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Studenten, die einen Wohnheimplatz ergattert haben, sind zufrieden: "Wesentlich mehr als die 350 Euro kann ich nicht ausgeben"

Von Viele der jungen Menschen, die in Hessen studieren, stammen auch aus diesem Bundesland – oder aus dem Ausland. Wohnheimplätze sind begehrt. Diejenigen, die in Elternnähe studieren, bleiben aber oft auch bei Mutter und Vater wohnen. Das hat Folgen für das Studentenleben.
Studierendenwohnheime Foto: Holger Menzel Ein Bett, ein Stuhl, ein Regal – im kleinen Wohnheimzimmer von Josef Kokoshvili in der Frankfurter Hansaallee ist alles nah beieinander. Aber der Jurastudent aus Georgien fühlt sich hier sehr wohl.
Frankfurt. 

Ein kleiner roter Sessel neben dem Bett, mehrere Ikonen im Regal, eine winzige Küche, in der er sich gerade Hähnchenschenkel kocht – das Wohnheimzimmer des Jura-Studenten Josef Kokoshvili in der Hansaallee ist mit seinen 18 Quadratmetern sehr eng, aber gemütlich. Seit das Wohnheim vor zwei Jahren eröffnet wurde, lebt der Georgier hier, zahlt dafür 318 Euro Miete im Monat – und ist sehr zufrieden. „Es ist alles perfekt hier, man kann gut arbeiten – und für Partys gibt es einen Gemeinschaftsraum“, freut sich der 28-Jährige, der im Wohnheim auch seine Freundin kennengelernt hat.

Leben „etwas anonym“

Fast ein Jahr lang wartete er auf sein Zimmer. Als er damals eines suchte, sei das deutlich schwieriger gewesen als heute.

Mit dieser Einschätzung bestätigt er das Ergebnis der neuen Studie des Moses-Mendelssohn-Instituts, die eine leichte Entspannung am Frankfurter Wohnungsmarkt für Studenten sieht. „Ich glaube, dass es heute leichter ist, an eine private Wohngemeinschaft zu kommen als noch vor einigen Jahren“, meint Kokoshvili.

Vieles, so berichtet die 22-jährige Lehramtsstudentin Laura Beier, laufe in diesem Bereich über das Portal „WG gesucht“. Sie wohnt ebenfalls im Wohnheim in der Hansaallee, hat dort ein Zimmer von 19 Quadratmetern. Vor zwei Jahren war die Warteliste lang, bestätigt sie.

Studierendenwohnheime Bild-Zoom Foto: Holger Menzel
Das Studentenwohnheim in der Frankfurter Hansaallee wurde vor zwei Jahren eröffnet.

Mit ihrem Zimmer ist sie sehr zufrieden – aber sie findet das Leben in dem Gebäude etwas anonym. „Am Anfang gab es hier ein großes Gemeinschaftsgefühl, aber in letzter Zeit nicht mehr“, ist ihr Eindruck.

18,4 Quadratmeter

Dass es ein wenig am typischen Studentenleben mangelt, liegt ihrer Ansicht nach auch daran, dass viele Kommilitonen noch bei ihren Eltern leben. „Wer aus Frankfurt kommt, zieht oft nicht von zu Hause aus“, hat sie festgestellt. „Und am Wochenende sind dann alle bei Mama und Papa.“ Sie könne das angesichts der Mietpreise verstehen, aber schade sei es trotzdem.

Die Bad Hersfelderin und der Georgier liegen mit der von ihnen genutzten Zimmergröße im statistischen Mittelfeld. Wie die 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks ergab, liegt diese in Hessen bei 18,4 Quadratmetern.

Die beiden Studenten zeigen aber auch zwei Trends an hessischen Universitäten auf: So haben laut Sozialerhebung 60 Prozent der Studenten in diesem Bundesland auch ihr Abitur gemacht – da ist der Weg nach Hause nicht weit. 24 Prozent leben noch bei ihren Eltern oder Verwandten.

Andererseits kommen aber auch viele aus dem Ausland, um hier eine Hochschule zu besuchen. „Am Anfang waren hier im Wohnheim fast nur Studenten aus anderen Ländern“, berichtet auch Josef Kokoshvili. Vergleichsweise gering ist dagegen der Anteil derjenigen, die aus anderen Bundesländern kommen. Nur sechs Prozent etwa stammen aus dem Nachbarland Rheinland-Pfalz.

Miete größte Ausgabe

Lediglich 14 Prozent der Studenten wohnen allein, 22 Prozent mit ihrem Partner oder Kind. Und immer ist, sofern der Studierende nicht kostenfrei bei den Eltern wohnt, die Miete der größte Ausgabeposten.

Zwar haben die hessischen Studenten überdurchschnittliche Einnahmen. Im statistischen Mittel bekommen sie 548 Euro von den Eltern und verdienen sich 401 Euro hinzu. Das sind insgesamt 949 Euro – bundesweit liegt dieser Betrag bei 918 Euro. 26 Prozent haben den Eindruck, ihre Eltern finanziell zu überfordern. Die höheren Mieten zwingen viele eben zu einem Nebenjob, der – so meinen 48 Prozent – das Studium verlängert.

Weil das Wohnen für Frankfurter Verhältnisse erschwinglich und die Lage gut ist, möchte Laura Beier im Wohnheim bleiben, die Zeit dort ist allerdings auf insgesamt vier Jahre beschränkt.

In zwei Jahren allerdings wird sie mit ihrem Studium noch nicht ganz fertig sein. Wohin sie dann für die letzten Monate bis zum Examen zieht, weiß sie im Augenblick noch nicht. Denn, so räumt die 22-Jährige ein: „Wesentlich mehr als die 350 Euro, die ich hier bezahle, kann ich nicht ausgeben.“

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