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Verkehr auf dem Wasser: Wie die Schifffahrt auf dem Rhein mit dem Niedrigwasser kämpft

Die Wasserpegel des Rheins sind so niedrig, dass große Frachter nicht mehr voll beladen fahren. Fahrgastschiffe können nicht mehr überall anlegen. Schifffahrtsunternehmer wünschen sich daher Regen – allerdings nicht hier.
Ein mit 800 Tonnen Salptersäure beladenes deutsches Tankschiff ist am 09.10.2016 auf dem Rhein bei Oberwesel auf eine Sandbank gelaufen. Foto: Thomas Frey (dpa) Ein mit 800 Tonnen Salptersäure beladenes deutsches Tankschiff ist am 09.10.2016 auf dem Rhein bei Oberwesel auf eine Sandbank gelaufen.
Frankfurt. 

Seit drei Wochen beobachtet Oliver Pohl vom Vorstand der Fähr- und Schifffahrtsgesellschaft Bingen-Rüdesheimer, wie die Pegel des Rheins stetig fallen. Es ist das erste Mal in diesem Jahr, dass der Fluss Niedrigwasser führt. „Im Frühsommer hatten wir mit Hochwasser zu kämpfen, jetzt ist es das Niedrigwasser“, sagt Pohl.

Zwar sind die fünf Fahrgastschiffe des Unternehmens unverändert im Einsatz, doch die niedrigen Pegel machen mittlerweile Probleme. Die Fahrgastschiffe könnten inzwischen nicht mehr am Anleger in St. Goar halten. „Da müssen wir auf andere ausweichen“, sagt Oliver Pohl.

Hinzu kommt, dass die Schiffe so wenig Wasser unter dem Kiel haben, dass sie langsamer fahren müssen. „Bei Niedrigwasser besteht die Gefahr, dass sich Schiffe bei schneller Fahrt an der Flusssohle festsaugen und dadurch Schaden nehmen“, erklärt er. Folglich fährt seine Schiffsflotte nur noch mit halber Kraft, was zu Verspätungen führt. „Wir können den Fahrplan aktuell nicht mehr aufrechterhalten“, sagt er. Für die Fahrgäste sei das in aller Regel kein Problem. „Sie bekommen immerhin mehr für ihr Geld“, sagt er.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen hielten sich noch in Grenzen. Zwar seien die Fahrgastschiffe länger unterwegs, verbrauchten bei geringerer Geschwindigkeit aber auch weniger Sprit. Nichtsdestotrotz wünscht sich Pohl Regen. „Doch ein Tag Regen in Bingen nützt wenig. Es müsste am Oberrhein, also am Bodensee regnen, damit sich die Lage hier entspannt.“

Regen wünscht sich auch Reinhard Oswald von der Frankenbach Container Service GmbH, die das Containerterminal auf der Ingelheimer Aue zwischen Mainz und Wiesbaden betreibt. „Es ist keine angenehme Situation“, sagt er und spielt darauf an, dass Schüttgutfrachter und Containerschiffe bei den aktuell niedrigen Wasserpegeln nicht mehr voll beladen fahren können. „Wenn ein Schiff normalerweise 3000 Tonnen lädt, dann kann sich das je nach Pegelsituation auf nur noch ein Drittel reduzieren.“ Weniger Ladung bedeutet weniger Umsatz. Niedrigwasser kann also für Verlader und Dienstleister wie für Frankenbach richtig teuer werden. „Das ist unser Geschäftsrisiko. Das Wetter können wir nicht beeinflussen“, sagt Oswald.

Deshalb heißt es jetzt, Ladungsströme verteilen und alternative Verkehrsträger nutzen: „Wir besitzen ein trimodales Terminal, so dass wir auf Bahn oder Lastwagen ausweichen können. Wir sind gut aufgestellt“, sagt Oswald, schließlich ist es nicht das erste Mal, dass das Unternehmen mit Niedrigwasser zu kämpfen hat.

Der Schiffsverkehr auf dem Rhein ist trotz des Niedrigwassers hoch. Die Schiffe kämen mit weniger Tonnage. Teilweise kämen sogar mehr Schiffe als bei Normalwasser,, war von der Mainzer Hafenmeisterei zu erfahren.

Brückenarbeiten verzögert

Das Niedrigwasser des Rheins trägt auch dazu bei, dass sich die Bauarbeiten an der Schiersteiner Brücke verzögern. Wegen des niedrigen Pegels ist es nicht möglich, ein weiteres 120 Meter langes und 2000 Tonnen schweres Brückenteil vom Wasser aus einzupassen. Der Wasserstand des Rheins liegt bei weniger als zwei Metern. Um das Brückenteil einzuschwimmen, wären jedoch drei Meter nötig. Sonst bestehe Gefahr, dass das Brückenstück und der Ponton auf dem Rheingrund aufsetzen würde, so Hessen Mobil. Also liegt das Brückenteil bis auf Weiteres fertig am Ufer.

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