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Deutschlandweit erste Fortbildung zum "Internationalen Meister": Wenn Meister zu Azubis werden

Erstmals bildet die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main Internationale Meister aus. Damit ist sie bundesweit Vorreiterin. Die Elektromeister Thomas Noack und Laurenz Thaler haben den Pilotkurs besucht und erzählen, ob sich diese Fortbildung lohnt.
Thomas Noack (l.) und Laurenz Thaler müssen im Dezember noch eine Prüfung bestehen, dann sind sie ausgebildete Internationale Meister.
Frankfurt. 

Als dem Handwerksmeister Thomas Noack Anfang des Jahres der Werbeflyer zur Fortbildung Internationaler Meister ins Haus flog, war sein Interesse sofort geweckt. Der 52-Jährige führt im Frankfurter Nordend einen Handwerksbetrieb mit über 30 Mitarbeitern und ist immer auf der Suche nach persönlichen Herausforderungen. „Ich fand es reizvoll, noch einmal etwas für mich zu machen“, blickt Noack zurück.

Zusammen mit dem Ausbildungsmeister seines Betriebs, Laurenz Thaler, besuchte er eine Informationsveranstaltung, an der die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main ihr neues Fortbildungsprogramm vorstellte. „Der Ansatz, meine Kenntnisse als Elektrotechniker-Meister bei Einsätzen in Entwicklungsländern einbringen zu können, hat mich schließlich überzeugt“, sagt Laurenz Thaler.

Info Fluchtursachen mit Bildungsprojekten bekämpfen

Die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main ist bundesweit die erste, die eine Fortbildung zum „Internationalen Meister“ eingeführt hat. Damit reagiert die Handwerkskammer auf die zunehmende Nachfrage nach Einsätzen von Fachleuten in der Entwicklungszusammenarbeit.

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Geschult wurden Noack und Thaler sowie sieben weitere Teilnehmer in den Fächern „Interkulturelle Kompetenz umsetzen“ (60 Unterrichtseinheiten), „Internationales Projektmanagement umsetzen“ (40 Unterrichtseinheiten), „Berufs- und Ausbildungssysteme kennen und anwenden“ (40 Unterrichtseinheiten), „Unternehmensgründungswissen und Kenntnisse über Außenwirtschaft anwenden“ (40 Unterrichtseinheiten) sowie „Arbeiten und Leben in fragilen Staaten“ (20 Unterrichtseinheiten).

Und nicht nur das: Alle Teilnehmer konnten bei einer Projektwoche im Ausland erste Erfahrungen in der Entwicklungszusammenarbeit sammeln. Thomas Noack reiste nach Douala in Kamerun, um dort für Professor Joseph Ndop eine Machbarkeitstudie zum Aufbau beruflicher Aus- und Weiterbildung durchzuführen. „Ich erforschte, ob junge Menschen beziehungsweise Unternehmen bereit sind, für eine Ausbildung zu bezahlen“, konkretisiert der Firmenchef. Das Ergebnis: „Es gibt einen Markt.“

Laurenz Thaler war in Lusaka in Sambia. Dort hat er Elektriker-Lehrlinge zu den Themen Schutzmaßnahmen bei elektrischen Arbeiten und Qualitätssicherung von Reparaturen geschult. „Viele Stereotype über Afrika haben sich nicht bestätigt. Die Teilnehmer waren pünktlich, motiviert und immer vollzählig anwesend“, resümiert Thaler.

Besser aufgestellt

„Eine internationale Ausrichtung ist bisher im Handwerk zu kurz gekommen“, sagt Erik Ruh, der im Auftrag des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main das Ausbildungsangebot erarbeitet hat. Deshalb sei die neue Fortbildung zum Internationalen Meister ein wichtiger, wenn auch bescheidener Beitrag, sich in dieser Hinsicht besser aufzustellen. „Ein solches Angebot tut dem Handwerk gut“, ist er überzeugt. Denn: „Jugendliche wollen heutzutage eher international arbeiten. Das ist natürlich mit Handwerksberufen möglich.“ Die neue Fortbildung macht jedenfalls bundesweit Schule. „In Ost- und Norddeutschland soll es bald ähnliche Angebote geben“, so Ruh.

Für Thomas Noack und Laurenz Thaler steht nach 200 Unterrichtseinheiten fest, dass sie sich demnächst für Auslandseinsätze bewerben wollen. „Die Projekte müssen mich aber interessieren. Denn es soll ja Spaß machen“, sagt Noack. Beratungsaufgaben könne er sich gut vorstellen. „Mein Ansprechpartner in Lusaka hat mir bereits signalisiert, dass er an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert ist“, berichtet Thaler. Dann könnte er sambesische Fachkräfte schulen. „Ich wäre dann der ,Trainer of the Trainers‘.“ Er wolle sich aber auch für andere Projekte bewerben.

Die nächste Ausbildungsrunde für den „Internationalen Meister“ beginnt im Februar 2017. Infoveranstaltungen: Montag, 19. Dezember, Darmstadt, Haus des Handwerks; Donnerstag, 22. Dezember, Bensheim, Berufsbildungszentrum des Handwerks sowie Mittwoch, 18. Januar 2017, Frankfurt, Haus des Handwerks. Alle Veranstaltungen sind von 17 bis 20 Uhr. Anmeldungen bitte per Mail an: Melcher@hwk-rhein-main.de oder im@hwk-rhein-main.de.

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