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Verbesserungen geplant: Wiesbadener Verkehrsdezernent: "Ich fahre jeden Weg mit dem Rad"

Wiesbaden wurde jüngst in einer Studie des ADFC zur fahrradunfreundlichsten Stadt Hessens gekürt. Das will die Landeshauptstadt nicht länger auf sich sitzen lassen. Unsere Reporterin Daniela Englert hat mit dem Wiesbadener Verkehrsdezernenten Andreas Kowol darüber gesprochen, wie die Kurstadt für Radler attraktiver werden möchte.
Interview mit dem neuen Umweltdezernenten Andreas Kowol Foto: Paul Müller Andreas Kowol plant Investitionen ins Radwegenetz, will auch viele Kreuzungen genau unter die Lupe nehmen. Denn bei der Fahrradfreundlichkeit ist in Wiesbaden noch viel Luft nach oben.

Minister Tarek Al-Wazir hat kürzlich davon gesprochen, dass es für Radfahrer in Wiesbaden, vor allem am ersten Ring viel zu wenig Angebote gäbe. Wie wollen Sie aus Wiesbaden eine radfahrerfreundliche Stadt machen?

ANDREAS KOWOL: Wir werden sehr viel in neue Radwege-Infrastrukturen investieren, dazu gibt es jährlich drei Millionen Euro an Mitteln im städtischen Haushalt. Darüber hinaus werden viele begleitende Maßnahmen, auch zur Imagesteigerung des Radfahrens ergriffen. Ich selbst fahre nahezu jeden Weg mit dem Fahrrad und bin damit fast schneller als jedes Dienstfahrzeug.

Die topografische Lage in Wiesbaden ist für Radfahrer nicht günstig: Geht es um ein paar mehr Radwege oder tatsächlich darum, aus Wiesbaden eine Radfahrerstadt zu machen, ähnlich wie das in Frankfurt passiert ist?

KOWOL: Es gibt viele Verbindungen, die stärker von Radfahrern genutzt werden könnten, weil sie ohne besondere Steigungen wichtige Ziele miteinander verbinden. So ist eine Verbindung aus der Wiesbadener Innenstadt, etwa aus der Fußgängerzone, fast ebenerdig in Richtung Mainz zum Rhein möglich. Zusätzlich wird dann ein neues Radwegeprojekt im Salzbachtal die Qualität für Radfahrer deutlich erhöhen. Für die topografisch anspruchsvollen Verbindungen ist das Pedelec bzw. E-Bike eine neue Möglichkeit, auch ohne große Anstrengung über Steigungen in Wiesbaden die Stadtteile zu erreichen. Das ist die technische Antwort auf die schwierige Topologie der Stadt.

Wie viele Mittel sind für den Ausbau der Fahrradinfrastruktur eingeplant, wie viel wurde in diesem laufenden Jahr schon ausgegeben, und welche Maßnahmen haben Sie bereits umgesetzt?

KOWOL: Im laufenden Jahr stehen gut eine Million Euro zur Verfügung, die auch verausgabt werden. Für die nächsten Jahre sind über drei Millionen Euro jedes Jahr für investive, aber auch unterstützende Maßnahmen vorgesehen. In diesem Jahr wurden 500 neue Fahrradabstellplätze geschaffen, die Markierungen entlang von Radwegen erneuert und die Planungen für ein Fahrradverleihsystem zum Abschluss gebracht.

Sie hatten ja den Ruf, in Hanau jeden Radweg zu kennen. Wie gut kennen Sie inzwischen die Probleme in Wiesbaden, wo sind die Hauptschwächen im hiesigen Radwegenetz?

KOWOL: Sicherlich ist einer der Hauptpunkte die schwierige Verkehrssituation insgesamt: Am ersten Ring vor dem Hauptbahnhof sind am Tag 80 000 Pkw unterwegs – das sind unverträgliche Verkehrsmengen. Am ersten Ring gibt es für Radfahrer keinerlei Verkehrsverbindung, es fehlen Radwege an den Hauptverkehrsadern, oft sind die Radwege nicht durchgängig und Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern häufig. Der starke Pendlerverkehr ist nicht von der Stadt selbst verursacht. Die Frage ist, wie man mehr Verkehrsraum auch dem Radverkehr zur Verfügung stellen kann. Im Moment liegt der Anteil der Radler noch bei acht Prozent in der Innenstadt, das soll sich ändern.

Viele Radfahrer beklagen zu schmale und nicht durchgängige Radwege und eine gefährliche Ampelschaltung. Was sagen Sie denen?

KOWOL: Das ist nicht von der Hand zu weisen. Die Ampelschaltungen sind in erster Linie für den Autoverkehr ausgerichtet. Es gibt bisher nur eine durchgängige Radverbindung in der Innenstadt, nämlich vom Platz der deutschen Einheit über den ersten Ring über die Bertramstraße/Goebenstraße bis zum Elsässer Platz. Wir wollen in den nächsten Jahren mehr solcher Radverbindungen errichten. Auch auf dem Mittelstreifen des Kaiser-Friedrich-Ring soll geprüft werden, hier einen Fahrradweg zu bauen. Das macht aber nur Sinn, wenn dieser auch relativ durchgängig befahrbar ist und nicht alle 20 Meter wieder durch querende Autos unterbrochen wird.

Die Rede ist auch davon, die Radwege zu beschildern, also eine Beschilderung des Mangels, ist das nicht der falsche Weg? Sollte man nicht mehr investieren in den Bau neuer Radwege?

KOWOL: Die Beschilderung ist ein bundesweiter Standard, den Wiesbaden im Moment nicht erfüllt. Parallel dazu fangen wir jetzt mit Hochdruck an, zusätzliche Markierungsstreifen fürs Rad zu schaffen. Die neue Kooperation aus SPD, CDU und GRÜNEN hat erkannt, dass es wie bisher nicht weitergehen kann und stellt jetzt 2,9 Millionen jährlich für das Wiesbadener Radwegenetz zur Verfügung. Das ist fast dreimal soviel wie bisher. Zum Beispiel planen wir einen Express-Radweg vom Hauptbahnhof nach Mainz durch das Salzbachtal über Amöneburg, mit Abzweigungen nach Biebrich und Kastel. Womit wir jetzt angefangen haben ist ein Sofortprogramm „500 neue Fahrradabstellplätze“ mit größtenteils Fahrradbügeln und langfristig soll es ein Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof geben.

Manche fürchten, Sie könnten heiß begehrte Parkplätze den Radwegen opfern?

KOWOL: Einen Parkplatzmangel in Wiesbaden gibt es zwar gefühlt, aber nicht bei den Gesamtzahlen. Es gibt zahlreiche nicht voll ausgelastete Parkhäuser und mit dem Rhein-Main-Congress-Center kommen noch einmal Hunderte Stellplätze hinzu. Dazu kommt ein hervorragendes Bussystem mit 55 Millionen Nutzern jährlich, das aber an seine Kapazitätsgrenzen stößt. Eine Straßenbahn könnte diese Grenze überwinden und mehr Menschen einen Anreiz geben, aufs Privatauto zu verzichten. Dann sinkt auch für diejenigen der Parkdruck, die wirklich aufs Auto angewiesen sind.

Die Kreuzung Rheinstraße/Oranienstraße wird von Radfahrern wie Fußgängern als gefährlich eingestuft. Gibt es hier kurzfristig Abhilfe, die Ampelschaltung sicherer zu machen?

KOWOL: Wir müssen uns ganz viele Kreuzungen anschauen, das ist auf vielen Strecken so und zwingend notwendig. Auch ist zum Beispiel die Kreuzung Schiersteiner Straße/Konrad-Adenauer-Ring chronisch überlastet. Wir werden die Radfahrstreifen neu konzipieren und die Ampelschaltung verändern. Die Grüne Welle berücksichtigt bisher nicht alle Verkehrsteilnehmer.

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