, spricht das Gesetz nicht von Tierversuch.

Die meisten Versuchstiere sind extra für diesen Zweck gezüchtete Mäuse, Ratten, Kaninchen oder Fische. Aber auch Goldhamster, Katzen, Hunde und Schweine sind darunter. An den hessischen Universitäten nutzen Wissenschaftler die Tierversuche hauptsächlich für ihre Grundlagenforschung. Wer mit Tieren arbeitet, muss nachweisen, dass es dazu keine Alternative gibt.

Genau darum geht es bei insgesamt drei Professuren an der Goethe-Universität Frankfurt und der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie sollen herausfinden, wie man Tierversuche ersetzen oder reduzieren und die Tierhaltung verbessern kann. Bis 2020 fördert die Landesregierung diese Forschung mit 2,5 Millionen Euro.

„Für fast alle Bereiche gibt es Alternativen zu Tierversuchen“, sagte Maike Windbergs, die seit Februar in Frankfurt als Tierschutz-Professorin lehrt und forscht. Ein Beispiel seien computergestützte Programme, die die Aufnahme von Wirkstoffen in der menschlichen Haut simulieren und berechnen. „Die ganz große Zukunft liegt aber in Zellkulturen“, erklärte Windbergs. Dabei werde Gewebe im Reagenzglas nachgezüchtet. Auch menschliche Haut, die nach Operationen als Abfall übrig bleibt, werde für Tests aufbereitet und genutzt.

Die Landestierschutzbeauftragte Madeleine Martin lobt in ihrem aktuellen Jahresbericht 2016 die Professuren. „Diese Forschungsschwerpunkte waren in Hessen bislang noch nicht verankert“, sagte Martin. Was die Verteilung der Gelder betrifft, herrsche jedoch ein unglaubliches Missverhältnis: „Die Forschung geht dahin, wo Gelder hingehen, also in den Bereich, wo nach wie vor Forscher mit Tieren arbeiten.“ Martin plädierte daher dafür, Gelder gezielter zu lenken.

Nach Angaben der Landestierschutzbeauftragten könnte sich auch ein Blick über die Landesgrenzen lohnen. „In den Niederlanden wird gerade eine Strategie ausgearbeitet, in welchen Bereichen man keine Tierversuche mehr braucht.“ Das beinhalte auch exakte Zeitpläne. „Wir diskutieren das nun intern und wollen dann dem Bund entsprechende Vorschläge unterbreiten“, sagte Martin.

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