Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Geldautomaten manipuliert: Wie Ganoven Bankdaten klauen

Kriminelle versuchen mit allen Mitteln, an Bankdaten deutscher Kunden zu kommen. Dank Milliardeninvestitionen in mehr Sicherheit lassen sich diese immer seltener zu Geld machen. Doch noch gibt es Lücken.
Kriminelle montieren Vorsatzgeräte an Kartenschlitz und Tastatur des Geldautomaten, um die Kartendaten auszulesen. Mit den Daten wird dann ein Duplikat der EC-Karte angefertigt. Foto: Thomas Frey/dpa Kriminelle montieren Vorsatzgeräte an Kartenschlitz und Tastatur des Geldautomaten, um die Kartendaten auszulesen. Mit den Daten wird dann ein Duplikat der EC-Karte angefertigt. Foto: Thomas Frey/dpa
Frankfurt. 

Bis ins ferne Kathmandu führt die Spur aus Mittelhessen: In der Hauptstadt des Himalaya-Staates Nepal machen Kriminelle in diesem Herbst Daten von Bankkunden zu Geld, die sie an einem Geldautomaten in Bad Nauheim abgefischt hatten.

Der Fall bestätigt den Trend: Kriminelle müssen weit reisen oder gut vernetzt sein, um in Deutschland gestohlene Bankdaten zum Geldabheben oder Bezahlen zu missbrauchen. Denn Kartendubletten funktionieren im Grunde nur noch dort, wo Bezahlkarten nach wie vor mit leicht kopierbaren Magnetstreifen ausgerüstet werden.

Jeder Einsatz geprüft

Immer mehr Länder weltweit setzen auf moderne EMV-Technik. Dabei sind Bezahlkarten mit einer Art Mini-Computer ausgestattet: Der Datensatz wird verschlüsselt, die Karte bei Gebrauch auf Echtheit geprüft – und zwar bei jedem Einsatz sowohl am Geldautomaten als auch an der Ladenkasse. In Deutschland sind seit Ende 2010 alle inzwischen gut 100 Millionen Girocards mit EMV-Chip ausgestattet, ebenso sämtliche knapp 60 000 Geldautomaten und 720 000 Terminals im Handel.

„In Europa haben wir praktisch keine Skimming-Schäden mehr dank moderner Technik“, sagt Margit Schneider von Euro Kartensysteme in Frankfurt. Das hält Kriminelle aber nicht davon ab, an Geldautomaten in Deutschland Kartendaten und Geheimnummer (PIN) von Bankkunden auszuspähen („Skimming“) – im Gegenteil: sowohl die Fallzahlen als auch der Bruttoschaden gingen im laufenden Jahr wieder nach oben.

476 Manipulationen von Geldautomaten bundesweit zählte die Einrichtung Euro Kartensysteme, die sich im Auftrag der deutschen Kreditwirtschaft um das Sicherheitsmanagement für Zahlungskarten kümmert, von Januar bis einschließlich November 2017. Brennpunkt einmal mehr: Berlin. Mit 267 Fällen registrierten Fahnder dort 56 Prozent aller „Skimming“-Attacken. Die Häufung hat laut Bundeskriminalamt (BKA) damit zu tun, dass in Berlin viele Touristen unterwegs sind – unter anderem aus Ländern, in denen Zahlungskarten noch nicht mit dem EMV-Chip ausgestattet sind.

„Die Tätergruppen, die sich auf Skimming spezialisiert haben, versuchen alles auszuschöpfen, was geht, bevor sich die EMV-Technik überall durchgesetzt hat“, meint Schneider. Der aktuelle Anstieg der Zahlen sei kein Grund zur Besorgnis. „Unter dem Strich ist der Nettoschaden äußerst gering.“

Diebstahl bleibt Problem

Tatsächlich bleiben von dem Bruttoschaden nur etwa 300 000 Euro (15 Prozent) an den heimischen Banken und Sparkassen hängen. Grund sind internationale Abkommen, wonach für Schäden aus betrügerischen Geschäften mit geklauten Kartendaten die Länder aufkommen müssen, die die niedrigsten Sicherheitsstandards haben.

Diese sogenannte Haftungsumkehr greift seit November auch für Indien, im April 2018 kommt Nepal hinzu, ab Januar 2022 als letztes Land dann Indonesien – und damit jenes Land, in dem Kartenfälschungen auf Basis von in Deutschland geklauten Daten in jüngster Zeit vor allem zu Geld gemacht werden.

Zu einem größeren Problem hat sich der Diebstahl und Verlust von Zahlungskarten in Deutschland entwickelt. Weil Kriminelle oft mit Originalkarten und korrekter Geheimnummer am Automaten Bargeld ziehen, gehen Experten davon aus, dass viele Verbraucher nach wie vor Karte und PIN zusammen im Geldbeutel aufbewahren – entgegen aller Warnungen.

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse