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Gegen die Wegwerfgesellschaft: Wie ein Mann mit "McDonalds"-Gutscheinen Obdachlosen helfen möchte

Markus Schweiss hatte gerade gegessen und dabei dank einer Gutscheinaktion gleich noch mehr Essen gewonnen. Da kam ihm eine Idee: Was, wenn der Gutschein nicht in den Müll wandert, sondern in die Hände von Hilfsbedürftigen in Frankfurt, Mainz oder Bad Kreuznach? Die Idee zu einer Spenden-Aktion war geboren.
(Symbolbild) Foto: Christoph Schmidt (Symbolbild)
Frankfurt/ Idar-Oberstein.  Am Anfang sei er eigentlich auch nur ein Opfer der Werbung geworden, sagt Markus Schweiss und es klingt auf sympathische Weise ehrlich. Dass aus Burger und Softdrink am Ende eine ambitionierte Spendenaktion erwachsen würde, hätte er wohl auch nicht gedacht.

Zur Zeit  gibt es kaum ein Entkommen  vor der knallbunten, vorweihnachtlichen Dauerbeschallung der Fast-Food-Kette „McDonalds“.  Irgendwann war es dann auch bei Markus Schweiss soweit: Hin zu einem Schnellrestaurants, Pommes, Burger und Cola geschnappt und ab nach Hause. Normalerweise gehe er so gut wie nie dorthin, sagt der 28 Jahre alte Schweiss. Eine Gutschein-und Werbeaktion hatte ihn aber doch anlocken können: Das seit Jahren berüchtigte „MC Donalds Monopoly“. Der Burger-Riese klebt dabei auf viele seiner „Köstlichkeiten“ Sticker, mit denen man sich einen Gewinn „ersammeln“ kann  – vom Luxus-Smartphone bis zur Luxus-Reise. 

Markus Schweiss gewann aber natürlich weder ein neues Cabrio, noch eine Mini-Weltreise. Er saß zu Hause, hatte gerade gegessen. Und ganz nebenbei noch eine Portion Pommes und einen Hamburger obendrauf gewonnen. „Sofortgewinn“, abzuholen im Restaurant. „Ach, wegen der blöden Portion Pommes gehst du da eh nicht nochmal hin“, habe er sich da gedacht. Der erste Reflex: In den Müll mit den Aufklebern. Aber dann habe, „Gott sei Dank“, die Vernunft übernommen: „Wer bist du eigentlich, dir das Recht herauszunehmen, das wegzuschmeißen?“, dachte sich Schweiss. „Für irgendwen kann so ein Gutschein, also das Essen, ja noch etwas Besonderes sein.“

So war die Idee geboren: Schweiss beschloss, die Coupons für Burger, Pommes & Co. zu sammeln und denen zu geben, die eine Mahlzeit wirklich brauchen können – Obdachlose und andere Hilfsbedürftige, an den Hauptbahnhöfen in Frankfurt, Mainz oder Bad Kreuznach. Er wolle ein Zeichen setzen gegen die gedankenlose Wegwerfgesellschaft, sagt er.
Warum Frankfurt?

Warum will ein junger Mann irgendwo aus Rheinland-Pfalz Obdachlosen in Frankfurt helfen? Er habe lange in Berlin gewohnt, erzählt Markus Schweiss. Oft sei er deshalb von Berlin aus nach Frankfurt und umgekehrt gefahren. Immer vom Hauptbahnhof aus. „Frankfurt habe ich als krassen Kontrast zu Berlin empfunden“, sagt der 28-Jährige. Er wolle die Mainmetropole keinesfalls beleidigen, aber er habe einfach das Gefühl, es gebe mehr Armut im Frankfurter Bahnhofsviertel als im Berliner.

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Auf Facebook rief er ganz privat dazu auf, ihm die ungewollten Gutscheine zuzusenden. Oder sie persönlich vorbeizubringen, in sein Sonnenstudio in seiner Heimat Idar-Oberstein, einer mittelgroßen Stadt zwischen Wiesbaden und Trier. Mit der Hilfe einiger Freiwilliger würde er die Gutscheine dann am 23. Dezember, also kurz vor Weihnachten, verteilen.

Anfangs dachte er, die spontane Aktion könne vielleicht ein paar Menschen aus dem Umkreis erreichen. Vielleicht hundert „Likes“ bei Facebook, vielleicht am Ende sogar hundert Coupon-Einsendungen. „Es würde mir viel bedeuten, wenn wir aus dieser Idee etwas Großes schaffen können“, schrieb er noch am 25. November auf Facebook.

„Etwas Großes“, dieser Ausdruck fällt noch immer. Nur meint Schweiss  heute, bloß wenige Tage später, etwas anderes. Die hundert Spenden haben er und sein Team schon jetzt beisammen. Und es werden immer mehr. Social Media sei dank. Fast 3000 mal haben teils wildfremde Menschen auf den Facebook-Eintrag reagiert. Fast nur positiv, versteht sich. Aber was noch wichtiger ist: Beinahe 2500 User haben den Spendenaufruf auch geteilt.

Den Unternehmer hat die Motivation nun so richtig gepackt. Das sei kein Marketing-Gag für ihn, oder etwa „Fishing for Compliments“. Jeden Tag würden ihn Menschen kontaktieren, die seine Idee toll finden. „Ich bin echt gerührt“, sagt Markus Schweiss. Die paar Verlorenen, die meckern und stänkern, ignoriert er einfach. Die gebe es schließlich immer. Sein neues, persönliches Ziel, verrät Schweiss bescheiden, sei es, tausend Gutscheine zu sammeln. „Wünschen würde ich mir aber, dass Leute aus ganz Deutschland mitmachen.“

Wer mithelfen möchte, kann das unter dieser Anschrift machen:

Beauty Solar
c/o Sofortgewinne für Hilfsbedürftige
Weierbacher Str. 3
55743 Idar-Oberstein
 
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