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Wie ein Skandal gemacht wird

Von Rainer M. Gefeller FNP-Chefredakteur Rainer M. Gefeller über ein Interview mit dem hessischen FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn und seine Folgen.

Frankfurt. 

, die gestern die Erregungswogen hochtrieb, im Wortlaut:

Frage: Wie soll die Zugkraft der Partei aber entstehen, wenn es mit Brüderle als Spitzenkandidaten und Rösler als Vorsitzenden zwei Personen gibt, die sich nicht sonderlich verstehen?

Hahn: Indem sie sich zusammenraufen und das gemeinsam machen.

Frage: Ist die Debatte um Rösler beendet?

Hahn: Ja. Wir werden sicherlich noch eine kleine Personalsdebatte bekommen über die Frage der Besetzung des FDP-Präsidiums auf Bundesebene auf dem Sonderparteitag Anfang März. Also, ob Herr Niebel und Herr Kubicki etwa noch mal eine Rolle spielen. Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren."

Einen rassistischen Zungenschlag hat die Redakteursrunde in diesen Sätzen nicht wahrgenommen, ganz im Gegenteil: Die Kollegen verstanden die Äußerung des FDP-Manns als Hinweis darauf, dass die deutsche Gesellschaft heute hoffentlich so weit sei, auch Menschen nicht-deutscher Herkunft in politische Verantwortung zu wählen.

Andere wollten das Interview anders verstehen. Die Webseite hr-online ging am gestrigen Vormittag voran und titelte: "Asiatisch aussehender Vizekanzler: Hahn hinterfragt Rösler-Akzeptanz." Kurz darauf lief die Skandal-Maschine auf Hochtouren. Günter Rudolph, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, ereiferte sich über Hahns "stillose Entgleisung" und folgerte: "Sie zeigt auch, dass der Integrationsminister selbst offenbar rassistische Tendenzen hat."

Sein Parteichef Thorsten Schäfer-Gümbel twitterte, dass Rösler ihm leid tue – "bei solchen Freunden". Kai Klose, ein Grüner im Landtag, bediente sich ebenfalls des Twitter-Dienstes, um Hahns Untergang bei der Wahl zu prophezeien, "egal, wie er aussieht". Grünen-Fraktionschef Tarek Al-Wazir kritisierte, der FDP-Politiker habe eine völlig inakzeptable Formulierung gewählt.

Wer fehlt noch? Die Linke. Deren Fraktionschefin Janine Wissler brandmarkte Hahn als "Fehlbesetzung", aus Berlin meldete sich sogar der Ober-Linke Bernd Riexinger zu Wort, warf Hahn "Rassismus in Reinkultur" vor und murrte: "Die FDP muss Hahn zurückziehen, wenn er nicht von selbst geht."

Der denkt freilich nicht dran; das heimische Skandal-Getöse erreichte den Minister gestern bei einer Reise in die Emilia Romagna, einer Partnerregion Hessens. Dort äußerte er gegenüber Spiegel Online: "Meine Äußerung ist keinesfalls ein Angriff auf Philipp Rösler. An seiner Kompetenz als Vizekanzler und Parteivorsitzender habe ich keine Zweifel. Ich habe darauf hinweisen wollen, dass es in unserer Gesellschaft einen weit verbreiteten, oft unterschwelligen Rassismus gibt. Dieses gesellschaftliche Problem darf man nicht totschweigen, sondern muss es offen ansprechen, um es zu bekämpfen. Wer in meine Äußerung etwas anderes als dies hineinliest, versteht mich falsch."

Womit der kleine Skandal eigentlich wieder in sich zusammensinken könnte. Aber wer weiß?

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