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Wenn der Jumbo poltert

Unzählig sind die Anfragen des Grünen-Abgeordneten Frank Kaufmann zum Fluglärm und Frankfurter Flughafen. Er handelt ganz nach dem Motto „viel Feind’, viel Ehr’“.
Landtag Hessen Frank Kaufmann, Spitzname »Jumbo«, im Hessischen Landtag. Foto: dpa
Wiesbaden. 

Gerne würde man wissen, was der Chef des Frankfurter Flughafens über Frank Kaufmann so denkt. Seit vielen Jahren widmet sich der Grünen-Abgeordnete nun im Landtag hartnäckig dem Lärm an Deutschlands größtem Airport: Mit seinen zahllosen Anfragen im Parlament hat er sich zum Quälgeist von Fraport und der schwarz-gelben Landesregierung entwickelt. Er hält extra einige Aktien der Fraport AG, um bei deren Hauptversammlungen Rederecht zu haben, das er auch ausgiebig nutzt. Wenn es Ausnahmen vom Nachtflugverbot gibt, kann das Wirtschaftsministerium sicher sein, dass Kaufmann die Gründe dafür wissen will. Um die 80 Kleine Anfragen hat der knorrige 65-Jährige aus dem Landkreis Offenbach allein in dieser Legislaturperiode gestellt. Da geht es nicht nur um Wirbelschleppen und die Schubreduktion beim Startvorgang, sondern auch um die Frage, ob Fraport Tochtergesellschaften in Steueroasen hat. Denn schließlich ist Kaufmann auch haushaltspolitischer Sprecher seiner Partei.

In Sachen Flughafen ist Kaufmann die uneingeschränkte Autorität in der Fraktion. In Anlehnung an den Jumbo ist er zur „747“ der Grünen geworden. Diese drei Ziffern hat er im Landtag als Durchwahl erhalten. Eine Bevorzugung, die Kaufmann durchaus genießt. Seit 18 Jahren sitzt der alte Kämpe, der in den 1990er Jahren auch mal Landeschef der Grünen war, schon im Landtag.

Zwar kann Kaufmann mit Passagieren mitfühlen, die nach 23 Uhr nicht mehr nach Frankfurt reinkommen oder wenige Minuten nach Torschluss nicht mehr abheben dürfen und dann auf harten Flughafenbetten nächtigen müssen. Doch in der Sache ist Kaufmann unerbittlich. Er könnte sich aber einen „Deal“ vorstellen: „Für jede Maschine, die nach 23 Uhr rausgeht, kriege ich an einem anderem Tag was gutgeschrieben.“ Doch darauf will sich Fraport natürlich nicht einlassen.

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Seine Rolle als parlamentarische Flughafen-Nervensäge füllt Kaufmann gerne aus: „Das Hauptprinzip der Politik ist, dass man jemandem zur Last fällt“, sagt er. Der jahrelange erbitterte Streit um das Nachtflugverbot hat ihn gestählt. Kaufmann fordert die Ausweitung der Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr und möchte, dass die Deutsche Flugsicherung (DFS) bei ihren Aufgaben den Lärm gleichrangig bewertet. Drohkulissen der Luftverkehrswirtschaft schrecken ihn nicht: Entgegen früherer Ankündigungen und trotz Nachtflugverbot werde die Lufthansa ihr neues Luftfrachtzentrum nun doch in Frankfurt bauen.

Seinen Feldzug gegen Fluglärm in Frankfurt sieht er vor allem als einen Kampf für andere. Er selbst fühlt sich an seinen beiden Wohnorten in Dreieich und Wiesbaden nicht durch Fluglärm belästigt. „Ich habe einen guten Schlaf“, sagt er.

Als studierter Physiker hat Kaufmann, der wieder dem neuen Landtag angehören will, durchaus für die Luftfahrt etwas übrig. „Fliegen ist auch etwas Faszinierendes“, räumt er ein. Nur müsse bundesweit eine neue Balance zwischen Mobilität und Lebensqualität der Bevölkerung gefunden werden. Zu lange seien die massiven Auswirkungen des Fluglärms auf die Gesundheit ignoriert worden.

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