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Winterliche Snackbar: Wer frisst was? Bei der Fütterung heimischer Vögel gibt es Vieles zu beachten

Das Füttern von Vögeln im Winter ist nicht nur ein Naturerlebnis, sondern vermittelt obendrein Artenkenntnisse. Die meisten engagierten Vogelschützer haben einmal als begeisterte Beobachter begonnen. Doch was eignet sich als Vogelfutter? Und welche Art in den hessischen Gärten bevorzugt welches Futter?
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Frankfurt. 

Wenn es draußen kalt wird, haben viele Menschen Mitleid mit Amsel, Drossel, Fink und Co. Beim Füttern tun sie allerdings oft zu viel des Guten. Denn die Wildvögel sind an die Witterung angepasst und müssen daher nicht in Watte gepackt werden.

Wer sich an einige Regeln hält, darf sie dennoch bei der Suche nach Nahrung unterstützen – und sei es nur, um sie zum Betrachten in den Garten zu locken. Schädlich ist das Füttern bei Eis und Schnee allerdings nicht.

Gefüttert werden sollte auch nur bei winterlichen Extremwetterlagen mit Schnee oder anhaltendem Frost. Denn die Winterfütterung lenkt die Vögel von ihrer eigentlichen und natürlichen Futterquelle ab: Statt Blattlauseiern fressen sie nun Pinienkerne. Das führt zu unerwünschten Auswirkungen auf die natürlichen Kreisläufe in den Gärten und Siedlungen.

Doch: „Die Winterfütterung ist für viele Menschen die erste oder sogar einzige Möglichkeit, mit der Natur unmittelbar in Kontakt zu kommen“, sagt Lars Lachmann, Referent für Ornithologie und Vogelschutz beim Naturschutzbund Deutschland (NABU).

Keine Resteverwerter

Viele Vögel nehmen den zusätzlichen Körnersnack im Winter dankbar an, ist er doch eine willkommene Ergänzung ihres mageren Speisezettels. Tierfreunde sollten aber auf das richtige Futter achten. „Vögel sind keine Resteverwerter“, sagt Marius Tünte, Pressesprecher beim Deutschen Tierschutzbund. Gesalzene oder gewürzte Speisen können den Tieren sogar schaden. Verschiedene Körner eignen sich dagegen gut.

Wer fertige Vogelfuttermischungen im Handel kauft, sollte dennoch vorsichtig sein: Der Körnercocktail kann Samen der Beifuß-Ambrosie enthalten, einer Pflanze, auf die viele Menschen allergisch reagieren.

Der Biologe Stefan Nawrath forscht zur Ausbreitung der Ambrosie in Deutschland. Nach seiner Erfahrung werden die vorgeschriebenen Grenzwerte bei Vogelfutter längst nicht immer eingehalten. Darum empfiehlt er, das Vogelfutter entweder selbst zu mischen oder fertiges Futter noch einmal zu sieben. „Dafür eignet sich ein normaler Salatseiher mit fünf Millimeter Maschenbreite“, sagt Nawrath.

Hygiene ist wichtig

Wer das Futter selbst zusammenstellt, kann Sonnenblumenkerne, Hanfsamen oder zerkleinerte unbehandelte Erdnüsse anbieten. Auch Getreidekörner, beispielsweise Weizen oder Hafer, eignen sich gut. Bei Weichfutterfressern, wie der Amsel oder dem Rotkehlchen, sind Äpfel oder getrocknete Beeren beliebt. Das Obst sollte jedoch stets frisch sein und auf keinen Fall schimmeln. „Es kommt immer wieder vor, dass Vögel durch verdorbenes Obst verenden“, sagt Tünte.

Ohnehin ist die Hygiene beim Vogelfüttern das A und O. In feuchtem oder verschmutztem Futter können sich Krankheitskeime ausbreiten und den Tieren schaden. Darum empfiehlt Lars Lachmann, auf traditionelle Futterhäuschen zu verzichten. Geeigneter seien sogenannte Futtersilos, in denen die Körner vor Nässe und Schmutz geschützt sind.

Wann Vogelfreunde mit der Fütterung beginnen sollten, darüber gehen die Meinungen unter Experten auseinander. „Nur bei hartem Frost und einer geschlossenen Schneedecke“, empfiehlt Magnus J. K. Wessel, Leiter Naturschutzpolitik und -koordination beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Denn solange kein Schnee liegt, finden heimische Wildvögel in der Natur genug Futter.

Nach Meinung von Marius Tünte spricht nichts dagegen, schon früher anzufangen: „Man kann durchaus ganzjährig füttern.“ Zwar sei das nicht notwendig, schade den Tieren aber auch nicht. Lars Lachmann empfiehlt dagegen, mit der Fütterung möglichst früh im Winter zu beginnen und die Vögel bis Ende Februar regelmäßig mit Futter zu versorgen.

Dranbleiben

Wer einmal damit angefangen hat, sollte auf jeden Fall dranbleiben. Denn die Vögel stellen sich auf das Futterangebot ein. Sind die gewohnten Fressplätze im tiefsten Winter plötzlich leer und ist keine Ausweichmöglichkeit vorhanden, kann das für die Tiere gefährlich werden.

Dem einzelnen Vogel können Körner und getrocknete Beeren den Winter erleichtern. Ob eine Art überlebt oder vom Aussterben bedroht ist, darauf hat das zusätzliche Futter aber keinen Einfluss. „Der Bestand der Tiere ist nicht an das Füttern durch die Menschen gekoppelt“, sagt Tünte. Hier spielen andere Faktoren eine Rolle: Große landwirtschaftliche Flächen, aber auch sterile Gärten bieten den Vögeln kaum Lebensräume.

Tünte empfiehlt daher, den eigenen Garten möglichst naturnah zu gestalten. Wer vertrocknete Blumenstauden im Winter stehenlässt, einen Komposthaufen anlegt oder Reisighaufen aufschichtet, schafft natürliche Futterplätze für Wildvögel.

Der Umweltschützer Magnus J. K. Wessel geht noch einen Schritt weiter: Lebensmittel aus biologischem Anbau zu kaufen sei ein guter Beitrag zum Vogelschutz. „Denn wenn wir eine Veränderung in der Landwirtschaft bekommen, haben die Vögel in der freien Natur deutlich mehr zu fressen.“

Wer viele Vögel anlocken möchte, muss auch vielfältiges Futter in verschiedenen Darreichungsformen anbieten: Amseln, Heckenbraunellen, Zaunkönige und Rotkehlchen etwa lieben weiches Futter wie Haferflocken, Rosinen und Äpfel. Finken, Sperlinge und Ammern dagegen sind reine Körnerfresser und Liebhaber von Sonnenblumenkernen und Hanf. Sie alle fliegen auf fest montierte Häuser und Silos. Meisen, Spechte und Kleiber hingegen bevorzugen hängend befestigte, frei schwingende Futterplätze. Dafür sind sie als Allesfresser wenig wählerisch. Das Futter darf nicht durchnässen oder vereisen. Das wird durch klassische Futterhäuschen im Landhausstil ebenso wie durch Futterlampen und -silos gewährleistet.

(dpa,red)
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